Antike Infrastruktur. Das Online-Portal Itiner-e erstellt eine Karte des Straßennetzes im Römischen Reich. Ein Update erhöht die Gesamtlänge auf 300.000 km.
Ein internationales Forschungsteam hat unter anderem auf Basis von Satellitenbildern die mit Abstand umfangreichste Karte des Straßennetzes im Römischen Reich erstellt, berichtet das IT-Informationsportal heise.
Unter dem Namen Itiner-e trägt ein internationales Forschungsteam bereits seit Jahren die Daten zu den Römerstraßen zusammen und erstellt damit eine für die Öffentlichkeit online einsehbare Landkarte – sozusagen das Google Maps des Imperium Romanum (übrigens auch in 3D; beim Ziehen die Maustaste gedrückt halten, um den Blickwinkel zu verstellen).
Auf unserem Bild ist ein Teil Zentraleuropas zu sehen, mit Vindobona und Carnuntum – damals die wichtigere Stadt – rechts oben als Endpunkt des Streckennetzes am Donau-Limes (Itiner-e: the digital atlas of ancient roads © 2024 by Brughmans, Pažout, de Soto and Bjerregaard Vahlstrup, licensed under CC BY 4.0).
Viel länger als gedacht
Das jüngste Update hat nun einen Meilenstein erreicht: Die Länge der darin zusammengetragenen Straßen wurde auf 299.000 km fast verdoppelt, so heise. Gleichzeitig wurde auch die Detailtiefe stark verbessert. Allerdings ist die Zuverlässigkeit der Karte je nach Region unterschiedlich hoch ausgeprägt: Während in manchen Gegenden Gewissheit herrscht (weil die heutigen Straßen dem antiken Verlauf folgen), ist beispielsweise in Wüstengebieten die Streckenführung oft nicht eindeutig, teilweise auch hypothetisch. Dennoch ist das Gesamtergebnis bereits beachtlich.
Das Forschungsprojekt Itiner-e soll dazu dienen, die Funktion der Verkehrswege für die antike Welt besser zu verstehen. So ist inzwischen klar, dass die Gesamtlänge der Römerstraßen bisher bei weitem unterschätzt wurde, heißt es dazu. Dargestellt wird in der Karte übrigens das Reichsgebiet zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung etwa im Jahr 150 – ein gewaltiges Gebiet, in dem die Römerstraßen vom heutigen Schottland bis an den Sudan reichten.
Die Funktionsweise
Die römischen Verkehrswege hatten neben dem Handel vor allem militärische Bedeutung, ihre Streckenführung bestimmte noch bis weit ins Mittelalter hinein die Aufmarschrouten von Armeen mit, weil über sie viel schnellere Truppenbewegungen möglich waren.
Viele Routen können heute noch besichtigt werden, etwa die bekannte Via Appia bei Rom. Allerdings hatten natürlich nicht alle Römerstraßen den Rang der Via Appia – die Forschenden von Itiner-e unterscheiden zwischen einem primärem und einem sekundärem Straßennetz u.v.m.

