Finanzmarkt. Die Zahl der IPOs ist 2025 weltweit nur um zwei Prozent gestiegen. Doch das Emissionsvolumen legte um 32 Prozent zu, so EY.
Das IPO-Gesamtjahr weist eine leichte Verbesserung auf, so Beratungsmulti EY in einer Aussendung zu seinem aktuellen „IPO-Barometer“:
- Während die absolute Zahl der IPOs weltweit minimal um zwei Prozent auf 1.259 (Vorjahr: 1.240) zulegte, stieg das Emissionsvolumen hingegen deutlich um 32 Prozent auf rund 163,3 Mrd. US-Dollar.
- Im vierten Quartal 2025 gingen weltweit 347 Unternehmen an die Börse – ein Rückgang von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal (366). Dagegen stieg das Emissionsvolumen um 15 Prozent auf 51,7 Mrd. US-Dollar.
„Die IPO-Aktivitäten waren im ersten Halbjahr von einer außergewöhnlichen Schwankungsbreite geprägt. In Asien und den USA zeigte sich eine spürbare Dynamik mit mehr Transaktionen und höheren Erlösen, während Europa sowohl bei Volumen als auch Anzahl der Börsengänge zurücklag“, so Martina Geisler, Partner und Leiterin IPO bei EY Österreich.
Asien zieht es an die US-Börsen
Für die Entwicklung seien folgende regionale Faktoren ausschlaggebend:
- Der US-Markt profitierte von regulatorischen Lockerungen und der Hoffnung auf Zinssenkungen – sowie stark von zahlreichen Cross-Border-IPOs aus Asien.
- In Asien wirkten zudem Nachholeffekte nach einem schwächeren Jahr 2024.
- Die europäischen Märkte hatten hingegen mit anhaltend schwachem Wachstum zu kämpfen.
Insgesamt bleibe die weltweite Pipeline gut gefüllt. Der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang hänge weiterhin maßgeblich von der Stimmung an den Kapitalmärkten, vom erwarteten Wertsteigerungspotenzial nach dem IPO und von realistischen Preisvorstellungen der Eigentümer ab, heißt es. Für das kommende Jahr sieht Geisler „vorsichtigen Optimismus – vorausgesetzt, das makroökonomische Umfeld entwickelt sich stabil. In Europa gibt es eine umfangreiche Pipeline mit vielen Unternehmen, die auf ein passendes Marktfenster warten. Für den deutschen Markt rechnen wir 2026 mit einem Potenzial von bis zu zehn IPOs aus unterschiedlichen Segmenten.“
Auch in Österreich sei eine solide Pipeline erkennbar, insbesondere im Mid- und Small-Cap-Segment sowie bei potenziellen Spin-offs. 2026 seien abhängig vom Marktfenster mehrere KMU-Listings sowie selektive größere Transaktionen möglich.
Internationale Märkte im Jahresvergleich
In China inklusive Hongkong wurden 2025 insgesamt 214 Neuemissionen verzeichnet (Vorjahr: 179) – mit einem Gesamtvolumen von 53,7 Mrd. US-Dollar, was den stärksten Zuwachs unter allen relevanten Börsenplätzen darstellt. Auch der US-Markt legte deutlich zu: Die Zahl der Transaktionen stieg von 176 auf 220, das Emissionsvolumen von 33,0 Mrd. auf 40,2 Mrd. US-Dollar. Bemerkenswert ist, dass mehr als 60 Prozent der US-IPOs von ausländischen Unternehmen stammen. Ein Großteil dieser Cross-Border-IPOs in den USA stammte aus Asien – insbesondere technologieorientierte Unternehmen nutzten das liquide US-Kapitalmarktumfeld, um von höheren Bewertungen und einer breiteren Investorenbasis zu profitieren.
Europa hingegen zeigte eine rückläufige Entwicklung: Die Anzahl der Börsengänge sank auf 100 (Vorjahr: 131), das Emissionsvolumen verringerte sich auf 17,1 Mrd. US-Dollar (Vorjahr: 19,3 Mrd., –11%).
Branchenseitig dominierte auch 2025 der Technologiesektor beim Volumen (über 34 Mrd. US-Dollar), bei der Anzahl der IPOs ist der Sektor leicht rückläufig (202 nach 216 im Vorjahr). Bei den Emissionserlösen folgte der Mobility-Sektor auf Platz zwei, bei der Anzahl der Advanced-Manufacturing-Bereich. Weltweit entfielen elf Prozent aller IPOs und 36 Prozent des Platzierungsvolumens auf Unternehmen aus Private-Equity- und Venture-Capital-Portfolios.
Die größten Börsengänge
Der weltweit größte Börsengang des Jahres war die chinesische Contemporary Amperex Technology Co. Ltd mit rund 5,3 Mrd. US-Dollar Emissionserlösen. Der größte europäische IPO fand im vierten Quartal statt: Das Schweizer Unternehmen Verisure erzielte fast 4,2 Mrd. US-Dollar. In Deutschland war die Ottobock SE & Co. KGaA mit einem Emissionsvolumen von rund 865 Mio. US-Dollar der größte Börsengang – zugleich auch mit rund 5 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung am IPO-Tag der wertvollste deutsche Neuzugang.
Österreichischer Kapitalmarkt zeigt Dynamik
Die Wiener Börse zeige sich durchaus lebhaft, denn nach den Listings der Steyr Motors AG und der Reploid Group AG im direct market plus stehe mit der Gallmetzer HealthCare AG das dritte KMU-Listing des heurigen Jahres bevor. Die Südtiroler Unternehmensgruppe, die im Bereich der Zahn- und Mundpflege tätig ist, stellte Anfang Dezember den Antrag auf Handelsaufnahme noch in diesem Jahr.
Sehr hoch bleibt der Zuwachs im Anleihenbereich: 2025 wurden bislang mehr als 28.500 Primärlistings in Wien verzeichnet – eine Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024 (13.443).
Deutschland schöpft Potenzial noch nicht aus
Der deutsche Kapitalmarkt kommt in diesem Jahr auf insgesamt sieben Neuzugänge (einer weniger als 2024). Sechs davon entschieden sich für die Deutsche Börse – drei im Prime Standard (TKMS AG & Co. KGaA, Ottobock SE & Co. KGaA und Aumovio SE) und drei im Junior-Segment Scale (innoscripta SE, Tin Inn Holding AG und Pfisterer SE). Die Hausvorteil AG wählte ein Listing im Segment M:access der Börse München.
Gemessen an der Marktkapitalisierung zum Start gehörten TKMS AG & Co. KGaA, Ottobock SE & Co. KGaA und Aumovio SE zu den fünf größten Börsenneulingen Europas. Drei Unternehmen wurden bereits in die Auswahlindizes MDAX bzw. SDAX aufgenommen.
Die Emissionserlöse sanken um 42 Prozent auf knapp 1,2 Mrd. Euro, da zwei der Börsengänge als Spin-offs strukturiert waren und somit keine Kapitalaufnahme stattfand. Gleichzeitig stieg die Marktkapitalisierung der Neuzugänge zum Börsenstart um 34 Prozent auf knapp 13,9 Mrd. Euro.
Das Jahr der Spin-offs
„Auffällig war in diesem Jahr die Rückkehr großer Spin-off- und Carve-out-IPOs. Viele Unternehmen stehen vor tiefgreifenden Transformationsprozessen – ausgelöst durch technologische Entwicklungen wie KI, die Energiewende, E-Mobilität oder geopolitische Verschiebungen mit Auswirkungen auf Lieferketten und Absatzmärkte“, erläutert Martina Geisler. „Abspaltungen ermöglichen es der Muttergesellschaft, ihren Fokus zu schärfen und sich stärker auf das Kerngeschäft auszurichten. Für Aktionäre kann die Aufteilung eines Konzerns in zwei börsennotierte Einheiten häufig zu einer höheren Bewertung führen, die erst nach der Trennung sichtbar wird.“
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