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Interview: „Manz Genjus KI hat nach drei Wochen mehrere Hundert User“

Susanne Stein-Pressl ©Marko Mestrovic

Österreich. Traditions-Fachverlag Manz hat mit Genjus KI ein fortschrittliches KI-Tool für Rechtsprofis gestartet. Verlagschefin Susanne Stein-Pressl über Erfahrungen, Verkaufszahlen und Ausbaupläne.

Extrajournal.Net: Sie haben vor kurzem das 175-jährige Verlagsjubiläum gefeiert, nun ging heuer mit Manz Genjus KI ein neues Tool der Künstlichen Intelligenz in den Vollbetrieb: Wie gut schlägt sich die Manz-AI?

Susanne Stein-Pressl: Die Manz Genjus KI kommt sehr gut an, die Nachfrage ist groß, und zwar auch bei Kundinnen und Kunden, die bisher noch nicht bei den digitalen Angeboten der RDB zugeschlagen haben, sondern eher bei Büchern und Zeitschriften. Manche dieser Anwalts- und Steuerberatungskanzleien machen damit den Sprung in die Ära der Digitalisierung. Dass das Interesse so groß sein würde, konnten wir jedenfalls durch unsere extensive Early Access Phase mit rund 4.700 Tester:innen schon antizipieren.

Uns war es wichtig, unser Produkt auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor wir es im Vollbetrieb lancieren. Gerade wenn es um das heikle Zusammenspiel von Recht und Künstlicher Intelligenz geht, ist es uns besonders wichtig, dass wir von unserem gewohnt hohen Qualitätsversprechen gegenüber unseren Kundinnen und Kunden nicht abrücken.

Das Feedback der zahlenden Kunden

Sie hatten 4.700 Testuser in der Vorbereitungsphase von Manz Genjus KI. Wie viele User hat das Tool jetzt im Vollbetrieb, der ja kostenpflichtig ist?

Susanne Stein-Pressl: Innerhalb von nur drei Wochen nach dem Start konnten wir bereits mehrere Hundert Nutzer:innen aus unterschiedlichen Bereichen der Rechtsbranche als Kundinnen und Kunden begeistern – und es werden täglich mehr. Das Feedback ist überwältigend, die Postfächer gehen gerade über vor Anfragen. Das freut uns natürlich sehr. Viele Kundinnen und Kunden berichten nahezu euphorisch von ihren Erfahrungen mit unserem Produkt – dass Genjus KI beispielsweise nach so kurzer Zeit aus dem Kanzleialltag nicht mehr wegzudenken sei. Oder aber auch, wie anders sie nun Rechtsrecherche erleben: vom Monolog hin zum Dialog.

Genjus KI tritt in einen Austausch, beantwortet Fragen in natürlicher Sprache und reagiert auf eine beliebig große Anzahl von Folgefragen. So kann so lange nachgefasst und präzisiert werden, bis das Ergebnis punktgenau ist. Und das noch dazu in hoher Geschwindigkeit und mit kompletten, zitierfähigen Quellen, die man dank integrierter Dokumentenansicht auch im Volltext nachlesen kann. Zur besseren Übersichtlichkeit kann man sich Ergebnisse in tabellarischer Form anzeigen lassen, Zusammenfassungen erstellen und in eigenen Ordnern ablegen.

Bei den neuen KI-Tools der Fachverlage gibt es im Gegensatz zu anderen Produkten relativ wenig Preise von der Stange. Was kostet der Einsatz der Manz Genjus KI?

Susanne Stein-Pressl: Unsere Preise für Manz Genjus KI sind klar und fair: Sie hängen von der Anzahl der Nutzer:innen ab. Wer bereits ein RDB-Abo hat, profitiert außerdem von einer individuellen Anpassung des Angebots. Wichtig ist aber zu verstehen, dass Manz Genjus KI auch vollkommen unabhängig von einem RDB-Abonnement bezogen und benutzt werden kann, zumal direkt im Produkt selbst die vollständige Dokumenten-Ansicht der zitierten Fundstellen möglich ist. Die RDB ist daher keine zwingende Voraussetzung für die tiefergehende Literaturrecherche.

Die weiteren Ausbauschritte

Wie geht es mit der Entwicklung jetzt weiter?

Susanne Stein-Pressl: Wir entwickeln Manz Genjus KI laufend weiter. Schon in den nächsten Monaten – noch vor dem Sommer – werden erste Erweiterungen verfügbar sein. Dabei setzen wir vor allem auf eine noch breitere Wissensbasis: Die KI wird künftig zusätzlich auf Inhalte des EU-Rechtsinformationssystems EUR-Lex sowie auf offizielle Informationen von oesterreich.gv.at, den Ministerien und dem Parlament zugreifen können. Nutzer:innen haben dabei die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Quellen in die Antworten einfließen sollen.

Besonders freut es uns, dass wir auch einen in Gesprächen mit Kundinnen und Kunden oft genannten Wunsch erfüllen werden: In Kürze wird es möglich sein, eigene Schriftsätze sicher und vertraulich hochzuladen und von der KI analysieren zu lassen. Dabei bleibt der Schutz der Daten selbstverständlich gewährleistet – die KI lernt ausschließlich aus geprüften Quellen und niemals aus den Anfragen oder Dokumenten der Nutzer:innen.

Eine weitere spannende Neuerung ist das sogenannte Agenten-System, mit dem komplexe Fragestellungen automatisch in kleinere Teile zerlegt werden, um im Hintergrund von mehreren digitalen Helfern effizient und präzise beantwortet zu werden. Man kann sich das vorstellen wie in einer Spitzenküche, in der viele verschiedene Köch:innen im Hintergrund an einem Gericht arbeiten, während der Gast nur das perfekt angerichtete Ergebnis serviert bekommt – und bei Manz Genjus KI dürfen Sie sich auf besonders große Portionen freuen.

Anthropic, Noxtua, Deepset.ai als Zulieferer

Ihr Technologie-Lieferant ist Anthropic – bleibt es dabei?

Susanne Stein-Pressl: Wir arbeiten mit verschiedenen Unternehmen zusammen, darunter Deepset.ai, sowie mit Anbietern von Large-Language-Models (LLMs) wie Anthropic (Claude Sonnet 3.7) oder Noxtua des deutschen Startups Xayn. Wir beobachten den Anbietermarkt hier aber laufend und sehr genau, um das jeweils bestmögliche Modell einsetzen zu können. Die Entwicklung geht hier ja sehr rasant vonstatten. Ein wesentlicher Teil des Aufwands ist die Aufbereitung unserer eigenen Datenbasis, der sogenannten Manz Wissensdatenbank, die ganz entscheidend für ein Tool wie Manz Genjus KI ist. Ohne die qualitativ hochwertige Fachinformation geht es natürlich nicht.

Um bestmögliche Ergebnisse zu liefern, werden die Inhalte automatisch analysiert, in Textpassagen zerlegt und mit zahlreichen Metadaten angereichert, um vom Sprachmodell verarbeitet werden zu können. Einer unserer Zulieferer hat uns einmal augenzwinkernd als ‚Kings of Data‘ bezeichnet – ein Ausdruck, der unsere konsequente Ausrichtung auf Datenqualität widerspiegelt. Qualität und Sorgfalt bei der Datenpflege zählen seit jeher zu unseren zentralen Stärken.

Größere Gesetzes-Updates kommen nach der Sommerpause

Österreich hat eine neue Regierung. Das bedeutet neue Gesetze und damit Bedarf an aktueller Fachinformation für die Rechts- und Steuerberatung sowie Unternehmen. Was ist da zu erwarten?

Susanne Stein-Pressl: Wir haben das Regierungsprogramm natürlich sehr aufmerksam gelesen und haben den Eindruck, dass sie sich gerade einarbeiten. Größere Gesetzespakete dürften wohl erst nach der Sommerpause des Parlaments kommen. Aber dann ist mit entsprechenden Updates unserer Werke zu rechnen. Ein großes Thema, mit dem wir uns gerade beschäftigen, ist der AI Act der EU. Wir planen dazu ein breites Spektrum an Neuerscheinungen, von Gesetzeskommentaren bis Zeitschriftenbeiträgen.

Der AI Act regelt die Anwendung von KI in Unternehmen. Sind davon auch kleine und mittlere Firmen betroffen, oder doch eher nur die großen?

Susanne Stein-Pressl: Es betrifft alle Unternehmen, die KI einsetzen. Das gilt insbesondere für den Rechtsbereich, der besonders streng geregelt ist. Daher verkaufen wir Manz Genjus KI auch nur an juristische Expert:innen. Jedes Unternehmen, jede:r Anwender:in muss selbst entscheiden, wie KI eingesetzt wird. Wir erwarten, dass gerade Anwaltskanzleien ihre Beschäftigten intensiv schulen werden. Der AI Act tritt gestaffelt in Kraft, was bedeutet, dass die Regelungen mit der Zeit immer strenger werden. Es wird von uns daher sowohl Bücher wie auch Seminare zu dem Thema geben.

Ein weiteres Thema ist die Nachhaltigkeit, wo wir eine KI-Lösung speziell für Nachhaltigkeitsmanager:innen planen, also ein spezielles Angebot für ESG-Themen ähnlich wie unser schon bestehendes NIU-Portal. Das neue Produkt wird voraussichtlich NIU Answers heißen.

Im Interview

Susanne Stein-Pressl ist Geschäftsführende Gesellschafterin der MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH.

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