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DLA Piper-Partnerin Vartian: „Unsere Pro Bono-Beratung wurde zur Plattform“

Gerald Stefan, Claudine Vartian ©DLA Piper

Interview. Wirtschaftlich schwierige Zeiten bringen Herausforderungen: Über unentgeltliche Beratung für Volkshilfe, Vier Pfoten und mehr spricht Claudine Vartian, Pro Bono-Leiterin von DLA Piper Österreich.

Extrajournal.Net: Sie leiten die Pro Bono-Aktivitäten des Wiener Büros von DLA Piper und feiern dabei gerade das 10-jährige Jubiläum. Wie hat sich diese Form der unentgeltlichen Rechtsberatung für einen guten Zweck in dieser Zeit entwickelt?

Claudine Vartian: Unsere Pro Bono-Aktivität in Österreich gibt es bereits über zehn Jahre – in der internationalen Organisation auch schon wesentlich länger. Der Wunsch, auch in Österreich Pro Bono an den Start zu bringen, wurde ursprünglich aus dem internationalen DLA Piper-Netzwerk an uns herangetragen, vor allem aus den USA und dem Vereinigten Königreich. Der Pro Bono-Gedanke ist ja gerade bei den Kolleginnen und Kollegen in den USA sehr präsent. Das liegt nicht nur am Wunsch, Gutes zu tun, sondern auch an den Rahmenbedingungen: Aufgrund der dortigen Steuerstruktur bleibt Anwältinnen und Anwälten netto deutlich mehr vom Bruttoeinkommen. Diese finanzielle Situation erleichtert es, Zeit und Ressourcen für Pro Bono-Arbeit einzusetzen – und prägt die Kultur des Engagements in den USA spürbar. Gleichzeitig muss man aber auch daran erinnern, dass es in den USA nicht wie bei uns die Pflicht zur Verfahrenshilfe für Anwältinnen und Anwälte gibt, die ja eine umfangreiche unbezahlte Tätigkeit für einen guten Zweck – Rechtsberatung für Bedürftige – darstellt.

Vor zehn Jahren war Pro Bono-Tätigkeit in Österreich ein Novum, kaum eine Kanzlei hat sich dafür engagiert. Ich habe mich damals dazu bereiterklärt, unsere Pro Bono-Aktivitäten in Wien aufzubauen, aber von vornherein zu meinen eigenen Bedingungen. Es war mir ein Anliegen, auch lokale Organisationen wie die Volkshilfe oder Vier Pfoten zu unterstützen – und nicht nur die bekannten internationalen Organisationen. Das ist wichtig für den Ruf der Kanzlei auf dem lokalen Markt.

Heute erbringen wir als DLA Piper Büro Wien die meisten Pro Bono-Stunden pro Kopf und haben auch eine hohe Durchdringungsrate bei den Hilfsorganisationen. Mein Pro Bono-Team mit Kollege Armin Redl leistet hier wirklich viel und großartige Arbeit. Für unsere Pro Bono-Arbeit mit Vier Pfoten wurden wir dieses Jahr mit dem „Wirtschaft hilft-Award“ ausgezeichnet – ein schöner Beweis dafür, wie juristische Expertise Leben retten kann. Neben den großen haben wir auch viele kleine Pro Bono-Mandate.

Spender und Hilfsorganisationen zusammenbringen

Gibt es neue Trends in der Pro Bono-Beratung?

Claudine Vartian: Wir haben bei DLA Piper Wien das Spektrum unserer Pro Bono-Beratung verbreitert, indem wir zum Beispiel auch Bildungsorganisationen unterstützen und nicht ausschließlich soziale und Umweltorganisationen. Neu ist, dass wir die Hilfsorganisationen und die Wirtschaft aktiv miteinander vernetzen. Das können Privatpersonen oder Unternehmensgruppen sein, die gemeinnützige Stiftungen gründen, um einen Teil ihres Vermögens einem wohltätigen Zweck zu widmen. Wir kennen diese Förderer oft aus unserer Beratung bei der Errichtung solcher Stiftungen. Gleichzeitig verfügen wir über Kontakte zu passenden NGOs aus unserer Pro Bono-Arbeit – und bringen beide Seiten zusammen. Bereits zwei Networking-Events haben gezeigt, wie gut dieses Konzept funktioniert: Trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten waren die Veranstaltungen hervorragend besucht und voller Austausch. Unsere Pro Bono-Tätigkeit hat sich damit von klassischer Rechtsberatung zu einer Plattform entwickelt, die Kooperationen ermöglicht und Wirkung verstärkt.

Hat der Pro Bono-Gedanke inzwischen auch bei anderen Kanzleien in Österreich Einzug gehalten?

Claudine Vartian: Das Thema Pro Bono beschäftigt viele Kanzleien – wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität. Um den Austausch zu fördern, haben wir gemeinsam mit Freshfields im vergangenen Jahr einen Pro Bono Round Table organisiert. Unser Ziel: das Anliegen sichtbar machen und strukturiert diskutieren. Die meisten Kanzleien gehen Pro Bono jedoch weiterhin weniger systematisch an als wir. Dennoch engagieren sich viele – wenngleich in anderer Form: Sei es durch eigene soziale Initiativen wie die Unterstützung von Einrichtungen wie der Vinzirast oder durch die Förderung des juristischen Nachwuchses, etwa mit Preisen wie dem Raimund-Bollenberger-Preis von DSC.

Anerkennung ausländischer Qualifikationen als großes Thema

Welche aktuellen Bedürfnisse sehen Sie bei den Hilfsorganisationen, die Sie unterstützen?

Claudine Vartian: Die aktuelle Krise zeigt deutlich: Der Staat kann nicht alles leisten. Ohne Organisationen wie die Caritas oder die Volkshilfe wäre vieles nicht möglich. Zum Glück bleibt die Spendenbereitschaft hoch – selbst in schwierigen Zeiten geben Menschen bereitwillig. Allerdings erwarten sie heute volle Transparenz: Sie wollen genau wissen, wohin jeder Euro fließt. Auch wir legen großen Wert darauf, die Arbeit der Organisationen, die wir rechtlich unterstützen, genau zu kennen. Hilfsorganisationen sind eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Es ist eine Freude, sie zu begleiten – ob im sozialen Bereich, im Tierschutz, in der Bildung oder im Umwelt- und Naturschutz. Dabei profitieren wir von der internationalen Struktur von DLA Piper: Wenn etwa Tierschützer einen Bären retten und über Ländergrenzen hinweg in eine neue Heimat bringen, müssen unterschiedliche Jurisdiktionen berücksichtigt werden.

Eine große Herausforderung für viele NGOs ist der Fachkräftemangel. Wie in der Wirtschaft insgesamt fehlen Nachwuchs und qualifizierte Kräfte. Besonders hilfreich wäre eine schnellere Anerkennung von im Ausland absolvierten Ausbildungen – gerade für soziale Organisationen. Auch das ist ein wichtiges Thema in unserer Pro Bono-Beratung.

Im Interview

Dr. Claudine Vartian ist Partner und Leiterin der Pro Bono-Praxis am Standort Wien von DLA Piper.

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