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Österreichische Rechts-KI von Codara startet mit Justiz als Testuser

Bernhard Landrichter ©Codara

Startups & KI. Das österreichische LLM-Modell von Codara geht in Testbetrieb, das Justizministerium macht mit: Codara-Gründer Bernhard Landrichter über Austro-KI für Rechtsprofis.

Das österreichische Legal Tech-Startup Codara ist vielen Usern eher als Gesetzefinden.at bekannt, denn das Unternehmen setzt auf zwei Marken: Während Codara das B2B-Geschäft abdeckt, ist Gesetzefinden.at sozusagen der Einstieg im Consumerbereich. „Christian Kaindl und ich haben 2023 die Rechtsplattform Gesetzefinden.at gegründet, um den Zugang zu Gesetzestexten für die Allgemeinheit einfacher zu machen. Schließlich ist es nicht einfach, mit Rechtsdatenbanken wie dem RIS umzugehen“, sagt Bernhard Landrichter zu Extrajournal.Net: Mit monatlich durchschnittlich 30.000 Besuchen sei dies entsprechend gelungen. „Wir stellen GesetzeFinden.at gratis zur Verfügung, verdienen damit also keinen einzigen Euro. Aber Cerha Hempel und die Rechtsabteilungen mehrerer großer Unternehmen wurden dadurch auf uns aufmerksam.“

Das Resultat waren Aufträge zur Entwicklung von KI-Anwendungen für den Rechtsbereich, Wirtschaftskanzlei Cerha Hempel ist seitdem Kooperationspartner. Diese KI-gestützte Software für Legal Compliance werde seit 2025 unter der Marke Codara angeboten. „Unser B2C-Angebot läuft weiterhin unter GesetzeFinden.at, alle B2B-Angebote hingegen unter Codara“, so Landrichter.

Neue Jurisdiktionen locken

Aktuell sind die Tools auf österreichisches Recht und EU-Recht spezialisiert, die Codara-Gründer möchten aber weitere Jurisdiktionen wie Deutschland erschließen. Kernstück sei dabei die Entwicklung eines auf österreichisches Recht spezialisierten KI-Modells. Landrichter: „Grundsätzlich funktioniert es ja so: KI-Modelle liefern die zugrundeliegende Technologie, konkrete Tools bauen darauf auf. Doch die am Markt verwendeten KI-Modelle waren damals alle nicht für den Rechtsbereich angepasst und meist noch dazu stark US-geprägt. Wir haben uns also gesagt: Wir nehmen ein gutes Open Source-Modell und trainieren es speziell für den österreichischen Rechtsbereich.“

Dazu wurde wie berichtet 2024 gemeinsam mit Cerha Hempel und weiteren Projektpartnern ein FFG-gefördertes Projekt zur Entwicklung des ersten österreichischen Legal Large Language Models (LLM) gestartet. „Wir haben Vergleiche angestellt, das Abschneiden in Benchmarks untersucht und stießen schließlich auf ein Open Source-Modell von Google, das wir seitdem entsprechend trainiert haben“, so Landrichter.

Das Justizministerium als KI-Testuser

Nun sind die Entwickler laut den Angaben am Ziel: Bei KI-Modellen ist zwischen Pre-Training eines KI-Modells und Fine-Tuning für einen spezifischen Einsatzzweck zu unterscheiden. „Die Pre-Training-Phase haben wir bereits abgeschlossen, kürzlich hat die Finetuning-Phase gestartet“, so Landrichter. Man starte jetzt mit den ersten Use Cases, wobei das Justizministerium (BMJ) zu den Testusern gehört. Das Ziel sei, den Umgang mit umfassenden Schriftsätzen zu erleichtern.

Diese Testphase werde voraussichtlich im Sommer abgeschlossen sein, so der Codara-Gründer: „Wir möchten ein Modell umsetzen, das rechtliche Themen möglichst präzise versteht und zugleich auf österreichischen Servern läuft, statt bei einem globalen Hyperscaler. Man darf nicht vergessen, was einer der wichtigsten Use Cases ist: Kanzleien und Rechtsabteilungen haben einen großen Datenbestand, den sie derzeit aus Datenschutzgründen oft nicht erschließen können.“

Digitale Souveränität als USP

Für die Kunden positioniert sich das Austro-Startup als „DSGVO-konformer, österreichischer Partner“, wobei die KI-Tools bei Bedarf direkt am Server des Kunden installiert werden können, wie es heißt. Auch richte richte sich die Software in erster Linie an Rechtsabteilungen. „Das unterscheidet uns von vielen anderen Legal Tech-Anbietern, die vorrangig Produkte für Rechtsanwaltskanzleien entwickeln. Wir bedienen also eine Zielgruppe, die oft übersehen wird“, so Landrichter.

Der Fokus liege genau genommen auf Legal Compliance. Die manuelle Beobachtung von Rechtsänderungen sei aufwändig, die Dokumentation fragmentiert und fehleranfällig – eine wichtige Aufgabe, für die es in Rechtsabteilungen aber oft eher wenig Freiwillige gibt. „Daher begeistert mich das Entlastungspotenzial, das KI für Inhouse Counsels und das Compliance-Management schafft. Komplexe Routinetätigkeiten lassen sich dadurch konsequent, skalierbar und rechtssicher automatisieren. Das treibt uns an. Deshalb haben wir noch viele Produkte in der Pipeline.“

Und diese Produkte sollen nicht nur österreichische Rechtsprofis beglücken: Der Start in Deutschland stehe bevor – konkret sobald die entsprechende Datenbasis vorhanden sind. „Unsere B2B-Produkte für deutsche Unternehmen werden sowohl deutsches Bundesrecht als auch EU-Recht enthalten. Wir planen diese Erweiterung bis Ende des ersten Quartals“, sagt Landrichter.

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