Studie. Eine EY-Analyse beleuchtet die Auswirkungen von Donald Trumps Zöllen auf die Exporte der österreichischen Industrie – und wie es ihr insgesamt zuletzt ging.
Big Four-Multi EY beleuchtet in seinem gerade veröffentlichten „Industriebarometer“ die wirtschaftliche Lage der österreichischen Industrie und geht dabei auch auf die Auswirkungen der umstrittenen US-Zölle von Donald Trump ein.
Good News und Bad News
Die Rezession in der österreichischen Industrie hält an: Im dritten Quartal 2025 erwirtschafteten die heimischen Unternehmen des produzierenden Bereichs einen Umsatz von 94,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit schrumpfte der Industrieumsatz bereits zum zehnten Mal in Folge, so eine Aussendung von EY. Positiv sei jedoch, dass sich die Rückgänge im laufenden Jahr deutlich abgeschwächt haben: Bereits im ersten und zweiten Quartal lagen die Umsatzrückgänge jeweils unter einem Prozent.
„Die österreichische Industrie befindet sich weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Gleichzeitig sehen wir aber, dass sich die Dynamik der Rückgänge zuletzt abgeschwächt hat – ein erstes Signal für eine mögliche Stabilisierung, wenn auch auf niedrigem Niveau“, sagt Axel Preiss, Sector Leader Industrials bei EY Österreich.
Gewinner und Verlierer
Während die Gesamtindustrie rückläufig blieb, entwickelten sich einzelne Branchen aber unterschiedlich. Bei den Gewinnern zu finden:
- Chemie/Pharma verzeichnete im dritten Quartal ein Umsatzplus von über 13 Prozent,
- auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9%)
- sowie der Maschinenbau (+3%) konnten spürbar zulegen.
Besonders schwach schnitten ab:
- erneut die Automobilindustrie (-7%),
- die Papier- und Pappeindustrie (-6%)
- sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie (-5%).
Zum Ende des dritten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich in Österreich rund 1,07 Millionen Menschen beschäftigt – das sind 1,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Innerhalb von zwölf Monaten gingen damit rund 20.900 Arbeitsplätze verloren. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als im zweiten Quartal (-1,8%). In der Automobilindustrie sank die Zahl der Beschäftigten sogar um gut acht Prozent (2.900 Stellen). Einzig die Chemie- und Pharmabranche konnte im Vergleich zum Vorjahr Personal aufbauen – knapp 280 Stellen.
Die längerfristige Perspektive
Langfristig zeigt sich freilich ein differenziertes Bild, so EY: Seit 2019 wurden in vier der acht untersuchten Industriebranchen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen – allen voran in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9.800 Stellen / +14%), im Maschinenbau (+7.000 / +8%) sowie in der Chemie-/Pharmabranche (+5.100 / +14%). Dagegen verlor die Automobilindustrie seit 2019 insgesamt rund 7.700 Arbeitsplätze (-20%).
Das US-Geschäft bricht massiv ein
Jetzt aber zum aktuellen Blick auf die Trump-Zölle: Österreichs Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom beliefen sich im dritten Quartal 2025 auf 45,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent bzw. 811 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit sind die Exporte nun seit sieben Quartalen in Folge rückläufig, so EY.
Haupttreiber des Exportrückgangs war der massive Einbruch der Ausfuhren in die USA, die um 27 Prozent bzw. 1,6 Milliarden Euro sanken. Auch die Exporte nach China (-11%) sanken deutlich; jene nach Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner Österreichs, gingen um gut vier Prozent zurück. Positiv entwickelten sich hingegen die Ausfuhren nach Großbritannien und in die Schweiz (jeweils +21%) sowie nach Italien.
„Exportorientierte Industrie verwundbar“
Innerhalb der Industrie zeigten fünf von acht Branchen ein Exportwachstum. Angeführt wurde das Ranking von der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9%), gefolgt von Chemie/Pharma (+5,5%). Die Automobilindustrie verzeichnete dagegen einen Rückgang der Exporterlöse um gut acht Prozent.
„Der Einbruch der Exporte in die USA ist außergewöhnlich stark und unterstreicht, wie verwundbar die exportorientierte Industrie gegenüber globalen Konjunktur- und Handelsschocks ist. Umso wichtiger sind Investitionen in Innovationskraft, technologische Differenzierung und neue Absatzmärkte“, so Preiss.
Innovation hilft in der Krise
Während energie- und kostenintensive Industrien weiter unter Margendruck stehen, profitieren technologie- und innovationsgetriebene Branchen von strukturellen Zukunftstrends. Chemie/Pharma sowie Elektrotechnik/Elektronik profitieren insbesondere von der Nachfrage nach nachhaltigen Materialien, Digitalisierung und Energieeffizienzlösungen, so EY.
Dagegen seien „klassische“ Industrien wie Automobil, Papier/Pappe oder Metallerzeugung weiterhin mit Nachfrageschwäche, hohen Kosten und strukturellem Anpassungsbedarf konfrontiert.
Nicht locker lassen
„Die kommenden Quartale werden entscheidend sein“, heißt es beim Ausblick kämpferisch: „Gelingt es, Investitionen in Zukunftstechnologien, Qualifizierung und nachhaltige Produktionsmodelle zu mobilisieren, kann die Industrie gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Bleiben diese Impulse aus, droht eine weitere Erosion der Wettbewerbsfähigkeit“, so Preiss.
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