Wirtschaft & Industrie. Der Produktivitätsrat unter Christoph Badelt gibt in seinem neuen Bericht 10 Empfehlungen für den Standort Österreich ab.
Neu sind die Überlegungen teilweise nicht, dafür haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren – eher im Gegenteil: Der Produktivitätsrat habe in seinen Berichten aus den Jahren 2023 und 2024 bereits Empfehlungen formuliert, die größtenteils weiterhin Gültigkeit haben, heißt es im nunmehrigen Produktivitätsbericht für das Jahr 2025, wie die Parlamentskorrespondenz berichtet.
Auf 200 Seiten den Wirtschaftsstandort Österreich analysiert
Zehn neue Empfehlungen werden in der fast 200 Seiten umfassenden Vorlage im Sinne eines Strukturwandels als Chance für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung ausgesprochen. Damit skizziere der Produktivitätsrat Leitlinien für eine zukunftsorientierte Standortpolitik und empfehle notwendige Reformen in zentralen wirtschaftspolitischen Handlungsfeldern.
Der Produktivitätsrat ist ein unabhängiges Gremium, das sich aus fünf weisungsfreien Ökonomen und ihren jeweiligen Vertreterinnen bzw. Vertretern zusammensetzt. Der Vorsitzende des Produktivitätsrates ist als Mahner öffentlich schon lange bekannt, nämlich Christoph Badelt, ehemaliger Rektor der WU Wien und Präsident des Fiskalrats.
Im Vorwort erörtert Badelt, dass trotz erster Signale der Erholung die wirtschaftliche Lage in Österreich herausfordernd bleibe. Die Politik sei gefordert, durch klare und nachvollziehbare wirtschaftspolitische Ziele sowie mit Reform- und Gestaltungswillen die Potenziale zu heben.
Ringen um Wettbewerbsfähigkeit und Industriestandort
Ausführlich widmet sich der Produktivitätsbericht dem Monitoring der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit in den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Umwelt. In über 80 Indikatoren werden Stärken und Schwächen Österreichs aufgezeigt. Die Analysebereiche reichen von der Wirtschaftsleistung, der Investitionstätigkeit und den Produktionskosten über die Unternehmensfinanzierung, den Wettbewerb und Außenhandel bis hin zu Qualifikation, Innovation, Digitalisierung und öffentlichen Institutionen.
In den Fokus gerückt werden außerdem die Herausforderungen des Industriestandorts. Demnach deuten die Analysen auf eine Beschleunigung des Strukturwandels hin. Badelt zufolge verlagern sich Wertschöpfung und Beschäftigung von der Sachgüterproduktion hin zu wissensintensiven Dienstleistungen und technologiegetriebenen Tätigkeiten. Eine ungünstige Kostendynamik und zunehmende internationale Konkurrenz verstärken demnach den Wandel zusätzlich.
Neue Technologien fördern und Arbeitskräfteangebot stärken
Der Produktivitätsrat empfiehlt unter anderem eine Neuausrichtung der Forschungs- und Technologiepolitik (FTI) durch zukunftsorientierte Schwerpunktsetzungen und durchgängige Förderansätze. Die Bundesregierung sollte demnach die Innovationsförderung gezielt auf Stärkefelder und Schlüsseltechnologien mit hohem Standortpotenzial ausrichten und die Marktdurchdringung innovativer Lösungen sowie die betriebliche Anwendung neuer Technologien fördern.
Älterwerden als Herausforderung für den Standort
Zudem bedürfe es im Hinblick auf den technologischen und demografischen Wandel dringend einer umfassenden Strategie zur Stärkung des Arbeitskräfteangebots – Stichwort Fachkräftestrategie – in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Dazu sollten laut Empfehlung bestehende Instrumente der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik für unterschiedliche Altersgruppen integriert, aufeinander abgestimmt und bei Bedarf ausgebaut werden.
Geht es nach dem Produktivitätsrat, sollte die Bundesregierung darüber hinaus die bestehenden Unterstützungsmaßnahmen des AMS für den Zugang zur Lehrausbildung gezielt ausweiten und ergänzende Initiativen ergreifen, um die Attraktivität von Lehrberufen nachhaltig zu steigern. Auf den regionalen und fachlichen Bedarf gemeinsam mit dem AMS abstimmen sollte die Bundesregierung demnach Qualifizierungsmaßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Neben der unmittelbaren Vermittlung sollten Qualifizierung und Erreichung dauerhaft höherer Löhne in der Zielorientierung aufgewertet werden, so die Empfehlung.
Empfehlung zu Gesamtsystemplanung der Energiewende
Zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien lautet eine der Empfehlungen, eine integrierte Gesamtsystemplanung der Energiewende unter Einbeziehung aller Gebietskörperschaften über das Jahr 2040 hinaus zu erstellen. Der Ausbau erneuerbarer Gase und von Wasserstoff sollte weiter beschleunigt und prioritär auf die Nutzung in industriellen Prozessen ausgelegt werden.
Strukturelle Maßnahmen brauche es, um die Energiekosten der Industrie zu senken und die Preispfade zu stabilisieren. Zur Energiemarktintegration und klimapolitischen Koordination in der EU sollte die Bundesregierung auf europäischer Ebene auf einen Ausbau der europäischen Übertragungsnetze und die Stärkung der Interkonnektivität drängen, so die Empfehlung.
Der Produktivitätsrat spricht sich außerdem dafür aus, die verstärkte Integration und Nutzung des EU-Binnenmarkts sowie zusätzliche Handelsabkommen mit Drittstaaten voranzutreiben. Außerdem brauche es eine Evaluierung und Weiterentwicklung des EU-Instrumentariums zur Bekämpfung wettbewerbsverzerrender Praktiken im internationalen Handel.
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