Gründer & Tiefpunkte. Das Jahr 2025 markiert einen Tiefpunkt für das österreichische Start-up-Ökosystem, so ein aktueller EY-Marktüberblick.
Nachdem bereits in den vergangenen drei Jahren seit 2022 rückläufige Entwicklungen beim Finanzierungsvolumen zu verzeichnen waren, setzte sich der Abwärtstrend auch 2025 fort – trotz einzelner Lichtblicke in ausgewählten Technologiefeldern, so das jetzt veröffentlichte „EY Start-up-Barometer Österreich 2025“. Analysiert wurden Finanzierungsrunden von Start-ups mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt, so EY.
„Die Zahlen zeigen unmissverständlich, dass sich das österreichische Start-up-Ökosystem weiter abschwächt. Nach bereits drei Jahren rückläufiger Finanzierungsaktivität ist 2025 ein neuer Tiefpunkt erreicht. Das ist kein kurzfristiger Zyklus, sondern ein strukturelles Warnsignal. Ohne rasche und koordinierte Maßnahmen droht Österreich im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen“, so Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Vier Jahre Rückgang – 2025 als Tiefpunkt
Bereits 2024 war ein schwaches Jahr für das heimische Start-up-Ökosystem: Das Finanzierungsvolumen sank im dritten Jahr in Folge um 17 Prozent auf 578 Mio. Euro – den niedrigsten Wert seit 2020. Gleichzeitig ging die Anzahl der Finanzierungsrunden um 19 Prozent von 184 auf 151 Deals zurück. Große Finanzierungsrunden über 100 Mio. Euro blieben erstmals vollständig aus.
Statt einer Stabilisierung setzte sich dieser Negativtrend 2025 weiter fort. Auf Basis der veröffentlichten Finanzierungsrunden belief sich das Gesamtfinanzierungsvolumen im laufenden Jahr auf rund 253 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber 2024 um rund 56 Prozent reduziert.
Finanzierungsrunden konstant, Geld aber Mangelware
Die Zahl der Finanzierungsrunden blieb dabei gleichzeitig mit 148 auf dem Niveau des Vorjahres (151; -2%). Anders ausgedrückt – es gibt zwar weiterhin relativ viele Finanzierungsrunden, aber bei denen ist das Geld Mangelware.
Besonders betroffen ist laut EY weiterhin das Wachstumssegment: Größere Anschlussfinanzierungen sind nur eingeschränkt realisierbar, was die Skalierung und Internationalisierung vieler österreichischer Start-ups und Scale-ups erheblich erschwere. Im langfristigen Vergleich fällt das österreichische Start-up-Finanzierungsniveau damit auf einen Stand zurück, der zuletzt vor fünf Jahren erreicht wurde.
Europa macht es besser
Der internationale Vergleich zeige den Handlungsbedarf Österreichs: EU-weit stieg das Investitionsvolumen 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund fünf Prozent auf mehr als 66 Milliarden Euro – trotz rückläufiger Deal-Zahlen.
Der Blick auf die einzelnen europäischen Märkte zeigt allerdings ein differenziertes Bild: 25 der 43 erfassten europäischen Länder verzeichneten 2025 noch einen Rückgang beim Investitionsvolumen, 17 Länder konnten jedoch bereits wieder zulegen.
Österreich zähle innerhalb dieses Vergleichs zu den Ländern mit den stärksten Rückgängen. Mit einem Rückgang von 56 Prozent im Vergleich zu 2024 liege Österreich im unteren Drittel der europäischen Märkte und deutlich hinter jenen Ländern, die bereits wieder auf Wachstumskurs sind.
Refurbed war 2025 die Ausnahme
Die größte Finanzierungsrunde des Jahres ging an Refurbed mit rund 50 Millionen Euro. Das Wiener Scale-up ist europaweit im Markt für generalüberholte Elektronikgeräte etabliert; die Finanzierung erfolgte als Extension einer bestehenden Runde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen enspired (Energy-Tech; 15 Millionen Euro) und Emmi AI (KI-Lösungen für industrielle Produktions- und Qualitätsprozesse; 11,5 Mio. Euro).
Auffällig sei, dass die beiden größten Finanzierungen des Jahres Extensions bereits abgeschlossener Runden waren. Dies unterstreiche die aktuelle Marktsituation: Investorengruppen unterstützen bestehende Portfoliounternehmen weiterhin, zeigen sich bei neuen großvolumigen Investments jedoch zurückhaltend.
Die Reparaturmaßnahmen laut EY
Besonders dringend für den Start-up-Standort Österreich sind laut EY eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten, der Abbau bürokratischer Hürden sowie attraktivere Rahmenbedingungen für privates und institutionelles Risikokapital.
Ebenso zentral sei die Modernisierung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen, um Start-ups und Scale-ups im Wettbewerb um Talente konkurrenzfähig zu halten. Ergänzend brauche es gezielte Maßnahmen, um den Zuzug internationaler Fachkräfte zu erleichtern.
Ein entscheidender Hebel sei zudem die sofortige und konsequente Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds. Dieses Fund-of-Funds-Instrument soll institutionelles Kapital – etwa von Pensions- und Versicherungsfonds – gezielt mobilisieren und damit jene Finanzierungslücke schließen, die österreichische Scale-ups seit Jahren bremst, heißt es.
Das Know-how ist vorhanden
Auf der Positiv-Seite vermerkt EY für Österreich starke strukturelle Grundlagen – von gut ausgebildeten Gründer:innen über eine leistungsfähige Forschungs- und Innovationslandschaft bis hin zu international wettbewerbsfähigen technologischen Kompetenzen. Doch zeige die Entwicklung der vergangenen vier Jahre, dass diese Voraussetzungen allein nicht ausreichen, so Haas.
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