Open menu
Business, Recht, Steuer

Frauenanteil in den Vorständen liegt jetzt bei 13,8 Prozent

Helen Pelzmann ©EY / Robert Herbst

Österreich. Der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen hat sich in den letzten 10 Jahren auf 13,8 Prozent verdreifacht, so EY.

Mit Stichtag 1. August 2025 sind 26 der insgesamt 189 Vorstandsmitglieder der im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen weiblich, so das aktuelle „EY Mixed Leadership Barometer“ des Big Four-Riesen EY. Das entspricht einem Anteil von 13,8 Prozent – ein Plus von 1,2 Prozentpunkten gegenüber der Erhebung im Jänner 2025 (12,6 %). Seit dem Start des EY Mixed Leadership Barometers im Jahr 2015 hat sich der Anteil damit zwar mehr als verdreifacht, bleibe aber dennoch gering. Für die Studie werden halbjährlich die Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten der im Wiener Börse Index gelisteten österreichischen Unternehmen analysiert.

Mehrheit der Vorstandsteams weiterhin rein männlich

Trotz des Rekordwertes bleibe der Handlungsbedarf groß, der Fortschritt in den letzten Jahren habe stark an Dynamik verloren: 31 der 54 WBI-Unternehmen haben nach wie vor keine Frau im Vorstand – das entspricht 57 Prozent. Nur drei Unternehmen (BKS Bank, Marinomed Biotech und Oberbank) haben mehr als eine Frau im Vorstand. Während bei der letzten Erhebung im Jänner 2025 noch eine Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens stand, wird aktuell keine der 54 WBI-gelisteten Firmen von einer Frau als CEO geführt. Damit zeige sich ein Rückschritt auf Top-Level-Ebene – trotz leicht steigender Gesamtzahlen weiblicher Vorstandsmitglieder.

Ein Blick auf die Zuständigkeitsbereiche zeigt: Zehn der 26 Vorständinnen verantworten das Finanzressort als CFO, acht sind für operative Aufgaben zuständig – zwei davon als COO. Zwei Frauen üben die Funktion einer Chief Risk Officer aus.

„Der erneute Höchstwert beim Frauenanteil in den Vorständen ist ein positives Zeichen – aber es reicht noch nicht“, betont Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Law und Verantwortliche der Initiative Women. Fast Forward bei EY Österreich. „Dass keine Frau die Rolle der CEO innehat und über die Hälfte der untersuchten Unternehmen keinen einzigen weiblichen Vorstand hat, belegt den Aufholbedarf deutlich. Unternehmen vergeben damit die Chance, von vielfältigen Perspektiven zu profitieren – dabei ist längst belegt, dass Diversität in Führungsgremien zu besseren Entscheidungen und nachhaltigem Unternehmenserfolg führt.“

Frauenanteil in Aufsichtsräten stagniert seit Erfüllung der Quote

Während der Frauenanteil in den Vorständen gestiegen ist, zeigt sich bei den Aufsichtsräten laut EY keine weitere Dynamik: Derzeit sind 164 der insgesamt 520 Aufsichtsratsmandate mit Frauen besetzt – das entspricht 31,5 Prozent (Jahresbeginn: ebenfalls 31,6 %, August 2024: 32 %). Acht der 54 Unternehmen haben einen rein männlich besetzten Aufsichtsrat. In 37 Fällen sitzen zwei oder mehr Frauen im Gremium. Seit Erfüllung der 30-Prozent-Quote bewege sich die Zahl kaum mehr – in manchen Jahren sogar rückläufig.

Spitzenreiter bei der Frauenquote in Aufsichtsräten ist die IT-Branche: Hier sind 15 von 37 Mitgliedern weiblich – ein Anteil von 40,5 Prozent. Auch die Finanzbranche (39,7 %), Transport & Logistik (37 %) sowie die Energiebranche (35 %) liegen über dem Durchschnitt. Schlusslicht ist die Rohstoff-Branche: Hier sind lediglich 28,6 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder weiblich.

Neues Gesetz soll Veränderungen beschleunigen

Das Gesellschaftsrechtliche Leitungspositionengesetz (GesLeiPoG), mit dem die EU-Richtlinie 2022/2381 zur Förderung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern in Leitungsorganen von börsennotierten Unternehmen ins nationale Recht bis Ende 2024 umgesetzt werden hätte sollen, liegt seit Februar 2025 als Entwurf in Begutachtung und ist noch nicht in Kraft. Der Entwurf sieht vor, dass in Vorständen mit mehr als zwei Personen künftig mindestens eine Frau und ein Mann vertreten sein sollen. Diese Quote erfüllen derzeit fünf Unternehmen, 30 börsennotierte Unternehmen mit mehr als zwei Vorstandmitgliedern haben hingegen kein weibliches Mitglied. In Aufsichtsräten soll eine 40-Prozent-Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht gelten. Diese Quotenregelung soll künftig unabhängig von der Anzahl der Kapitalvertreter:innen gelten.

Derzeit gibt es lediglich in fünf börsennotierten Unternehmen eine Frauenquote von 40 Prozent. Gemäß Richtlinie sollen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass die börsennotierten Gesellschaften die gesetzlichen Vorgaben bis zum 30. Juni 2026 erfüllen. Der Entwurf des Gesellschaftsrechtlichen Leitungspositionengesetz (GesLeiPoG) sorgt im Begutachtungsverfahren für kontroverse Diskussionen, macht EY aufmerksam.

Pelzmann: „Quotenregelungen sind – wie die Vergangenheit zeigt – ein notwendiger Schritt, um Veränderungen voranzutreiben, aber keine alleinige Lösung. Es braucht weitergehende Maßnahmen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – etwa bei Gehaltstransparenz, der Reform der Kinderbetreuung oder der gleichberechtigten Einbindung von Männern in Vereinbarkeitsmaßnahmen.“

Der Chefinnen-Anteil bei EY sinkt

Mit Stichtag 1. Jänner 2025 sind unter den Partner:innen von EY unverändert 10 Frauen: Da die Partner-Gesamtzahl verglichen mit Herbst 2024 von 40 auf 43 stieg, nahm der Frauenanteil somit von 25 Prozent auf 23,3 Prozent ab. Auf Management-Ebene liege der Frauenanteil aktuell bei 44,9 Prozent. Der Frauenanteil in der gesamten Belegschaft inkl. Praktikant:innen von EY Österreich liegt momentan bei 51,7 Prozent.

Jetzt den Newsletter von Extrajournal.Net abonnieren

Täglich aktuell in Ihrer Mailbox.

Weitere Meldungen:

  1. Future Female Roundtable im Oktogon von DLA Piper: KI und Frauenrechte im Fokus
  2. Next Generation: Die Aufsichtsrätinnen treffen sich bei DLA Piper
  3. 10. Vienna Ladies Lounge: Freshfields zieht es wieder zur Kunst
  4. 10 Jahre Frauen-Power bei Freshfields: Was erreicht wurde – und was nicht

Schreiben Sie einen Kommentar