Interview. Sandra Allmayer, Geschäftsführerin der Akademie der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (ASW), spricht über neue Studien, Apps und die Auswirkungen von KI auf den Markt.
Extrajournal.Net: Im vergangenen Jahr hat die ASW die Weichen neu gestellt, es gibt nun einen neuen Auftritt und die neuen Karrierewege – welche Strategie steckt dahinter?
Sandra Allmayer: Unser neuer Claim und unser neuer Außenauftritt haben zum Inhalt: „Wo Bildung weiter geht“. Die ASW versteht sich als der Ort, wo aus Bildung echte Karrierewege werden – tiefer, individueller und zukunftsweisender. Die Karrierepfade sind für uns dabei das Kernstück, wie es auch unser neuer Imagefilm zeigt: Wir begleiten die Menschen langfristig, sozusagen ein Leben lang – vom ersten Kurs bis zur berufsbegleitenden Weiterbildung und teils sogar noch bis zur Weiterbildung in der Pension, die viele pensionierte Steuerberater ja bei uns machen. Dabei reagieren wir gleichzeitig auf die Diversität in unserer Gesellschaft und holen die Menschen dort ab, wo sie stehen.
Das bedeutet Eingehen auf die Bedürfnisse von Quereinsteigern, auf heterogene Biographien, auf Bedürfnisse der Work-Life Balance. Die ASW sorgt dafür, dass für jeden dieser Wege das passende Bildungsangebot bereitsteht – vom ersten Kennenlernen unserer Branche bis zur hochspezialisierten Qualifikation, individuell, flexibel und qualitativ hochwertig.
Orientierungskurse und Deutsch für ausländische Fachprofis
Es soll für jeden den geeigneten Bildungs- bzw. Karriereweg geben?
Sandra Allmayer: Es gibt zum Beispiel heute viele Personen mit geringen Deutschkenntnissen in den Kanzleien, die aber eine Buchhaltungsausbildung oder andere einschlägige Vorkenntnisse haben. Daher haben wir berufsbezogene, branchenspezifische Deutschkurse gestartet, zum Beispiel „Kommunizieren in WT-Kanzleien“, oder Fachsprache Deutsch für Steuern, Recht & Wirtschaft. Es geht hier um die Vermittlung von Grundbegriffen der branchenspezifischen Fachsprache, ein berufsfokussiertes Thema für unsere Mitglieder, bei dem sehr große Nachfrage herrscht.
Zweitens haben wir kostenlose Schnupperkurse für vor allem Praktikanten und Quereinsteiger in Kanzleien eingeführt. Diese bestehen aus zwei Stunden Personalverrechnung, zwei Stunden Buchhaltung usw. Das dient zur Orientierung, damit die Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger den geeigneten Karriereweg für sich finden. Denn vor dem Können kommt das Kennen.
Dritte Neuerung ist seit kurzem unser Web-based Training. Die fünf Kurse vermitteln wirtschaftliche Grundbegriffe, erläutern das Rechtssystem, Grundlagen von Buchhaltung und Besteuerung usw. Sie haben insgesamt den Umfang von 20 Stunden und schließen mit einer online-Prüfung ab. All das hat den Sinn, die Menschen in ihren verschiedenen Lebensrealitäten abzuholen: Wenn jemand heute zum Beispiel aus der Gastronomie in die Wirtschaftstreuhänder-Branche wechselt, dann findet er oder sie diese drei Möglichkeiten vor, um sich zu orientieren.
KI ersetzt keine Personen, sondern Tätigkeiten
Haben Steuerberatungs- und Wirtschafsprüfungskanzleien – also die Wirtschaftstreuhand-Branche – weiterhin hohen Fachkräftebedarf oder ist das in den aktuell wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zurückgegangen?
Sandra Allmayer: Nach wie vor herrscht eklatanter Fachkräftemangel in den Wirtschaftstreuhandkanzleien. Daher ist es weiterhin ein großes Thema, wie man Nachwuchs in die Branche bekommt. Wir als ASW sind ein Unternehmen der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW) und konzentrieren uns auf den Berufsstand, also zum Beispiel auf Quereinsteiger, die bereits in einer Kanzlei sind und nun das nötige Know-how benötigen. Die KSW selbst tritt dagegen breiter auf und spricht potenziellen Nachwuchs direkt an.
Bei den Steuerberatern ist wie in vielen anderen Bereichen eine Welle an KI-Tools gestartet, die derzeit von zahlreichen Anbietern auf den Markt gebracht werden. Wie wirken sich die Tools auf den Arbeitsalltag aus? Verändern sich die Bedürfnisse der Kanzleien, brauchen sie künftig weniger Fachkräfte?
Sandra Allmayer: Man muss sich bewusst sein, dass KI nicht Personen ersetzt. Es ist am Ende des Tages ein Werkzeug – und das kann ich nur bestmöglich anwenden, wenn ich die nötigen Kompetenzen habe. Also muss man diese Kompetenzen erwerben – und die unterscheiden sich teilweise deutlich von dem, was bisher verlangt wurde. Gefordert sind jetzt ganzheitliches Denken, strategisches Denken, kritisches Denken für die notwendigen Plausibilitätskontrollen u.v.m. Als User bin ich schließlich die Trainerin der KI: Die Künstliche Intelligenz ist wie ein Experte, der nur so gut ist, wie ich ihn anweise – also prompte, und die Daten eingebe.
Für uns als ASW bedeutet das: Diese neuen Tools sind eine spannende Entwicklung, bedeuten aber auch den Bedarf, die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln. Als ASW antizipieren wir diese Entwicklung, analysieren laufend, was geschieht und was der Berufsstand an Training benötigt. Entsprechende KI-Veranstaltungen haben wir bereits im Programm und planen noch weitere, genau passende Angebote.
Wir bemühen uns stets, frühzeitig zu erkennen, welche Kompetenzen Kanzleien und ihre Mitarbeiter:innen brauchen, und die passenden, innovativen Programme zu entwickeln. Ein neues Produkt, dass auf dieser Basis entstanden ist, hat die AI-Zertifizierung zum EU AI Act zum Inhalt, der ja AI-Schulungen der Beschäftigten zur Pflicht macht: Unsere neue App zum EU AI Act, die bereits verfügbar und buchbar ist, vermittelt in einfach verständlicher Weise das notwendige Wissen. In sechs Stunden kann man diese Zertifizierung erlangen. Das Produkt ist ähnlich wie unsere zuvor eingeführte Geldwäsche-App gestaltet. Beide sorgen dafür, dass eine Steuerberatungskanzlei für ihr Team eine Wissensbasis hat. Wir schauen immer darauf, was der Berufsstand braucht, aber wir machen keine Schnellschüsse.
Master-Studium Tax Consulting startet im Herbst 2026
Welche weiteren Neuerungen wird das neue Bildungsjahr bringen?
Sandra Allmayer: Ein bedeutender Schritt kommt ab Herbst 2026: Wir werden das erste Master Professional Studium in Österreich – in Kooperation mit der Hochschule Campus Wien – anbieten, nämlich in Tax Consulting, aufbauend auf dem Bachelor Professional Tax Management, den wir seit zwei Jahren erfolgreich in dieser Kooperation anbieten. Das neue Studium ist stark berufsorientiert ausgelegt und genau auf die Fachprüfung zur Steuerberatung der Kammer ausgerichtet.
Wie ist die Nachfrage bei dem bereits bestehenden Bachelor Tax Management?
Sandra Allmayer: Die ist sehr intensiv, wir haben heuer 33 Bachelor-Studierende, bei sehr viel mehr Bewerbungen. Der Master wird 25 Plätze haben. Als effektiven Weg in die Berufspraxis bieten wir damit für jeden Interessenten künftig aufeinander aufbauend Bachelor und Master Professional an, sozusagen ein klarer berufsfokussierter Weg von der Matura bis zu den Fachprüfungen zur Steuerberatung. Als außerordentliches, frei finanziertes Studium wird der Master Professional Tax Consulting Kosten von 14.900 Euro aufweisen, das die Kammer mit 10 Stipendien zu je 7.350 Euro unterstützt. Ab Herbst 2026 vergibt die KSW damit insgesamt 20 Bachelor- und 10 Master-Stipendien.
Im Interview
MMag. Dr. Sandra Allmayer, MA MBA ist Geschäftsführerin der Akademie der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (ASW)
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