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Lehrgang „Ruhestands­planer“: Finanz­berater & Anwälte als Pensions­retter

©Caro Strasnik

Altersvorsorge & Pensionslücke. IDD Akademie und Austrian Standards starten den Lehrgang zum „zertifizierten Ruhestandsplaner“. Zielgruppe sind Finanz- und Steuerberater, Anwälte, Notare & Co.

Die IDD Akademie hat den Lehrgang entwickelt, zertifiziert werden die Absolvent:innen von Austrian Standards: Initiator Rudolf Mittendorfer, Gesellschafter der IDD Akademie, sieht mit dem neuen Fortbildungsangebot ein dringendes Bedürfnis des Marktes erfüllt. „Die Politik nimmt die dramatische Entwicklung bei der Altersvorsorge nicht zu Kenntnis“, so Mittendorfer. Die Österreicher:innen müssen daher für den eigenen Ruhestand vorplanen – und die neuen zertifizierten Ruhestandsplaner sollen, wie der Name schon sagt, ihnen dabei behilflich sein.

Zwei-Säulen-Modell, Demographie und Finanzmärkte

Die Politik ignoriere die immer kritischer werdende Finanzierungssituation bei den Pensionen – und daher sei sich die Bevölkerung der Probleme nicht bewusst, die durch das Älterwerden der Gesellschaft drohen, von der Altersvorsorge über die Pflege bis zur medizinischen Betreuung, hieß es bei der Vorstellung des neuen Lehrgangs durch Mittendorfer und IDD Akademie-Gesellschafter Christian Schäfer.

Was etwa die Niederlande seit langem betreiben, nämlich die Stärkung der privaten Vorsorge als zusätzlichem Standbein neben der staatlichen, werde in Österreich bis heute vernachlässigt. „Wer sagt, dass Österreich das beste Pensionssystem der Welt hat, der kennt keine anderen – und unseres auch nicht“, meint Mittendorfer.

Die künftigen zertifizierten Ruhestandsplaner sollen nach seiner Darstellung allerdings nicht staatliche und private Vorsorge gegeneinander ausspielen, sondern ihren Klienten dabei helfen, sich angesichts dieser Probleme zurecht zu finden und für den eigenen Ruhestand ausreichend vorzusorgen. Derzeit stehe es in Österreich mit der Investmentstrategie der breiten Bevölkerung jedenfalls nicht zum besten: Rund 300 Milliarden Euro liegen auf kaum verzinsten Sparkonten, womit sich das Land angesichts der hohen Inflation der letzten Jahre buchstäblich arm spare.

Was zertifizierte Ruhestandsplaner lernen müssen

Das zweisemestrige Ausbildungsprogramm startet erstmals im Herbst 2026. Thema in den insgesamt 200 Unterrichtsstunden sei die umfassende Vorsorge für das Alter, wobei es neben der finanziellen Vorsorge auch um gesundheitliche, rechtliche und steuerliche Fragestellungen gehen soll. Ausbildungsort und Zertifizierungsstelle ist Austrian Standards im 2. Wiener Bezirk (in Präsenzunterricht), die Kursgebühr beträgt 5.800 Euro zzgl. USt.

Für zahlreiche Berufe soll der neue Kurs eine Fortbildung sein: Finanzberater, Versicherungsvermittler, Notare, Anwälte, Steuerberater, Immobilienmakler u.a. sollen sich zum zertifizierten Ruhestandsplaner fortbilden und ihren Kunden so einschlägige Beratung anbieten können, verspricht die IDD Akademie.

In einigen Ländern gibt es zertifizierte Ruhestandsplaner bereits: In Deutschland bietet etwa BDRD eine entsprechende Zertifizierung an, in den USA gibt es Retirement Income Certified Professional (RICP) und Chartered Retirement Planning Counselor (CRPC) u.a. Nun soll diese Rolle also auch in Österreich Verbreitung finden.

Ein eigenes Gewerbe wird damit nicht geschaffen, es gehe lediglich um eine Zusatzqualifikation, wird betont. Doch sollen die Teilnehmenden die Kenntnisse in der Beratung im Rahmen ihrer Berufsausübung nützen können – etwa wenn ein Notar seine Klienten im Rahmen der Testamentserstellung auch zur Altersvorsorge berate oder wenn ein Steuerberater beim Jahresabschluss bzw. der Einkommensteuererklärung über (steuergünstige) Vorsorge-Instrumente informiert.

Netzwerk und Rezertifizierung

Laut IDD Akademie-Gesellschafter Schäfer ist der erste Lehrgang mit rund 30 Teilnehmern bereits ausgebucht, die Teilnehmenden kommen demnach aus verschiedenen Berufen. Kurs-Erfinder Mittendorfer, ein langjähriger Versicherungsmakler und Repräsentant seiner Branche in der Wirtschaftskammer, erhofft sich in Zukunft auch die Entstehung eines interdisziplinären Netzwerks zum Thema Altersvorsorge.

Dass die Teilnehmenden mit ihrer Ausbildungsstätte in Kontakt bleiben, ist sozusagen Teil des Konzepts. Dafür wird allein schon die Rezertifizierung sorgen: Wie bei vielen anderen Qualifikationen ist das Zertifikat zeitlich beschränkt. Nach drei Jahren muss es erneuert werden, wofür eine 24-stündige Fortbildung nötig ist.

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