Graz. Ein Forschungsteam mit Beteiligung der TU Graz ersetzt Erdöl bei der Herstellung von Schaumstoff durch Cellulose, ein Grazer Spin-Off beschreitet eine wirtschaftliche Umsetzung.
Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Schaumstoff entwickelt, der auf Cellulose basiert und vollständig biologisch abbaubar und recyclingfähig ist. Schaumstoffe werden bisher meist aus Erdöl hergestellt, was die Umwelt belastet, daher bietet das neue Material eine nachhaltige Alternative. Cellulose ist pflanzenbasiert und in großen Mengen verfügbar. Das Besondere daran: Die Herstellung erfolgt in einem Verfahren, das dem Brotbacken ähnelt – das Projekt trägt daher auch den Namen BreadCell.
Einsatz in Autos und Gebäuden
Zwei Institute der TU Graz waren maßgeblich an der Entwicklung beteiligt, nämlich das Institut für Biobasierte Produkte und Papiertechnik sowie das Institut für Fahrzeugsicherheit. Die Einsatzmöglichkeiten seien vielfältig und würden vom Automobilbau über den Hausbau bis hin zu Sportgeräten und Schuhen, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Die Forscherinnen und Forscher sehen Vorteile unter anderem beim Crash-Impact-Management im Auto, als Dämmstoff im Bauwesen oder für Feuchtemanagement und Akustik.
Für die Entwicklung wurden verschiedene Simulationen und Tests durchgeführt; dabei kamen unter anderem dynamische Prüfstände zum Einsatz. Das Material wurde auf unterschiedliche Belastungen getestet, um optimale Eigenschaften zu erreichen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zu Demonstrationszwecken auch gleich Produkte wie Skateboards, Bodyboards, Fahrradhelme und Schuheinlagen angefertigt und erprobt. Eine Besonderheit zeigte sich bei Fahrradhelmen: Eine weichere Mittellage im Schaum reduziert die Belastung auf das Gehirn bei einem Aufprall.
Forschung führt zu wirtschaftlicher Umsetzung
Neben der TU Graz waren etliche andere Forschungseinrichtungen aus Europa beteiligt: Die Chalmers University (Göteborg), die für die Projektkoordination zuständig war, die Uni Wien und Tecnalia (Spanien); außerdem kümmerte sich die Grazer Forschungsanstalt BioNanoNet (BNN) um die biologische Abbaubarkeit des Materials. Die industrielle Umsetzung und die Bewertung der biologischen Abbaubarkeit wurden ebenfalls untersucht.
Aus dem Projekt ist zudem ein Spin-off-Unternehmen namens FOAMO hervorgegangen, das Schuheinlagen aus dem neuen Material herstellt. Das Unternehmen hat seinen Sitz im Gründerzentrum Science Park Graz.
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