Wien. Eine Biotechnologin der TU Graz erhält den ÖFG-Wissenschaftspreis 2025. Drei neue Forschungsgruppen in der patientientorientierten Forschung starten. Und Forscher der TU Wien wollen natürlichen Killerzellen helfen.
ÖFG-Preis 2025 für Gabriele Berg
Die Österreichische Forschungsgemeinschaft (ÖFG) verleiht den Wissenschaftspreis 2025 an Gabriele Berg. Die Auszeichnung würdigt ihre wissenschaftlichen Leistungen, die Aktualität ihrer Forschung und ihr Engagement in der Vermittlung von Forschungsergebnissen. Berg ist Biotechnologin und Umweltwissenschaftlerin und leitet das Institut für Umweltbiotechnologie an der TU Graz. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf mikrobiellen Gemeinschaften, insbesondere im Bereich der Mikrobiomforschung. Sie habe wesentliche Erkenntnisse zum Pflanzenmikrobiom und dessen Bedeutung für Boden und menschliche Gesundheit beigetragen, heißt es in der Begründung der ÖFG.
Zu ihren Arbeiten zählen die Entwicklung mikrobiombasierter Technologien zur Reduktion von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft. Die Entscheidung über die Preisvergabe trifft der Wissenschaftliche Beirat der ÖFG, das Präsidium bestätigt diese. Der Wissenschaftspreis wird heuer zum 17. Mal vergeben. Die Verleihung an Gabriele Berg wird im November 2025 stattfinden.
Neue Forschungsgruppen für Onkologie und Neurologie
Mit dem Programm „Klinische Forschungsgruppen“ (KFG) gibt es einen neuen Akzent in der patientenorientierten Forschung, das mit 24 Millionen Euro dotiert ist. Es wurde vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ins Leben gerufen. Damit werde damit die Lücke geschlossen, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung rascher an die Patientinnen und Patienten zu bringen, wird in einer Aussendung betont. Nach Ansicht von Eva-Maria Holzleitner würden mit dem neuen Programm „Brücken zwischen Praxis und Wissenschaft“ gebaut. Die nächste Ausschreibungsrunde für das KFG-Programm ist für 2026 geplant.
Die drei neuen Forschungsgruppen und die Verantwortlichen
- Die Forschungsgruppe „CRC-Res“ unter der Leitung von Johannes Längle (MedUni Wien) arbeitet daran, Therapieresistenzen bei Darmkrebs zu überwinden. Längle und sein Team entwickeln personalisierte Tumormodelle, um gezielt neue Behandlungsansätze zu testen. Ziel ist es, für Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs neue therapeutische Wege zu eröffnen.
- Bernhard Englinger (ebenfalls MedUni Wien) führt die Gruppe „StrikeBC“, die sich der Verbesserung der Behandlung und Lebensqualität von Menschen mit Blasenkrebs widmet. Englinger setzt auf die Kombination aus klinischen Daten, Laboranalysen und moderner Datenanalyse, um individuelle Therapien zu ermöglichen.
- Auf die personalisierte Behandlung von Menschen mit fokaler Epilepsie konzentriert sich die die Forschungsgruppe „EPICONN“ unter Leitung von Silvia Bonelli-Nauer (MedUni Wien). Das Team identifiziert Biomarker im Gehirn, um individuell zugeschnittene Therapien zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. In den kommenden Jahren sollen 300 Personen an der Studie teilnehmen, die Ergebnisse werden anschließend in mehreren Epilepsiezentren in die Praxis überführt.
TU Wien: Unterstützung für Killerzellen
Oliver Spadiut, Professor für Bioverfahrenstechnik an der TU Wien, erforscht gemeinsam mit seinem Team (u.a. Doktorand Valentin von Werz) neue Wege, um natürliche Killerzellen (NK-Zellen) für Krebstherapien effizient zu vermehren. Im Forschungsprojekt „Digital-Twin-gestütztes Prozessdesign für NK-Zelltherapien“ gelang es, die Produktionszeit von vier Wochen auf acht Tage zu verkürzen. Die Zellen werden in Bioreaktoren unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet, wobei ein neu entwickelter Laktat-Auxostat die Zytotoxizität der Zellen erhält. Zwei konkrete Patentanmeldungen resultieren aus der Arbeit: eine zur Steuerung der Laktatkonzentration, eine zur Herstellung besonders wirksamer NK-Zelllinien mit verstärkter FasL-Produktion. Damit könnten künftig auch solide Tumoren bekämpft werden, nicht nur Blutkrebs. Ein digitaler Zwilling ermöglicht es, die Kultivierungsbedingungen individuell auf Patientinnen und Patienten abzustimmen.
Spadiut, der die Forschungsgruppen „Integrierte Bioprozessentwicklung“ und „Bioprozess-Technologie“ der TU Wien leitet, sieht laut Pressemitteilung großes Potenzial in der Verbindung von Biotechnologie und Medizin und arbeitet an skalierbaren Systemen für die Zellkultivierung. Das Projekt wird vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert und läuft bis 2025.
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