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600 Aktuare rufen nach Verstärkung: MINT-Offensive der Versicherer

Gregor Pilgram © Lukas Lorenz / Generali

Recruiting. Versicherungsverband VVO und Aktuarvereinigung wollen mit „Austrian Actuary“ für Nachwuchs sorgen. Doch wie groß ist das Berufsfeld Aktuar:in eigentlich?

Der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO und die Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) haben gemeinsam die Initiative „Austrian Actuary“ ins Leben gerufen. Ziel sei es, mehr Aufmerksamkeit für die Schlüsselrolle von Aktuarinnen und Aktuaren zu schaffen. Damit will man junge Talente für eine Karriere als Aktuar:in begeistern, die analytisches Denken mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet, wie es in einer Aussendung heißt.

Schwierige Zeiten erfordern mehr Rechner

Die Versicherungswirtschaft stehe vor komplexen Herausforderungen: Klimarisiken, demografischer Wandel und volatile Märkte machen Prognosen über zukünftige Entwicklungen immer schwieriger. Versicherer brauchen jedoch Modelle, um Risiken zu bewerten und langfristige strategische Entscheidungen zu treffen. Das verlange nach klugen Köpfen, die ein ausgezeichnetes Zahlengefühl mit hochgradig vernetztem Denken und einer analytischen Herangehensweise vereinen, heißt es. Aktuarinnen und Aktuare sind demnach das „analytische Rückgrat“ der Versicherungswirtschaft.

Das Berufsbild Aktuar

Aktuar:innen sind Versicherungsmathematiker mit zusätzlicher Spezialisierung und entwickeln Modelle, um Risiken zu bewerten, Prämien zu berechnen und Rückstellungen zu ermitteln.

Sie arbeiten dabei eng mit dem Top-Management, IT und Aufsichtsbehörden zusammen. In ihrer Funktion sind sie maßgeblich an strategischen Entscheidungen beteiligt, zum Beispiel bei der Produktentwicklung, Kapitalanlage oder Solvabilitätsberechnung, heißt es weiter.

Der Beruf biete exzellente Karrierechancen und ist laut den Versicherern besonders für Menschen mit einer Leidenschaft für Mathematik, Statistik und wirtschaftliche Zusammenhänge geeignet.

Für Interessierte und für Hardcore-Profis

Auf dem dafür gestarteten Portal www.austrian-actuary.at finden sich Informationen über Karrierechancen, Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten sowie echte Einblicke aus der Praxis von Aktuarinnen und Aktuaren, wie es heißt.

Ein tieferer Einblick eher für die Profis findet sich auf der Website der Aktuarsvereinigung (Link). Neben Fachinformationen findet sich dort auch eine Jobbörse, die derzeit allerdings durch Leere glänzt, was aber möglicherweise daran liegt, dass sie lediglich als Service für Mitgliedsunternehmen gedacht ist, die dort etwaige offene Stellen eintragen können.

Auf der Aktuars-Website finden sich dann auch Angaben zur Größe dieses Berufsfelds: Demnach zählte die AVÖ mit Stand 29. Februar 2024 insgesamt 581 Mitglieder. 407 Mitglieder der AVÖ sind aktuell als Anerkannte Aktuarinnen und Aktuare qualifiziert (22 Ruhendstellungen), weitere 27 sind assoziiert. Neun Mitglieder verfügen über den Status CERA-Aktuar und weisen damit eine international anerkannte Zusatzausbildung im Risikomanagement nach, heißt es weiter.

Laut den Angaben stieg die Mitgliederzahl in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent; die der „Anerkannten“ sogar um 40 Prozent. 63 Prozent der Mitglieder sind Männer, 37 Prozent Frauen. Zum Vergleich: Die Deutsche Aktuarsvereinigung hat rund 6.500 Mitglieder, weitere 1.400 befinden sich in Ausbildung.

Weitere Informationen auf Fachebene gibt es übrigens auch bei der TU Wien, TU Graz, Johannes Kepler Uni Linz und Uni Klagenfurt, die als akademische Anlauf- und Ausbildungsstellen auf austrian-actuary.at angeführt sind.

Die Statements

VVO-Präsident Gregor Pilgram: „Die Versicherungswirtschaft braucht Talente, die komplexe Risiken wie Klimaveränderung, demografischen Wandel und volatile Märkte berechenbar machen. Mit der Initiative ‚Austrian Actuary‘ setzen wir ein Zeichen für Nachwuchsförderung und wollen Menschen für einen Beruf gewinnen, der analytisches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.“

VVO-Generalsekretär Christian Eltner: „Als VVO unterstützen wir ‚Austrian Actuary‘ sehr gerne. Die Initiative macht sichtbar, wie vielfältig das Berufsbild ist und welchen wertvollen Beitrag Aktuarinnen und Aktuare für die Versicherungswirtschaft leisten.“

Vorstand der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) René Knapp: „Mit Austrian Actuary möchten wir junge Menschen frühzeitig für ein Mathematikstudium begeistern, indem wir konkrete Karrierewege aufzeigen. Wer mathematisches Denken mit wirtschaftlichem und rechtlichem Know-how verbindet, qualifiziert sich für gefragte Fach- und Spitzenpositionen – doch diese Chancen sind oft zu wenig bekannt. Viele entdecken den Beruf des Aktuars erst, wenn ein Wechsel in ein Mathematikstudium kaum noch möglich ist. Genau hier setzen wir mit unserer Initiative an.“

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