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Science Talk: Friederike Frieß in UN-Gremium berufen, Verena Maier-Kiener erforscht Materialeigenschaften, Auszeichnungen für deutsche Wissenschaftler

Friederike Frieß Boku Wien Extrajornal.Net
Friederike Frieß_© Boku Wien
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Wien. Eine Boku-Forscherin untersucht für die UNO Auswirkungen von Atomwaffen. Neues zur Materialforschung kommt von der Montanuni. Und der Karl Spencer Lashley Award wurde verliehen.

Boku-Forscherin Friederike Frieß in UN-Expertengremium berufen

Friederike Frieß, Senior Researcher am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Boku Wien, wurde von UN-Generalsekretär António Guterres in ein neu geschaffenes wissenschaftliches Expertengremium der Vereinten Nationen berufen. Dieses untersucht die physischen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen eines möglichen Einsatzes von Atomwaffen. Es handelt sich dabei um die erste umfassende wissenschaftliche UN-Analyse zu den Folgen eines Atomkriegs seit 1988, heißt es in einer Aussendung der Boku. Frieß bringt ihre Expertise aus den Bereichen Kerntechnik, Sicherheitsforschung und Technikfolgenabschätzung ein. Ihre Forschungsarbeit verbindet naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Sichtweisen auf nukleare Risiken; sie ist zudem Vorstandsmitglied der International Nuclear Risk Assessment Group (INRAG) und engagiert sich in internationalen Forschungsnetzwerken wie FONAS.

Das Expertengremium besteht aus 21 Forschenden aus verschiedenen Disziplinen, darunter Strahlenforschung, Klima- und Umweltwissenschaften, Medizin, Sozialwissenschaften und Wirtschaft. Friederike Frieß betont die wachsende Gefahr eines Nuklearkrieges und die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für verantwortungsvolle politische Entscheidungen. Die Arbeit des Gremiums erfolgt unter Einbindung internationaler Organisationen, der Zivilgesellschaft sowie betroffener Gemeinschaften. Der Abschlussbericht wird der UN-Generalversammlung im Jahr 2027 präsentiert.

Montanuni-Forscherin zeigt Eigenschaften von Materialien

Ass.-Prof. Verena Maier-Kiener vom Department Werkstoffwissenschaften der Montanuniversität Leoben fällt mit zwei aktuellen Projekten in der Materialforschung auf: In der renommierten Fachzeitschrift MRS Bulletin hat sie einen Artikel veröffentlicht, der sich mit dem mechanischen Verformungsverhalten von Werkstoffen beschäftigt. Im Rahmen der Juni-Ausgabe leitete Maier-Kiener gemeinsam mit Prof. Sandra Korte-Kerzel zudem die Gastbeiträge internationaler Forscherinnen und Forscher, die moderne Ansätze und Anwendungen der Nanoindentation präsentieren. Diese experimentelle Technik erlaubt es, komplexe Materialien und extreme Umgebungsbedingungen detailliert zu untersuchen und liefert wichtige Impulse für die Entwicklung neuartiger Werkstoffe, teilt die Montanuni mit.

Neben diesen Fortschritten befasst sich Maier-Kiener mit hexagonalem Silizium, das in industriellen Anwendungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gemeinsam mit internationalen Partnern gelang es ihrem Team, ein innovatives Verfahren zur Herstellung geordneter hexagonaler Siliziumkristalle zu entwickeln. Die Methode kombiniert Nanoindentation mit gezielter Wärmebehandlung und eröffnet so neue Perspektiven für Photovoltaik, Mikroelektronik und Optoelektronik. Besonders wichtig ist dabei, dass erstmals reproduzierbare Ergebnisse mit großem Potenzial für den industriellen Maßstab erzielt wurden. Weitere Untersuchungen konzentrieren sich nun auf die Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit der neuartigen Kristallstrukturen

Deutsche Ernährungswissenschaftler von Academia Europaea aufgenommen

Prof. Christian Herder vom Deutschen Diabetes-Zentrum und Prof. Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) wurden jüngst in die Academia Europaea aufgenommen – diese paneuropäische Akademie fördert wissenschaftliche Exzellenz in Bereichen wie Medizin und Naturwissenschaften. Christian Herder leitet seit 2007 die Arbeitsgruppe Inflammation am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf dem Aufspüren von Blut-Biomarkern, die ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes anzeigen und frühzeitig vor Komplikationen warnen. Für seine Arbeiten erhielt Herder unter anderem den Jühling-Preis, die Auszeichnung als Rising Star der EASD und den Ferdinand-Bertram-Preis

Matthias Schulze verantwortet die Abteilung „Molekulare Epidemiologie“ am DIfE und forscht zu Ernährungsfaktoren und kardiometabolischen Erkrankungen, speziell Typ-2-Diabetes. Unter seiner Leitung wurden Risikotests entwickelt, mit denen Betroffene ihr Diabetes- und Herzinfarktrisiko eigenständig einschätzen können. Schulze steuert als wissenschaftlicher Leiter die EPIC-Potsdam Studie und die Teilkohorte der NAKO Gesundheitsstudie mit, zwei der größten Langzeitstudien des Landes. Darüber hinaus engagiert sich Schulze in wissenschaftlichen Gremien, etwa als Sprecher der Expertengruppe „Diabetes und Stoffwechselerkrankungen“ der NAKO. Die Mitgliedschaft in der Academia Europaea wird nach sorgfältiger wissenschaftlicher Prüfung und Nominierung durch Fachkollegen vom Vorstand bestätigt. Die wissenschaftliche Gesellschaft umfasst derzeit rund 5.500 Mitglieder, darunter zahlreiche Nobelpreisträger.

Gilles Laurent erhält Karl Spencer Lashley Award

Gilles Laurent, Leiter des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main, wird mit dem renommierten Karl Spencer Lashley Award der American Philosophical Society ausgezeichnet. Die Gesellschaft würdigt damit seine bahnbrechenden Beiträge zur Erforschung der Informationsverarbeitung im Gehirn. Laurent ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der neuronalen Schaltkreisanalyse und hat neue Methoden zur Untersuchung von Nervennetzwerken entwickelt. Seine Forschung reicht von der olfaktorischen Kodierung bei Heuschrecken bis zu Schlafmustern bei Reptilien.

Besonders seine Studien zum REM-Schlaf bei australischen Bartagamen gelten als Meilenstein, da er REM-Schlaf erstmals auch bei Reptilien nachweisen konnte. In weiteren Untersuchungen zeigte Laurent, dass im Slow-Wave-Schlaf die Hirnhälften der Bartagamen unabhängig aktiv sind, während sie im REM-Schlaf miteinander konkurrieren. Darüber hinaus identifizierte er einen Rhythmusgenerator im Hirnstamm, der den regelmäßigen Wechsel zwischen REM- und Non-REM-Schlaf steuert. Laurent betont, wie wichtig für ihn die Anerkennung seiner oft mit ungewöhnlichen Modellen durchgeführten Arbeit ist. Seit 2012 leitet Gilles Laurent das Institut, das als führende Forschungseinrichtung im Bereich der Neurowissenschaften gilt.

 

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