Studie. Im Jahr 2025 hat sich in Europa das Transaktionsvolumen bei Wachstumsunternehmen mehr als verdoppelt. Insbesondere die Kaufpreise für KI-Startups stiegen deutlich.
Die Wirtschaftskanzlei Freshfields hat die Entwicklung von Akquisitionen und Übernahmen von Wachstumsunternehmen in Deutschland und Europa ausgewertet – mit besonderem Fokus auf den Bereich KI. Grundlage der Auswertung sind laut Aussendung Zahlen des Finanzdatenanbieters Pitchbook.
Die Ergebnisse:
- Europaweit hat sich 2025 das Transaktionsvolumen im Bereich der Wachstumsunternehmen mehr als verdoppelt. Für Startups wurden 2024 Kaufpreise in Höhe von rund 47 Milliarden US-Dollar gemeldet, 2025 waren es rund 102 Mrd. US-Dollar. Insbesondere die Kaufpreise für KI-Startups stiegen in Europa von rund 6 Mrd. US-Dollar auf 15 Mrd. US-Dollar.
- Gemessen an der Zahl der Deals gehört Deutschland neben Großbritannien und Frankreich zu den Top 3 Zielländern für Startup-Transaktionen in Europa. Dies gilt auch speziell bei KI-Transaktionen.
- Die Transaktionswerte zeigen bei Wachstumsunternehmen auch in Deutschland steil nach oben. Wurden 2022 noch 3,8 Mrd. US-Dollar investiert, waren es 2025 schon 11,2 Mrd. US-Dollar. Im Bereich KI stiegen die veröffentlichten Kaufpreise in Deutschland in dieser Zeit von 300 Millionen US-Dollar auf 1,6 Milliarden US-Dollar, dabei wird bei einer Vielzahl von Transaktionen der Wert nicht veröffentlicht.
- Die Anzahl der gemeldeten Transaktionen für Wachstumsunternehmen insgesamt stieg 2025 in Deutschland auf 423 (von 261 in 2022).
„Die Zahlen zeigen, dass auch in einem volatilen Marktumfeld der Tech-Sektor, und insbesondere Wachstumsunternehmen, eine hohe Transaktionsdynamik aufweisen“, so Laura Frühauf, Counsel für Tech M&A bei Freshfields. Sie erwartet, dass sich die Entwicklung auch im neuen Jahr fortsetzt.
US-Investoren kaufen in Europa
„Ein Treiber dieser Entwicklung sind US-Unternehmen und Investoren, die sich gezielt auf dem europäischen Markt verstärken. Gleichzeitig nutzen Industrieunternehmen Zukäufe, um sich insbesondere im Bereich KI strategisch weiterzuentwickeln. Und auch auf der Erwerberseite sehen wir immer häufiger Wachstumsunternehmen, die durch Akquisitionen schnelles, inorganisches Wachstum oder Konsolidierung in ihrem Markt erzielen wollen“, so Frühauf.
„Die Entwicklung zeigt auch ein konstant hohes Interesse an deutschen und europäischen Technologieunternehmen, und dass diese auch wieder höhere Bewertungen erzielen können“, so Lars Meyer, Global Co-Head of Tech, Media and Telecoms bei Freshfields: „Das deckt sich mit dem Eindruck aus unserer Praxis, dass weiterhin im Bereich KI, aber auch in anderen Bereichen wie DefenseTech, FinTech, Enterprise Software oder digitale Infrastruktur großes Investoren- und Käuferinteresse besteht. Erfolgreiche Exits wiederum sind ein wichtiges Signal für Gründer und Investoren, dass es sich weiterhin lohnt, in Europa zu gründen und zu investieren.“
„Wir sind optimistisch, dass die M&A-Aktivität im Tech-Bereich insgesamt – wie auch in anderen Industrien – im neuen Jahr weiterhin hoch bleibt. Daneben bleibt abzuwarten, ob geopolitische Volatilität oder Policy-Entscheidungen in den großen Volkswirtschaften für neue Herausforderungen und damit Zurückhaltung im Transaktionsmarkt sorgen werden“, so Philipp Pütz, Partner M&A bei Freshfields, mit Blick auf das Jahr 2026.
IPOs als Option für den Exit
Der Exit über einen Verkauf ist aber nicht die einzige Option, die Gründer haben: „Der IPO-Markt zieht wieder an“, so Daniel von Bülow, Partner für Kapitalmarktrecht bei Freshfields: „Unternehmen und Inhaber beschäftigen sich mit dem Börsengang als strategische Option – und zwar nicht nur als Alternative zu einem M&A-Verkauf. Ein Blick auf IPOs und Listings im Jahr 2025 macht Hoffnung. Aber der Markt bleibt anspruchsvoll: Investoren legen besonderen Wert auf Profitabilität, robuste Geschäftsmodelle und überzeugende Wachstumsstrategien. Außerdem bleibt abzuwarten, ob sich die Diskussionen um eine KI-Blase kurzfristig auswirken.“
Für junge Unternehmen könne ein IPO herausfordernd sein, wenn sie keinen klaren Weg zur Profitabilität aufzeigen könnten: „Diese Unternehmen sollten sich noch auf private Investorenrunden fokussieren, um ihr Wachstum zu beschleunigen. Sobald das geschafft ist, steht der Weg an die Börse grundsätzlich offen. Einige Wachstumsunternehmen bereiten sich daher schon jetzt bewusst langfristig auf einen IPO vor. Diese Option gilt auch für substanzstarke KI-Unternehmen, da sich Qualität gegenüber kurzfristigen Hypes durchsetzen kannn“, so der Freshfields Partner.
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