Österreich. Rund 3 Mrd. Euro flossen 2023 in Investment-Immobilien: Das ist mehr als erwartet, aber immer noch ein Minus von 30 Prozent, so EHL und CBRE.
Die rund 2,9 Milliarden Euro (CBRE-Schätzung) bzw. rund 3 Mrd. Euro (EHL-Schätzung) im Gesamtjahr 2023 seien besser als erwartet, allerdings immer noch deutlich weniger als im Jahr 2022 – da waren es noch rund 4,4 Milliarden Euro. Immerhin: Das zweite Halbjahr 2023 ist um zwei Drittel besser ausgefallen als das erste, gerade das dritte Quartal war mit einigen großvolumigen Bürotransaktionen das stärkste, heißt es beim Immobilien-Dienstleister CBRE. Im Detail:
- Die Assetklasse Büro war 2023 mit 43% am Gesamtvolumen die eindeutig stärkste, gefolgt von Retail mit 28%.
- Auf die seit 2018 fast ausnahmslos stärkste Assetklasse Residential (Wohnen) entfielen nur rund 9% des Transaktionsvolumens, auf Logistikimmobilien ca. 6%.
„Das Investmentjahr 2023 ist stärker ausgefallen als wir dies noch zur Jahresmitte prognostiziert haben, allerdings ist es seit 2016 das schwächste Jahr am Immobilieninvestmentmarkt. Wir gehen davon aus, dass 2024 das Volumen und auch die Zahl der Transaktionen – unter anderem aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen einiger Eigentümer – wieder steigen werden“, so Lukas Schwarz, Head of Investment Properties beim Marktführer CBRE. Bekanntlich haben u.a. mehrere Signa-Gesellschaften Insolvenz angemeldet.
Derzeit investieren fast nur Österreicher
In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten agieren internationale Investoren vorsichtiger, was an der Aufteilung nach Investorenherkunft zu beobachten ist, heißt es bei CBRE weiter: 85% der Investoren kommen aktuell aus Österreich, nur 15% der Transaktionen gehen auf die Konten internationaler Investoren.
„Im Vergleich zu anderen Ländern gehört Österreich nach wie vor zu den stabilen Immobilienmärkten. Während in vielen anderen europäischen Märkten Rückgänge von bis zu 50% des Investmentvolumens im Vergleich zu 2022 zu erwarten sind, ging das Transaktionsvolumen in Österreich um 34% zurück. Das ist ein positives Signal für internationale Investoren, die 2024 voraussichtlich wieder verstärkt in Österreich investieren werden“, so Schwarz.
Die Renditen seien in allen Assetklassen weiterhin gestiegen, aktuell liegen sie in den Assetklassen Büro und Logistik bei 5%, für Wohnimmobilien bei 4,7%. Eine Stabilisierung der Renditen werde für Mitte 2024 erwartet.
Die Zeiten werden – hoffentlich – besser
Hauptverantwortlich für das Krisenjahr 2023 waren die hohe Inflation und die zur Bekämpfung der Teuerung stark und schnell gestiegenen Zinsen, die das Kapitalmarktumfeld und den Investmentmarkt fundmental verändert haben, heißt es bei EHL. Dazu kamen die deutlich eingetrübten Konjunkturaussichten und nicht zuletzt die Insolvenzwelle rund um die Signa-Gruppe. Die Folgen seien eine starke Verunsicherung auf Banken- und Investorenseite, gestiegene Renditen und ein signifikanter Rückgang der Transaktionen.
Nachdem aber nun bereits seit einigen Wochen wieder eine Stabilisierung an der Zinsfront zu verzeichnen sei, die Zinsen am langen Ende sinken und die Inflation kontinuierlich zurückgeht, sehe die Branche wieder Licht am Ende des Tunnels. „Die Aktivitäten am Investmentmarkt nehmen seit Wochen wieder deutlich zu, Investoren steigen verstärkt in die Ankaufsprüfung von Objekten ein und mit Beginn des neuen Jahres werden nun auch die Akquisitionsziele der Investoren neu definiert, so dass davon auszugehen ist, dass der Markt wieder Fahrt aufnehmen wird,“ erläutert Branchendoyen Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe.
Freilich sehe man immer noch „beim Preisniveau der gehandelten und in Prüfung befindlichen Immobilien in vielen Fällen ein starkes Auseinanderklaffen der Erwartungen von Käufer- und Verkäuferseite“, meint sein Kollege Franz Pöltl: „Diese Lücke wird sich aber über die nächsten Monate weiter schließen.“
Die bereits erfolgten oder auch noch bevorstehenden Insolvenzen werden voraussichtlich zu einigen spektakulären Transaktionen führen, die den Markt wieder beleben werden, heißt es. Besonders schwer haben es derzeit freilich generell Immobilien mit schlechtem ESG-Zeugnis und Projektentwickler.
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