Gründer & Firmen. Anfang 2024 hat Österreich die Rechtsform der FlexCo eingeführt, um Start-ups zu helfen. 1.300 Gründungen gab es bis jetzt. Binder Grösswang-Partner Christian Zwick sieht Erfolg, aber auch Verbesserungsbedarf.
Anwalt Christian Zwick, Partner bei der Wirtschaftskanzlei Binder Grösswang, berät Klienten u.a. bei Gründungen und Finanzierungsrunden und hat das Thema FlexCo im Vorjahr auch im „Praxishandbuch FlexCo | FlexKapG“ (Linde) beleuchtet. Seine Bilanz nach bald zwei Jahren fällt im Gespräch mit Extrajournal.Net so aus: „Es ist zweigeteilt: Die FlexCo ist bei den Start-ups, ihren Geldgebern und der damit verbundenen Branche gut angekommen und ist bei Neugründungen weit verbreitet. Bei den anderen Unternehmen ist die FlexCo dagegen weiterhin nur sehr wenig verbreitet. Das zeigt auch die Statistik: Derzeit gibt es etwa 1.300 FlexCos in Österreich und 200.000 GesmbHs.“
Für Start-ups gut geeignet, für Konzerne nicht nötig
„Wir empfehlen den Start-ups, die wir beraten, in der Regel immer in die FlexCo, weil sie für deren Situation Vorteile gegenüber der GesmbH hat, insbesondere in Finanzierungsrunden“, sagt Zwick: „Der Anteilsverkauf ist einfacher, Gesellschafter-Beschlüsse können per Umlaufbeschluss einfacher gefasst werden, das genehmigte Kapital bietet Vorteile u.a.“ Doch ein Konzern, der eine Tochter gründet, an deren Anteilsverhältnissen sich kaum etwas ändern soll, der braucht diese Flexibilität im Alltag nicht, für den ist die GesmbH ausreichend, „was erklärt warum die GmbH weiterhin die häufigste Rechtsform bleiben wird“, sagt Zwick.
2024, im ersten Jahr nach Einführung der FlexCo, wurden 722 dieser „Flexiblen Kapitalgesellschaften“ gegründet, denen etwa 13.000 neue GmbHs gegenüberstanden. 2025 kamen bis Ende August 578 weitere FlexCo-Gründungen dazu. Damit zeigt sich durchaus ein anhaltender FlexCo-Gründungseifer, wenn auch keine rasante Steigerung. Immerhin: Obwohl die wirtschaftliche Gesamtsituation derzeit getrübt ist und auch Private Equity-Häuser genau auf die Zahlen sehen müssen, bewährt sich die neue Kapitalgesellschaft auch in konjunkturell schwierigen Zeiten, so Zwick: „Das Geld sitzt nicht mehr so locker, aber die FlexCo bewährt sich in den Finanzierungsrunden, da sehe ich keine Besonderheiten.“
Licht und Schatten im Tagesgeschäft
Besondere Schwachstellen haben sich bei der FlexCo im wirtschaftlichen Alltagsgeschäft in den Augen des Wirtschaftsanwalts bisher nicht gezeigt. „Ein gewisser Nachteil der FlexCo ist höchstens der manchmal höhere Erklärungsbedarf gegenüber internationalen Investoren: Ein US-Berater weiß in der Regel was eine GesmbH ist, die FlexCo muss dagegen erklärt werden – aber das ist kein rechtlicher Nachteil, sondern bedeutet einfach nur einen höheren Aufklärungsbedarf.“
Es sind allerdings auch nicht alle erhofften Vorteile der FlexCo eingetreten, sagt Zwick: „Zum Beispiel haben sich die erhofften geringeren Kosten für notarielle Burkundungen aus meiner Sicht nicht realisiert. Man braucht zwar zur Anteilsübertragung keinen Notar mehr, doch für die Firmenbucheingabe und die oft erforderliche Generalversammlung usw. ist der Notar dann doch häufig erforderlich. Bei vielen Fällen ist nun auch nicht klar, ob ein Notar erforderlich ist, weshalb in der Praxis oftmals sicherheitshalber einer beigezogen wird (zB bei bestimmten Vollmachten und Gesellschaftervereinbarungen). Hier gibt es Verbesserungsbedarf durch den Gesetzgeber.“
Wo die meisten FlexCos angesiedelt sind
In einer Hinsicht wurde immerhin Klarheit geschaffen: War es zum Start der Flexiblen Kapitalgesellschaft noch etwas unklar, wie man die neue Gesellschaftsform abkürzt, so hat sich mittlerweile „FlexCo“ deutlich durchgesetzt. Von den bis Ende August 2025 im Firmenbuch eingetragenen flexiblen Kapitalgesellschaften bezeichnen sich 1.161 als „FlexCo“, weitere 134 als „FlexKapG“, weitere 4 als „Flexible Kapitalgesellschaft“ und 1 hat „FlexKap“ gewählt.
Geografisch ist fast die Hälfte der Flexiblen Kapitalgesellschaften (45%) in Wien angesiedelt. Auch Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark versammeln je 10-15% der FlexCos auf sich. Damit spiegelt die Verteilung im Wesentlichen das Start-up-Geschehen in Österreich wieder.
| Anzahl der FlexCos in Österreich | 25.08.25 | 01.02.25 | |||
| Wien | 588 | 45,00 % | 356 | ||
| Niederösterreich: |
Krems an der Donau Korneuburg Wiener Neustadt St.Pölten |
20 48 49 74 |
191 | 15,00 % | 114 |
| Oberösterreich | Linz Ried im Innkreis Steyr Wels |
77 16 14 46 |
153 | 12,00 % | 79 |
| Steiermark | Graz Leoben |
109 19 |
128 | 10,00 % | 63 |
| Tirol | Innsbruck | 82 | 6,00 % | 51 | |
| Salzburg | Salzburg | 49 | 4,00 % | 32 | |
| Kärnten | Klagenfurt | 50 | 4,00 % | 25 | |
| Vorarlberg | Feldkirch | 38 | 3,00 % | 22 | |
| Burgenland | Eisenstadt | 21 | 2,00 % | 13 | |
| Gesamt: | 1300 | 755 | |||
| Quelle: Binder Grösswang | |||||
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