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Wenn Tiere zu Influencern werden: Der mutigen Gans gehört die Welt

Graugänse im Almtal
Graugänse: Influencer fliegen voran, Follower folgen (© Josef Hemetsberger / KLF)

Grünau. Eine Studie der Uni Wien mit Graugänsen zeigt, weshalb manche Individuen in einer Gruppe mehr Einfluss bekommen als andere – als Influencer oder auch als wichtige Follower.

Eine aktuelle Untersuchung der Universität Wien hat sich der Frage gewidment, warum einzelne Tiere innerhalb einer Gruppe eine größere Rolle bei kollektiven Entscheidungen übernehmen. Im Rahmen der Studie wurden dafür Graugänse am Standort Grünau im Almtal über mehrere Jahre beobachtet, wobei individuelle Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale im Fokus standen.

Die Forscherinnen und Forscher – unter ihnen Univ.-Prof. Sonia Kleindorfer von der Uni Wien – untersuchten unter anderem, welche Gänse häufiger den Anstoß für gemeinsame Abflüge geben und welche ihnen folgen. Hierbei zeigte sich, dass besonders mutige Tiere eher Auslöser für Gruppenbewegungen sind, während erkundungsfreudige Gänse sich ihnen verstärkt anschließen (publiziert in iScience: „Personality predicts collective behavior in greylag geese: influencers are bold and followers are exploratory“; Sonia Kleindorfer, Andrew C. Katsis, Didone Frigerio, Jonas Lesigang, Dina Mostafa, Lauren K. Common).

Reaktion auf das Unbekannte

Das Forschungsteam führte verschiedene Verhaltenstests durch, darunter Prüfungen zur Reaktion auf Bedrohung oder Unbekanntes. So wurden Merkmale wie Mut, Aggressivität und Erkundungsfreude statistisch erfasst. Über einen Zeitraum von vier Jahren beobachteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hunderte von Abflugereignissen und analysierten die Zusammensetzung der Gruppen. Die Ergebnisse zeigten, dass Persönlichkeitsmerkmale bei den Tieren stabil bleiben und einen Einfluss auf ihr Verhalten in sozialen Zusammenhängen haben.

Nicht aggressiv, sondern mutig

  • Aggressivität stellte sich entgegen der Erwartung nicht als entscheidender Faktor für die Initiierung von Gruppenausflügen heraus. Vielmehr waren es Gänse mit ausgeprägtem Mut (sogenannte „Influencer“), denen andere Mitglieder bei Abflügen folgten.
  • Erkundungsfreudige Individuen („Follower“) zeigten eine höhere Bereitschaft, solchen Anführern zu folgen, und bevorzugten diese gegenüber dominanten Tieren.
  • Die Gruppendynamik zeichnet sich dadurch aus, dass die Mitglieder täglich zwischen verschiedenen Untergruppen und Aufenthaltsorten wechseln. Die Balance zwischen Sicherheit und Erkundung unbekannter Gebiete prägt diese kollektiven Entscheidungen. Mutige Gänse unterstützen die Gruppe bei der Bewältigung von Risiken, während erkundungsfreudige Tiere den Informationsaustausch fördern.

Die Studie zeigt, dass nicht Dominanz, sondern spezifische Persönlichkeitsmerkmale soziale Rollen formen. Die genannten Influencer innerhalb der Schar zeichnen sich durch einen stabilen und nicht aggressiven Führungsstil aus. Die Forschenden betonen aber, dass ebenso die Rolle der Follower für den sozialen Zusammenhalt bedeutsam ist.

Manche Tiere treffen bewusste Entscheidungen darüber, wem sie sich anschließen, basierend auf dem individuellen Nutzen. Dies lenkt die Aufmerksamkeit auf kognitive Kompetenzen innerhalb der Gruppe und eröffnet neue Perspektiven für die Forschung zu kollektiver Entscheidungsfindung. Die Erkenntnisse haben nicht nur Relevanz für Graugänse, sondern lassen sich auf andere soziale Tierarten übertragen – inklusive uns Menschen, heißt es.

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