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Business, Recht, Tools

Der neue Boom der Genossenschaften: Preise und Tools von Raiffeisen und ÖGV

Johannes Rehulka ©Sabine Klimpt

Österreich. Die Genossenschaften erleben einen Startup-Boom: 270 Neugründungen gab es zuletzt. Nun will Raiffeisen mit dem „Genius Award“ neue Genossen anspornen, der ÖGV startet ein Online-Tool und mehr.

Es handelt sich sozusagen um historisches Comeback: Die Idee der Genossenschaften, die im 19. Jahrhundert ihre große Blütezeit erlebte, schien in späteren Jahrzehnten ein wenig aus der Mode gekommen. Doch die Genossenschaftsgründungen haben in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. Konkret gab es in den letzten fünf Jahren an die 270 Genossenschafts-Neugründungen in Österreich, heißt es bei Raiffeisen.

Ein 13 Milliarden-Konzern sucht Nachahmer

Der „grüne Riese“ Raiffeisen, der aus der Landwirtschaft kommt, ist heute von Banken über Industrie bis Medien aktiv und verkörpert rund 13 Milliarden Euro jährliche Wirtschaftsleistung. Sein Kernstück ist der Österreichische Raiffeisenverband (ÖRV), Revisionsverband und Interessenvertretung für die österreichische Raiffeisen-Gruppe. Weitere prominente Vertreter des genossenschaftlich organisierten Wirtschaftsbereichs sind im Österreichischen Genossenschaftsverband (ÖGV) organisiert. Beide Organisationen haben nun neue Tools und Preise gestartet, um die Gründungswelle in ihrem Sektor anzuspornen: Nach Jahrzehnten der Dürre haben Energiewende & Co sozusagen für eine Startup-Welle gesorgt.

Neue Tools und Awards für die Genossen(schaften) der Zukunft

Der Österreichische Raiffeisenverband (ÖRV) vergibt nun erstmals den „Genius Award“ für Projekte, die in der Rechtsform der Genossenschaft umgesetzt werden können, heißt es in einer Aussendung. Mit einem österreichweiten Ideenwettbewerb für innovative, nachhaltige und gemeinschaftliche Projekte – dem Raiffeisen Genius Award – lege Raiffeisen einen neuen Fokus auf das Thema Genossenschaft und Mitgliedschaft, um genossenschaftliche Ideen und vor allem ihre Bedeutung für die Regionen wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen.

„Raiffeisen hat durch seine nachhaltige Tätigkeit und seine Investitionen vor Ort eine enorme Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in den Regionen“, so ÖRV-Generalsekretär Johannes Rehulka: „Der aktuelle Wertschöpfungsbericht des ÖRV und des Economica-Institutes bestätigt den volkswirtschaftlichen Stellenwert der regionalen Raiffeisen-Genossenschaften für ganz Österreich.“

Raiffeisen Österreich leistet demnach mit 13,1 Mrd. Euro an gesamtwirtschaftlichem Beitrag mehr als die gesamte Gastronomie des Landes, biete österreichweit 93.000 Arbeitsplätze und sorge für eine jährliche Steuer- und Abgabenleistung von 3,7 Mrd. Euro. „Die Raiffeisenidee ist aktueller denn je. Allerdings wollen wir uns mit dem Status quo nicht zufriedengeben sondern Österreichs Regionen durch innovative Genossenschaftsideen weiterentwickeln“, so Rehulka.

Mehr Genossenschaften auch beim ÖGV

Wie so oft sind neue wirtschaftliche Entwicklungen ein Ansporn, im konkreten Fall der Aufstieg erneuerbarer Energien: Von den 270 Neugründungen der letzten Jahre sind allein 65 Raiffeisen-Energiegenossenschaften, die den Mitgliedern die Erzeugung und den Verbrauch von regionalem Ökostrom zu leistbaren Preisen ermöglichen sollen. „Genossenschaften passen mit ihrem Selbstverständnis perfekt in unsere Zeit“, so Manuel Hanselmann, Leiter der Stabstelle „Kompetenzzentrum Genossenschaft“ im ÖRV.

Auch beim Österreichischen Genossenschaftsverband (ÖGV), sozusagen der Konkurrenz zu Raiffeisen, sieht man seit dem Jahr 2019 die Genossenschaftsidee im Aufwind: 2023 gab es demnach 14 Neugründungen im ÖGV, darunter sieben Energiegemeinschaften und eine Infrastrukturgenossenschaft (für ein Glasfaser-Netz). Mit einem eigenen Gründerservice inklusive dem ÖGV-Online-Tool „CoopCheck“ will man angehenden Genossen Orientierung bei der Suche nach der passenden Rechtsform u.a. geben.

Der Preis von Raiffeisen

Mit dem Raiffeisen Genius Award will Raiffeisen laut eigenen Angaben „einen echten Genossenschafts-Turbo zünden“ und mit innovativen Ideen einen regionalen Mehrwert schaffen. „Raiffeisen-Genossenschaften schaffen den Ausgleich zwischen wirtschaftlichem Handeln und nachhaltigem Engagement“, so Hanselmann.

Beim Raiffeisen Genius Award können Teams ab mindestens zwei Personen oder juristische Personen, also beispielsweise Unternehmen oder Vereine, Ideen einreichen, die als Genossenschaft umgesetzt werden können und die einen Nutzen für die Region oder die Menschen, die dort leben, bieten. Eine Jury entscheidet schließlich über die Gewinner des Awards, bei dem die drei besten Ideen mit 15.000 Euro (1. Platz), 5.000 Euro (2. Platz) und 3.000 Euro (3. Platz) prämiert werden.

„Nicht schnelles Geld, sondern Nachhaltigkeit“

Die Hoffnung auf schnelles Geld soll übrigens nicht hinter der Gründung einer Genossenschaft stehen, wird auf der Website des Genius Award betont: Die Mitglieder einer Genossenschaft sind sowohl deren Eigentümer:innen und Kapitalgeber:innen wie auch ihre Geschäftspartner:innen. Das Ziel der Genossenschaft ist es, einen bestimmten Geschäftsbetrieb so erfolgreich zu führen, dass der damit verbundene Zweck dauerhaft erreicht wird. Dieser Zweck könne zum Beispiel die gemeinsame Versorgung mit grüner Energie sein, etwa bei einer Photovoltaik-Energiegemeinschaft. Es komme aber auch die Erzeugung regionaler Produkte in Frage – oder auch der gemeinsame Betrieb eines Dorfwirtshauses, für das sich kein gewinnorientierter Pächter mehr findet, und vieles mehr.

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