Bochum. In einem Forschungsprojekt wurde den Gerüchten über Wahlbetrug auf den Grund gegangen – bestes Beispiel dafür waren die US-Wahlen 2020.
Wie Menschen Wahlergebnisse wahrnehmen, wird maßgeblich von kognitiven Verzerrungen beeinflusst. Ein zentrales Beispiel ist der sogenannte Cumulative Redundancy Bias (CRB). Dieser psychologische Effekt besagt, dass früh präsentierte Zwischenergebnisse einer Wahl einen anhaltenden Eindruck im Gedächtnis erzeugen – selbst wenn sich das Blatt später noch wendet. Das bedeutet: Führt ein Kandidat zu Beginn, neigen viele Beobachter dazu, ihn als späteren Gewinner einzuordnen. Verliert der anfängliche Favorit dann dennoch, erscheint ein Betrug plausibler, unabhängig von den tatsächlichen Abläufen.
Wer liegt zuerst in Führung?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, darunter André Vaz, Moritz Ingendahl und Hans Alves, haben das Phänomen nun anhand von mehreren Online-Studien an Probanden aus Großbritannien und den USA untersucht.
Versuchsaufbau war, dass ein Kandidat beim Auszählen zunächst vorne lag, später aber überholt wurde. Die Teilnehmenden bewerteten den Ausgang systematisch anders, je nachdem, wer zu welchem Zeitpunkt in Führung war. Wurde das Auszähl-Ergebnis in umgekehrter Abfolge gezeigt, drehten sich auch die Einschätzungen.
Betrugsgerüchte abseits der politischen Einstellung
Die Forschung zeigt: Werden Gerüchte über Wahlbetrug während oder nach der Auszählung eingeblendet, steigt – je nach Reihenfolge der Zwischenstände – die Tendenz, an Betrug zu glauben. Das galt unabhängig von der politischen Präferenz der Versuchspersonen. Besonders deutlich wurde der Effekt am Beispiel der US-Präsidentschaftswahlen 2020, als Donald Trump nach frühen Auszählungen in mehreren Staaten führte und „Stop the count“ forderte. Trotz seines späteren Rückstands blieben viele Anhänger von einem unfairen Ausgang überzeugt.
Die Schlussfolgerung der Bochumer Forscherinnen und Forscher: Das langfristige Vertrauen in Wahlergebnisse hängt somit auch davon ab, wie Teilergebnisse kommuniziert werden. Die Forscher empfehlen, Wahlergebnisse erst nach Abschluss aller Auszählungen zu veröffentlichen und die Öffentlichkeit besser über typische Muster und Verzögerungen bei Stimmauszählungen aufzuklären. Ziel sei, Fehlinterpretationen bei künftigen Wahlen vorzubeugen und das Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken.
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