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Kaffee ersetzt schädliches Kontrastmittel bei der Elektronenmikroskopie

TU Graz ©Markus Kaiser

Forschung. Gewöhnlicher Espresso könnte künftig bei der Untersuchung biologischer Proben als Kontrastmittel eingesetzt werden, hat die TU Graz entdeckt.

Damit die Gewebestrukturen von biologischen Proben unter dem Elektronenmikroskop gut erkennbar sind, werden sie mit einem Kontrastmittel behandelt. Das Standardmittel hierfür ist Uranylacetat.

Diesen giftigen und radioaktiven Stoff dürfen jedoch einige Labore aus Sicherheitsgründen nicht verwenden. Ein Forschungsteam am Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik der TU Graz hat nun laut einer Aussendung eine umweltfreundliche Alternative gefunden: gewöhnlichen Espresso.

Bilder der damit behandelten Proben sollen demnach eine ebenso gute Qualität haben wie Aufnahmen von Vergleichsproben, bei denen Uranylacetat zum Einsatz kam. Diese Erkenntnisse haben die Forschenden im Fachmagazin Methods veröffentlicht.

Kaffeeflecken als Inspiration

„Auf die Idee, Espresso als Kontrastmittel zu verwenden, haben mich die kreisrunden eingetrockneten Flecken in vergessenen Kaffeetassen gebracht“, so Claudia Mayrhofer, die am Institut für die Ultramikrotomie zuständig ist: Sie schneidet als Vorbereitung Gewebeproben in hauchdünne Scheiben und fixiert sie auf Probenträgern. Das Kontrastieren erfolgt als letzter Schritt vor der Untersuchung im Elektronenmikroskop. „Erste Versuche haben gezeigt, dass Kaffee biologische Proben anfärbt und für stärkere Kontraste sorgt“, so Mayrhofer.

Wie gut Espresso im direkten Vergleich mit Uranylacetat abschneidet, untersuchte Mayrhofer gemeinsam mit Teamleiterin Ilse Letofsky-Papst und dem Masterstudenten Robert Zandonella. Unter identischen Bedingungen behandelten sie ultradünne Schnitte von Mitochondrien mit verschiedenen Kontrastmitteln und bewerteten die Qualität der Mikroskopaufnahmen mit einer speziellen Bildanalysesoftware. „Espresso hat im Vergleich für sehr gute Kontrastwerte gesorgt, teilweise waren sie sogar besser als beim Uranylacetat“, so Mayrhofer.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kaffee eine ernstzunehmende Alternative zu Uranylacetat ist“, so Letofsky-Papst. Für eine breite Anwendung in der biologischen Elektronenmikroskopie seien jedoch noch weitere Untersuchungen an unterschiedlichen Gewebearten erforderlich, so die Forscher.

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