Sign of the Times. Die wirtschaftliche Lage wird langsam besser – dennoch herrschen vorerst noch frisch gespitzte Rotstifte, zeigt eine Deloitte-Umfrage.
Langsam aber doch wird es besser mit der Konjunktur: Die EU-Wachstumsprognose 2025 für Österreich wurde zuletzt von prolongierter Rezession auf ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent hinaufgestuft. 2026 sollen immerhin 0,9 Prozent Plus drin sein.
Doch im aktuellen Deloitte CFO-Survey (halbjährlich) ist noch wenig von Aufschwung zu spüren. 65 Prozent der befragten CFOs sehen sich weiterhin mit einer hohen wirtschaftlichen Unsicherheit konfrontiert.
Die Lage
Die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation wirkt sich auf die Stimmung in den Finanzabteilungen österreichischer Unternehmen aus, so eine Aussendung des Big Four-Multis: Laut der aktuellen Deloitte Umfrage herrscht vor allem Pessimismus vor.
Der erneute Anstieg der Inflation birgt Risiken fürs Geschäft und das Investitionsklima ist dementsprechend rau, heißt es. Daher werde jetzt vor allem auf Kostensenkung und bestehende Märkte gesetzt.
„Die heimischen Finanzvorstände blicken überwiegend pessimistisch in die Zukunft. 53% gehen von einer Verschlechterung des Investitionsklimas aus, 30% zeigen sich hinsichtlich der finanziellen Erfolgsaussichten ihres Unternehmens negativer als noch vor wenigen Monaten“, erläutert Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich: „Damit wird laut der Hälfte der CFOs auch der Investitionsaufwand zurückgehen. Das sind keine guten Nachrichten für den Wirtschaftsstandort.“
Unternehmen auf Sparkurs
Aufgrund der aktuellen Teuerungen ist eine Reduktion der Kosten für die meisten heimischen Finanzvorstände das Mittel der Wahl: 58% bewerten dieses Thema strategisch als sehr wichtig, weitere 33% als eher wichtig. Aber auch das Wachstum in bestehenden Märkten hat derzeit in vielen Unternehmen Priorität (35% „sehr wichtig“, 58% „eher wichtig“), gefolgt von der Verringerung des Betriebsaufwandes (35% „sehr wichtig“, 54% „eher wichtig“).
„Der strategische Kurs der Unternehmen ist nachvollziehbar. Doch der Sparmodus wirkt sich nicht nur negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, sondern rüttelt auch am Personalstand. Laut unserer Befragung rechnen 44% der CFOs in naher Zukunft mit einem Personalabbau“, ergänzt Marterbauer. „Kurzfristig mag dieser Abbau aus Kostengründen Sinn machen, langfristig wird nach der Krise aber auch die Suche nach qualifiziertem Personal wieder eine Herausforderung werden.“
Inflationsanstieg als Unternehmensrisiko
Die Finanzvorstände rechnen übrigens mit einem weiteren Anstieg der Inflation: Für Österreich werden in den kommenden zwölf Monaten durchschnittlich 3,1% erwartet, für die Eurozone 2,2%. Gleichzeitig stellt ein solcher Inflationsanstieg für 73% eines der größten Unternehmensrisiken dar – neben AI-gestützten Cyber-Angriffen (88%), zunehmender Regulierung (80%) und schwachen Konjunkturaussichten (78%).
Demnach verwundere es nicht, dass die Risikobereitschaft stagniert: „Wie bereits im Frühjahr geben zwei Drittel der Befragten an, dass aktuell kein guter Zeitpunkt ist, um Risikopositionen in die Bilanz aufzunehmen“, so der Deloitte Experte.
Transformation mit Handbremse
Die angespannte wirtschaftliche Situation wirkt sich auch auf die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Unternehmen aus. Laut 56% wird die grüne Transformation vor allem durch die unzureichende Nachfrage sowie die mangelnde Bereitschaft, mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen, ausgebremst. Als noch größeren Hemmschuh nennen die CFOs allerdings die strategische und regulatorische Unsicherheit (74%). Vor allem die EU-Pläne in puncto Dekarbonisierung der Wirtschaft werden von der Mehrheit als signifikanter Wettbewerbsnachteil angesehen.
„Unsichere Zeiten waren nie ein großer Beschleuniger für Transformationsprozesse. Für die Unternehmen ist es jetzt dennoch wichtig, am Ball zu bleiben. Denn Fakt ist: Langfristig wird das Thema Nachhaltigkeit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen“, weiß Gerhard Marterbauer.




