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Boku und PIK analysieren Schutz der Pflanzen im Klimawandel

Johan Rockström (© Karkow / PIK)
Johan Rockström (© Karkow / PIK)

Wien/Potsdam. Eine Studie von Boku und PIK hebt den Schutz der Pflanzenwelt als wichtiges Mittel im Kampf gegen den Klimawandel hervor.

Eine neue Studie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass 60 Prozent der Landflächen weltweit inzwischen in einem bedenklichen Zustand sind. Die Untersuchung basiert auf Modellberechnungen zur sogenannten „funktionalen Integrität der Biosphäre“, also der Fähigkeit von Pflanzen, über Photosynthese die grundlegenden Stoffkreisläufe der Erde zu sichern. Mit Blick auf die sogenannte „planetare Belastungsgrenze“ zeigt die Studie, dass die Stabilität vieler Ökosysteme stark gefährdet ist.

Kurz zur Erklärung: Die Biosphäre ist die Gesamtheit aller mit Lebewesen besiedelten Schichten der Erde und hat Einfluss auf den Klimawandel, denn Pflanzen nehmen beim Wachstum Kohlendioxid auf und speichern es in Biomasse und Böden. Gesunde Ökosysteme – zum Beispiel intakte Wälder oder Feuchtgebiete – wirken als natürliche Kohlenstoffsenken und tragen dazu bei, den Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu stabilisieren. Wird die Biosphäre aber etwa durch  intensive Landwirtschaft gestört, gelangt mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre und der Klimawandel wird verstärkt.

Hochrisikozonen durch menschliche Eingriffe

Zurück zur Studie: Die Forschenden analysierten Veränderungen in der Landnutzung und in der Vegetation seit dem Jahr 1600. Heute befinden sich nicht nur 60 Prozent der Flächen außerhalb des als sicher geltenden Bereichs, sondern 38 Prozent werden sogar als Hochrisikozone bewertet. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Regionen wie Europa, Asien und Nordamerika, wo die natürliche Vegetation durch intensive Landwirtschaft und andere menschliche Eingriffe verändert wurde.

Um den Zustand der Landflächen zu bewerten, nutzten die Forschungsteams unter anderem ein globales Modell für die Flüsse von Wasser, Kohlenstoff und Stickstoff. Neben der Mengenreduktion an Pflanzen durch Nutzung und Versiegelung erfassten sie auch komplexe strukturelle Veränderungen in den Ökosystemen – etwa im Wasserkreislauf und der Verfügbarkeit von Nährstoffen.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Belastung der Biosphäre bereits vor der Industrialisierung begonnen hat und sich im Zuge einer weltweit wachsenden Nachfrage nach Biomasse weiter verschärft. Auch die Klimapolitik stehe vor der Herausforderung, den Schutz der Pflanzenwelt und der natürlichen Kohlenstoffspeicher stärker zu berücksichtigen, heißt es in Aussendungen von Boku und PIK. Es werde noch wichtiger, regionale Belastungen frühzeitig zu erkennen.

Weltkarte der Biosphäre

Für die Wissenschaft bedeutet die neue Karte der Belastungsgrenzen einen wichtigen Fortschritt. „Diese erste Weltkarte zum Überschreiten der Belastungsgrenze der funktionalen Integrität der Biosphäre, die die menschliche Aneignung von Biomasse und die ökologischen Störungen anzeigt, ist aus wissenschaftlicher Sicht ein Durchbruch für ein besseres Gesamtverständnis der planetaren Grenzen“, sagt PIK-Direktor Johan Rockström. Beide Institutionen betonen, dass diese Ergebnisse einen Anstoß für die internationale Klimapolitik geben sollten.

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