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Kirche erfand Abzinsung: Diskontierung stammt aus dem 17. Jahrundert

©ejn

Cambridge (Massachusetts). Beamte der Anglikanischen Kirche haben das Instrument der Abzinsung erfunden, hat jetzt eine Untersuchung des MIT ergeben: Die Diskontierung half in einer Notlage.

Die Abzinsung, die heute übliche Technik zur Bewertung des gegenwärtigen und künftigen Wertes von Geld durch Annahme einer bestimmten Rendite, hat ihren Ursprung – zumindest zu einem beträchtlichen Teil – beim englischen Klerus im 17. Jahrhundert. Das hat William Deringer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) herausgefunden.

Zwar geht die mathematische Methode der Diskontierung bis ins 13. Jahrhundert zurück, u.a. auf Leonardo da Pisa (auch Fibonacci genannt). Doch der englische Klerus, nicht Kaufleute oder Bankiers, gehörte zu den frühesten und begeisterten Anwendern. Die meisten Menschen seien davon ausgegangen, dass dazu hartgesottene Kapitalisten nötig waren, weil leistungsfähige Berechnungen es ermöglichen, einen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen und die Gewinne zu steigern, so Deringer. Doch in Wahrheit sei es die Geistlichkeit gewesen, deren Verwaltungsbeamte mit dem neuen Instrument ein tagesaktuelles Problem lösten.

Geldsorgen einer Kathedrale

In den frühen 1600er-Jahren hatten die Verantwortlichen der anglikanischen Kathedrale von Durham in England ernsthafte finanzielle Probleme. Steigende Preise hatten die Ausgaben in die Höhe getrieben. Zwar hatte die Kathedrale beträchtliche Einnahmen, doch die stammten meist aus der Verpachtung von Land an Pächter, die langläufige Verträge hatten. Daher konnten die kirchlichen Beamten die Pacht nicht einfach erhöhen. Stattdessen begannen die Kirchenoberhäupter, regelmäßige Gebühren zu erheben, was die Pächter jedoch oft verärgerte. Und das wollte man lieber vermeiden – es war ja die Ära der religiösen Spaltung in Europa, die in England letztendlich einen Bürgerkrieg, die Hinrichtung von König Karl I. und die zeitweilige Herrschaft von Oliver Cromwell und den Puritanern (1649-1660) herbeiführen sollte.

Auch wenn das Anfang des 17. Jahrhunderts natürlich noch nicht absehbar war, die Atmosphäre war aufgeheizt und eine zusätzliche Entfremdung der Gläubigen von der Church of England – der Anglikanischen Staatskirche – wollte man vermeiden. Daher wurde man erfinderisch: 1626 fanden die Beamten in Durham eine Formel, die die Pächter akzeptierten.

  • Mit einer Zahlung in Höhe des Nettowertes des Landes für ein Jahr erkauften sich die Pächter konkret eine siebenjährige Verlängerung der Pacht.
  • Bei einer Zahlung in Höhe von 7,75 Jahren des Nettowertes erhielten sie eine Verlängerung um 21 Jahre.

Das Beispiel machte Schule. Bald wandten alle kirchlichen Finanzbehörden in England das Verfahren an, so das MIT.

Diskontierung sogar im Football

Heute ist die Diskontierung ein allgegenwärtiges Instrument. Der Grundgedanke ist einfach: Ein Dollar in der Gegenwart ist mehr wert als ein Dollar in zehn Jahren, da man in der Zwischenzeit als Anleger Geld verdienen kann. Dieses Konzept spielt eine wichtige Rolle auf den Investitionsmärkten, in der Unternehmensfinanzierung und sogar in der National Football League, wie es heißt – nämlich beim Handel mit den Spielern. Wie der Historiker William N. Goetzmann geschrieben hat, ist die damit verbundene Idee des Kapitalwerts „das wichtigste Instrument der modernen Finanzwirtschaft“. (pte/red)

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