Fontainebleau. Die französische Wirtschaftsuni INSEAD startet Botipedia: Das KI-erstellte Wissensportal soll 6.000-mal größer sein als Wikipedia.
INSEAD hat den Start von Botipedia verkündet, dem weltweit größten enzyklopädischen Wissensportal, so eine Aussendung. Auf den ersten Blick ist Botipedia eine Wikipedia-Konkurrenz, doch verwendet das Wissensportal (Untertitel: „The Robotic Encyclopedia“) KI zur Artikel-Erstellung. Als Datenbasis werden laut den Angaben kuratierte Fachinformationen verwendet, also nicht der Input einer relativ unkontrollierten menschlichen Online-Community wie bei Wikipedia.
Von 1800 bis 2025
Enzyklopädien haben einen langen Weg hinter sich, so INSEAD: von den gedruckten Ausgaben um 1800 über CD-ROMs in den 1990er Jahren bis hin zur heutigen Online-Enzyklopädie Wikipedia, die von einer großen Community bearbeitet wird. Botipedia gehe anders vor und nutze als Wissensportal hunderte von Algorithmen, um die Arbeit von Menschen zu imitieren, die Wikipedia-Einträge erstellen. Jeder Eintrag wird mit der Dynamic Multi Method Generation (DMG) verarbeitet, die sich auf Datensätze aus einer kuratierten Bibliothek von Archiven und Satelliteneinspeisungen stütze.
Botipedia zitiere direkt verlässliche Quellen oder generiere originale Inhalte mithilfe von Techniken zur Generierung natürlicher Sprache, die darauf ausgelegt seien, Halluzinationen oder intrinsische Verzerrungen zu vermeiden, heißt es.
Jedes Thema verdient einen Eintrag
Noch ein großer Unterschied besteht zur Wikipedia: In der Botipedia sei kein Thema, kein Ereignis, keine Sprache und keine Geografie zu obskur, um einen Artikel zu verdienen. Während Wikipedia etwa 64 Millionen englische Artikel umfasse, generiere Botipedia über 400 Milliarden Einträge in mehr als hundert Sprachen (Anm.d.Red.: Bei einer Weltbevölkerung von rund 8 Milliarden kommen also statistisch rund 50 Botipedia-Artikel auf jeden Menschen).
„Wir schaffen Botipedia, um allen Menschen den gleichen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, ohne dass eine Sprache dabei vergessen wird“, meint Phil Parker, Insead Chaired Professor of Management Science, Erfinder von Botipedia. Dabei konzentriere man sich „auf Inhalte, die auf Daten und Quellen mit vollständiger Provenienz basieren. Auf diese Weise kann der Nutzer Informationen aus so vielen Perspektiven wie möglich erhalten, im Gegensatz zu einer potenziell voreingenommenen Quelle.“
Die Technik
Die Technologie von Botipedia beschränke sich nicht auf große Sprachmodelle (LLMs) oder ähnliche generative Methoden. Vielmehr beruhe jede Form der Ausgabe auf einer maßgeschneiderten Methode. So werden beispielsweise Texte oder Tabellen zum Wetter für alle möglichen Längen- und Breitengrade mit georäumlichen Methoden erstellt. Davon verspricht man sich sowohl viel mehr Inhalte als auch mehr Genauigkeit.
Die automatisierte Erstellung ermögliche es auch, mehr Einträge in „unterversorgten“ Sprachen zur Verfügung zu stellen, so INSEAD: Beispielsweise gebe es in der Wikipedia nur 40.000 Einträge auf Suaheli. Gegenüber LLM-Anwendungen wie ChatGPT komme DMG mit wesentlich weniger Rechenleistung aus.
Eine „HUMII-Initiative“
„Botipedia ist eine von zahlreichen Initiativen des Human and Machine Intelligence Institute (HUMII), das wir am INSEAD einrichten“, so Lily Fang, Dekanin für Forschung und Innovation: „Es handelt sich um eine praktische Anwendung, die auf dem mit dem INSEAD verbundenen geistigen Eigentum aufbaut und Menschen hilft, mithilfe von technologiegestütztem Wissen fundiertere Entscheidungen zu treffen.“
Botipedia wurde während des INSEAD AI Forum in Singapur gestartet und ist derzeit laut den Angaben nur auf Einladung zugänglich. Der uneingeschränkte Zugang für die Öffentlichkeit soll folgen.
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