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Warum Unternehmen Beschäftigte 50+ brauchen, aber nicht suchen

Elisa Aichinger ©Deloitte / Feelimage

Wien. Unternehmen müssen verstärkt Beschäftigte 50+ einsetzen, packen das Thema aber falsch an, warnt Deloitte in einer Studie.

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bleibt trotz aktueller Rezession eine große Herausforderung für die Unternehmen, so eine Aussendung von Deloitte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation werde immer deutlicher, dass eine verstärkte Beschäftigung von Personen über 50 erfolgskritisch für heimische Betriebe sei. Diese nutzen das vorhandene Potenzial jedoch noch nicht ausreichend.

Dazu trägt durchaus auch „Ageism“ bei, heißt es: Unternehmen laden die älteren Semester demnach häufig erst gar nicht zu Bewerbungsgesprächen ein. Besonders deutlich zeige sich dieser Effekt in Bereichen, die mit Technologie, Innovation, Kundenkontakt oder hohen physischen Anforderungen assoziiert werden. Was es brauche, seien klare Strategien und tiefgreifende Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung älterer Mitarbeitender, so Deloitte.

Rekrutierung ist wichtig, aber nicht bei uns

Wie eine österreichweite Erhebung von Deloitte unter rund 550 Unternehmensvertreterinnen und -vertretern zeigt, ist dem Großteil der Befragten die hohe Relevanz der Zielgruppe 50+ bewusst. Bei der Rekrutierung und dem Halten ebendieser lassen die meisten Betriebe allerdings noch Potenzial liegen, heißt es im „Aging Workforce Survey 2025“.

„Das Arbeitsmarktpotenzial älterer Personen ist unbestritten. Doch obwohl über drei Viertel der Unternehmen die Relevanz dieser Zielgruppe erkennen, spiegelt sich das in den Personalgewinnungsprozessen noch nicht wider. Mit 22% spricht laut der Studie nur jeder fünfte Betrieb bewusst potenzielle Bewerberinnen und Bewerber über 50 an“, so Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich: „Obwohl die Unternehmen also um das Potenzial dieser Zielgruppe wissen, wird es nach wie vor noch nicht ausreichend genutzt.“

Öffentlich diskutiert wird in diesem Zusammenhang die Anhebung des Pensionsantrittsalters. „Das könnte die angespannte Situation am Arbeitsmarkt zwar etwas entspannen. Jedoch gilt es, unabhängig vom Ergebnis dieser Diskussion, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Personalgewinnung mitdenken und ihren längeren Verbleib im Unternehmen ermöglichen. Voraussetzung dafür ist der Abbau von Altersstereotypen und die Aufwertung von Erfahrungswissen“, so Aichinger.

Luft nach oben bei Bindung älterer Mitarbeitenden

Fast der Hälfte der Unternehmen, die ältere Personen beschäftigen, tun dies vorrangig aufgrund der natürlichen Alterung der Belegschaft. Laut Umfrage ergreifen jedoch bislang nur 26% der Betriebe gezielte Maßnahmen zur Bindung dieser Altersgruppe, wie etwa eine lebensphasenorientierte Gestaltung der Arbeitszeit oder gezielte Gesundheitsförderung.

Die strategische Verankerung von Active-Aging-Maßnahmen bleibe die Ausnahme, dementsprechend groß sei auch die Sorge vor gesundheitlichen Einschränkungen und höheren Ausfallzeiten.

„Unternehmen schaffen sich einen zentralen Wettbewerbsfaktor, wenn sie die Zielgruppe 50+ proaktiv in ihrer Leistungsfähigkeit unterstützen. Je früher man hier im Berufslebenszyklus mit maßgeschneiderten Acitve-Aging-Maßnahmen ansetzt, desto besser“, so Katrin Hintermeier, Expertin für Active Aging und Workforce Sustainability bei Deloitte Österreich.

Wenig Vertrauen in technologische Skills

18% der Unternehmen befürchten, dass Skills und Know-how von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Dies wird insbesondere in Zusammenhang mit den technologischen Entwicklungen als problematisch gesehen.

Ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass die Zielgruppe 50+ über weniger digitale Kompetenzen verfügt als ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Und ebenso ein knappes Viertel ist der Meinung, dass die technologischen Entwicklungen ältere Mitarbeitende überfordern.

„Obwohl zahlreiche Studien beweisen, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genauso gut mit AI umgehen können wie jüngere, sind die Befürchtungen der Unternehmen ernst zu nehmen. Doch Fakt ist auch: AI hat nicht nur das Potenzial, den Arbeitsalltag enorm zu erleichtern, sondern kann auch entscheidend dazu beitragen, ein alters- und alternsgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen sowie Altersdiskriminierung im Bewerbungsprozess zu verringern“, meint Hintermeier.

So soll AI den Älteren helfen

In der Studie werden dabei beispielhaft folgende Möglichkeiten aufgezählt, durch die AI-Einsatz hilfreich sein kann:

  • Vereinfachung von komplexen und körperlich belastenden Aufgaben
  • Reduzierung von Altersdiskriminierung im Bewerbungsprozess
  • maßgeschneiderte Weiterbildungsangebote

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