Österreich. Die Steuerberater-Kammer KSW hofft auf die Rückkehr des Optimismus. Beim Sparen müssen auch föderale Strukturen überdacht werden, fordert sie.
Mit einem Bekenntnis zu Digitalisierung, Entbürokratisierung und unternehmerischem Optimismus eröffnete KSW-Präsident Philipp Rath den Neujahrsempfang der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW), so eine Aussendung.
Die Veranstaltung fand im MAK –Museum für angewandte Kunst – statt und wurde von Impressionen der aktuellen Ausstellung von Helmut Lang begleitet. Ehrengast und Diskussionspartner war der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Peter McDonald. Die Mitglieder der KSW sind die mehr als 8.800 Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen sowíe knapp 4.500 Berufsanwärter:innen in Österreich.
Lohnverrechnung, Offenlegung, Startups
„2026 ist ein neues Jahr mit neuen Vorsätzen. Mein zentrales Anliegen ist es, Entbürokratisierung und Digitalisierung konsequent weiter voranzubringen – in der Kammer, in den Kanzleien und in der Verwaltung“, so KSW-Präsident Philipp Rath in seiner Eröffnungsrede. „Wir haben uns viel vorgenommen und wollen diesen Weg gemeinsam mit möglichst vielen Partner:innen gehen.“
Trotz globaler Unsicherheiten plädierte Rath für Optimismus. „Wir brauchen wieder einen guten Blick auf die Dinge.“ Besonders wichtig sei ihm die Förderung junger Unternehmen: „Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Startup-Szene und das gesamte Unternehmertum in Österreich wieder zu stärken.“ Auch bei den Themen „Lohnverrechnung“ und „Offenlegungspflicht“ wolle die Kammer „Schwung in die Gesetzgebung und Verwaltung reinbringen“.
Brückenschlag zwischen Gesetzgebung und Praxis
Die Kammer verstehe sich bewusst als aktive Mitgestalterin wirtschafts- und steuerpolitischer Reformen. „Wir sind Ideensammler und Impulsgeber. Unser Ziel ist es, einen Brückenschlag zwischen Gesetzgebung und Praxis sowie zwischen Verwaltung und Unternehmen zu schaffen“, erklärte Rath. Erste Vorschläge zur Entbürokratisierung seien seitens der Kammer bereits eingebracht worden, weitere würden folgen.
Im Anschluss an die Begrüßung folgte ein von Ina Sabitzer moderierter Talk mit Peter McDonald, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), und KSW-Präsident Rath. McDonald schilderte die angespannte Lage des Gesundheitssystems. Als zentrale Herausforderungen nannte er die Überalterung der Gesellschaft, den prognostizierten Arbeitskräftemangel, steigende Teilzeitquoten sowie eine Anspruchshaltung, dass Leistungen zunehmend unabhängig von medizinischer Notwendigkeit oder Kosten eingefordert werden.
Neue Tools für die Verwaltung
McDonald sprach sich für eine Verfassungsreform auf Bundesebene aus. „Wir müssen effizienter werden – mit KI und Digitalisierung. Eigentlich hätten wir schon vor zehn Jahren handeln müssen. Aber wenn die erstbeste Lösung nicht funktioniert, dann bin ich klar für die zweitbeste und die heißt jetzt“, so McDonald. Beide Gesprächspartner betonten die Bedeutung einer institutionenübergreifenden Zusammenarbeit, heißt es weiter. Aufbauend auf dem Erfolg der E-Card sollen weitere digitale Prozesse wie elektronische Überweisungen und Terminservices folgen, so McDonald.
KSW-Präsident Rath nannte zentrale Herausforderungen für Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen. Kritisch äußerte er sich zum hohen Prüfungsdruck infolge des Betrugsbekämpfungsgesetzes. Prüfungen müssten effizient und verhältnismäßig sein: Wenn sich abzeichne, dass keine relevanten Ergebnisse zu erwarten seien, müsse eine Prüfung auch beendet werden.
Als strukturelles Problem bezeichnete Rath zudem die Komplexität der Lohnverrechnung. Mit mehr als 800 Kollektivverträgen sei diese in Österreich eine enorme Herausforderung. „Eine Zusammenführung auf etwa 100 Kollektivverträge wäre dringend nötig“, so Rath.
„Wir sind bewusst als Bundeskammer organisiert“
Auch bei den Abgaben sprach sich Rath für Vereinfachungen aus. Hier brauche es praktikable, rechtssichere Lösungen. Als Beispiel führte Rath die Dienstgeberabgabe in Wien an, die hohen Verwaltungsaufwand bei geringem Nutzen verursache.
Kritisch reflektierte Philipp Rath zudem die föderalen Strukturen. Unterschiedliche Regelungen auf Landesebene seien in vielen Bereichen schwer nachvollziehbar. Die KSW sei bewusst als Bundeskammer organisiert, was sich positiv auswirke. Gerade bei zentralen Reformfragen brauche es ein Denken über Ländergrenzen hinweg.
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