Marktstudie. Österreichische Nachhaltigkeitsfonds mussten zuletzt Mittelabflüsse hinnehmen, Fälle von Greenwashing gibt es laut FMA aber nicht. Heikel ist die Frage der Rüstungs-Investments.
Am österreichischen Markt von Publikumsfonds sind Anlagestrategien, die auf ökologische, soziale oder Wohlverhaltens-Kriterien (ESG) abstellen, weiterhin ein großer Faktor, so eine Aussendung der Finanzmarktaufsicht FMA. Wenn mit solchen Kriterien geworben wird, dann werden sie auch eingehalten – das sogenannte „Greenwashing“ wurde bei heimischen Investmentfonds bislang nicht festgestellt. Das zeigt demnach eine jetzt durchgeführte Marktstudie der FMA zu nachhaltigkeitsbezogenen Publikumsfonds.
Viele sind teilweise nachhaltig ohne es zu sagen
Die Analyse zeigt:
- Zum Stichtag 30.09.2025 berücksichtigen 493 österreichische Publikumsfonds nachhaltigkeits- bzw. ESG-bezogene Merkmale in der Veranlagung – das entspricht einem Fondsvermögen von €76,0 Milliarden und einem Marktanteil von 61% am gesamten in Publikumsfonds verwalteten Vermögen.
- Von diesen weisen 169 Fonds mit einem Vermögen von €34,9 Milliarden explizit nachhaltigkeitsbezogene Begriffe im Fondsnamen auf (was die Aufsicht zu verstärktem Hinsehen bewegt, Anm.d.Red.).
Abflüsse nach starkem Wachstum
Nach markantem Wachstum in den vergangenen Jahren habe sich der Anteil nachhaltiger Fonds auf hohem Niveau stabilisiert. Ein wesentlicher Treiber waren in den vergangenen Jahren starke Nettomittelzuflüsse. Dieser Schwung hat sich im Jahr 2025 jedoch deutlich abgeschwächt, so die FMA: Während bis ins Jahr 2023 und erneut ab 2024 deutliche Zuflüsse zu verzeichnen waren, kam es im dritten Quartal 2025 zu leichten Nettomittelabflüssen in diesem Segment.
Dies deutet in den Augen der FMA aber nicht auf eine Abkehr von der Investmentklasse hin, sondern auf eine Phase der Stabilisierung nach Jahren dynamischen Wachstums.
Greenwashing im Fokus der Aufsicht
Mit dem Erfolg nachhaltiger Fonds geriet die Gefahr von „Greenwashing“ verstärkt in den Fokus der Aufsicht: Dieser Begriff bezeichnet die Praxis, Produkte wie Fonds nachhaltiger darzustellen, als sie es tatsächlich sind – etwa durch Verwendung ökologisch klingender Begriffe, die das wahre Nachhaltigkeitsprofil nicht klar oder angemessen widerspiegeln.
Die FMA setze gezielte Aufsichtstätigkeiten zur Überprüfung der Offenlegungen und der Einhaltung der offengelegten Anlagestrategie ein. Ein eigens entwickeltes Greenwashing-Analyseframework, das auch Methoden der automatisierten Textanalyse und Künstlicher Intelligenz nutzt, helfe der FMA dabei, potenzielle Fälle frühzeitig zu erkennen und zu adressieren.
Die Studie zeige: Je nachhaltiger ein Fonds deklariert und beschrieben ist, desto nachhaltiger sind tatsächlich auch die Investments. Besonders Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen (UZ49) haben strenge Nachhaltigkeitsstandards zu erfüllen.
Die heikle Frage der Waffen im Fonds
Gerade was das Umweltzeichen betrifft, tut sich allerdings eine Diskrepanz zwischen österreichischen und EU-Gepflogenheiten auf: Bekanntlich hat Europa sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine der Aufrüstung verschrieben. Milliardenbeträge fließen seither in die boomende Rüstungsbranche – und das weckt naturgemäß das Interesse der Investoren an Rüstungsaktien.
Die Europäische Kommission hat zu diesem Thema bereits festgestellt, dass kein grundsätzlicher Widerspruch zwischen dem EU-Nachhaltigkeitsrahmen und Investitionen in Waffen und Rüstung bestehen. Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen dürfen allerdings grundsätzlich nicht in diesen Bereichen investieren, weist die FMA hin.
Die Analyse zeige nun, dass nachhaltigkeitsorientierte Fonds am österreichischen Markt insgesamt ein sehr geringes Exposure zu den Geschäftsbereichen Waffen und Rüstung aufweisen, so die FMA. Investments nachhaltiger Fonds in die Bereiche Waffen und Rüstung in Österreich seien in der Praxis derzeit kein Thema. Und je nachhaltiger ein Fonds deklariert sei, desto geringer sei auch das investierte Exposure in diesen Bereichen.
Eins fehlt noch: Der Newsletter von Extrajournal.Net
Einfach E-Mail eintragen und die weitere Entwicklung verfolgen.