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10 Jahre Interessenvertretung VUJ: „Berufsspezifische Qualitätsstandards schaffen“

Eva-Maria Tos ©Katharina Schiffl

Interview. Die österreichische Unternehmensjurist:innen-Vereinigung VUJ ist 10 Jahre alt: Vorstandsvorsitzende Eva-Maria Tos über Erreichtes und neue Ziele, den Wunsch nach Anerkennung als offizieller Rechtsberuf und mehr.

Extrajournal.Net: Die Vereinigung Österreichischer Unternehmensjurist:innen (VUJ) gibt es jetzt seit 10 Jahren: Welche Ziele haben Sie erreicht, was gibt es noch zu tun?

Eva-Maria Tos: Wir feiern im November unser 10-jähriges Jubiläum. Zu den Highlights zählt für mich, dass wir inzwischen als eine Institution angesehen werden, als ein unverzichtbares, wertvolles Netzwerk. Das zeigt sich etwa an den Regionalfachkreisen: Ein Teilnehmer präsentierte dort zum Beispiel, wie er und sein Team Compliance im Unternehmen umgesetzt hatten. Die Teilnehmenden profitieren von den Erfahrungen bzw. Best Practices ihrer Berufskolleg:innen sowie vom Austausch rund um die besprochenen Themen.

Natürlich verfolgen wir mit Nachdruck das Ziel, die Anerkennung der Unternehmensjurist:innen als Rechtsberuf zu erreichen. Zu diesem Zweck hatten wir vor zwei Jahren einen Termin bei Justizministerin Alma Zadić. Derzeit wird im Justizministerium geprüft, ob unser Beruf offiziell als Rechtsberuf anerkannt wird – so wie das in der Mehrzahl der europäischen Staaten bereits der Fall ist. Das ist uns ein großes Anliegen.

Was für einen Vorteil hätte das?

Eva-Maria Tos: Zum einen ist es eine Anerkennung eines Faktums. Auch wir sind Angehörige eines Rechtsberufs. Zum anderen ermöglicht uns dies besser, politische und andere Forderungen umzusetzen. Eine Forderung weiteres Thema für viele unserer Mitglieder ist etwa die Anrechenbarkeit von Pensionsansprüchen bei einem Wechsel zwischen der Anwaltschaft und dem Beruf der Unternehmensjurist:innen, dass sie Pensionsansprüche, die sie in einem früheren Beruf als Anwalt erworben haben, auch in ihr späteres Dasein als Unternehmensjurist mitnehmen wollen.

Weiters ist es ein deklariertes Ziel der VUJ, berufsspezifische Qualitätsstandards zu schaffen. So wird im rechtswissenschaftlichen Studium am Juridicum der Universität Wien derzeit praktisch kein Bezug auf unsere Tätigkeit genommen. Vor diesem Hintergrund ist VUJ-Gründer und Vorstand Maximilian Kindler aktuell mit Vizedekan Univ.-Prof. Dr. Christian Koller im Gespräch.

„Das regulatorische Umfeld wird immer anspruchsvoller“

Wie viele Mitglieder hat die VUJ und wie viele Unternehmensjurist:innen gibt es insgesamt in Österreich?

Eva-Maria Tos: Hierzu gibt es für Österreich keine offiziellen Zahlen. Wir schätzen, dass es in Österreich in Summe etwa 4.000 Unternehmensjurist:innen gibt, wobei ihre Zahl in letzter Zeit gestiegen sein dürfte. Die VUJ hat derzeit 440 Mitglieder. Im Verhältnis scheint der Organisationsgrad also tatsächlich bei uns etwas höher zu liegen als in Deutschland, es gibt offensichtlich Bedarf.

Was es in Deutschland auch gibt – als Besonderheit speziell im Bereich Unternehmensjuristen -, ist der Beruf des Syndikusanwalts. Das ist ein Rechtsanwalt, der in dem Unternehmen angestellt ist, das er hauptsächlich berät. Wäre eine solche Konstruktion aus Ihrer Sicht auch für Österreich interessant?

Eva-Maria Tos: Das ist aktuell keine Forderung der VUJ bzw. unserer Mitglieder. Unser Fokus liegt momentan neben der Interessenvertretung darauf, Ausbildungs- und Fortbildungsstandards für Unternehmensjurist:innen zu schaffen und unser Netzwerk auszubauen, um den Mitgliedern derart eine Plattform zu bieten, die sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Denn angesichts eines immer anspruchsvoller werdenden regulatorischen Umfelds ist eine zentrale Frage: Wie werden die geltenden Regelungen bestmöglich umgesetzt?

„Wir sind 10 und werden 1000“

Sie sehen sich als eine Interessenvertretung Ihres Berufsstandes. Gehören dazu auch Stellungnahmen, mit denen sich die VUJ in den Gesetzgebungsprozess einbringt?

Eva-Maria Tos: Wir haben schon Stellungnahmen eingebracht, zum Beispiel im Bereich Kartellrecht. Es ist im Moment auch schlicht eine Kapazitätsfrage. Wir sind eine freiwillige Interessenvertretung, die mit ihren beschränkten Mitteln haushalten muss, aber wir möchten uns stetig mehr einbringen.

Es geht Ihnen auch um die Verankerung des Berufsbildes in der universitären Lehre. Welche Maßnahmen sind hier geplant?

Eva-Maria Tos: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Um das Berufsbild der Unternehmensjurist:innen stärker in der universitären Lehre zu verankern, werden wir über den Sommer gemeinsam mit der Universität Wien die mögliche Einführung von speziellen Lehrveranstaltungen und eine Schwerpunktausbildung in Form von Wahlpflichtfächern evaluieren. Dazu gehört etwa die Einführung eines spezifischen Kurses „Unternehmensjurist:innen“, der das Berufsbild und die täglichen Aufgaben von Unternehmensjurist:innen beleuchtet und sich von traditionellen Rechtsberufen abgrenzt. Interdisziplinäre Wahlfächer wie „Rechtsberatung in Unternehmen“ oder „Recht und Unternehmensführung“ könnten auch gemeinsam mit der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften angeboten werden, um den Studierenden Praxisnähe zu vermitteln.

Weitere Maßnahmen umfassen die Förderung von Praktika in Rechtsabteilungen von Unternehmen bereits während des Studiums und das Einrichten von Mentoring-Programmen. Regelmäßige Workshops und Gastvorträge von erfahrenen Unternehmensjurist:innen sowie praxisorientierte Prüfungen sollen die Studierenden auf die realen Herausforderungen in Unternehmen vorbereiten. Auch planen wir regelmäßige Informationsveranstaltungen und Karrieremessen, um das Interesse an diesem Berufsfeld zu wecken.

Wo möchten Sie in 10 Jahren sein?

Eva-Maria Tos: Wir sind 10 und werden 1.000. Damit ist gemeint, dass wir 1.000 Mitglieder erreichen wollen, um unser Netzwerk auszubauen. Damit wäre ein wichtiger Schritt gesetzt.

Im Interview

Mag. Eva-Maria Tos ist Vorstandsvorsitzende der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjurist:innen (VUJ).

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