Innsbruck. Ein Forscherteam hat eine ungewöhnliche Fortpflanzungssstrategie bei einer Ameisenart entdeckt: Königinnen bringen Individuen unterschiedlicher Arten hervor.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Birgit Schlick-Steiner und Florian Steiner von der Uni Innsbruck hat eine besondere Fortpflanzungsstrategie bei Ameisen der Art „Messor ibericus“ nachgewiesen. Im Zentrum steht dabei ein bemerkenswertes biologisches Phänomen: Die Ameisenköniginnen klonen Männchen einer anderen Art, um die Arbeiterkaste in ihren Kolonien zu sichern. Diese Strategie unterscheidet sich deutlich von den bei Ameisen üblichen Fortpflanzungsweisen.
Sexueller Parasitismus und genetische Vielfalt
Die Forscher fanden heraus, dass diese Ameisenart Männchen verschiedener Arten hervorbringen kann, wobei die Klonierung dazu führt, dass sich äußerliche Merkmale sowie die Genome der Nachkommen unterscheiden. Die Spermien dieser Männchen werden benötigt, um die Arbeiterkaste zu erzeugen, was dazu führt, dass Individuen einer einzigen Kolonie unterschiedlichen Arten angehören, die sich vor über fünf Millionen Jahren getrennt haben. Diese Fortpflanzungsweise wird als „sexueller Parasitismus“ bezeichnet und zeigt eine Form von Art-übergreifendem Klonen. Die Königinnen, sogenannte „xenopare“ Weibchen, sind imstande, im Verlauf ihres Lebenszyklus Individuen anderer Arten hervorzubringen.
Die Evolutionsgeschichte des Systems wurde mithilfe mitochondrialer DNA-Sequenzierung und genomischer Scans, die eine breite Analyse genetischer Linien ermöglichten. Die Studie beruht auf einer 5-jährigen Forschungsarbeit, bei der mehr als 120 Populationen in Europa untersucht wurden. Insgesamt wurden 390 Genome und Transkriptome sequenziert und zahlreiche Beobachtungen an Ameisen verschiedener Arten und Geschlechter durchgeführt.
Die Resultate zeigen das Potenzial der sogenannten „integrativen Taxonomie“: Selbst im 21. Jahrhundert werden grundlegende Überraschungen in der Tierwelt sichtbar. Die Ergebnisse der jahrelangen Untersuchungen wurden nun im Magazin Nature publiziert.
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