Schweizer Gründer-Rekord. Im Jahr 2025 wurden 46 neue Unternehmen von und mit Personal der ETH Zürich gegründet: Sie bekamen doppelt so viel Gründungskapital wie alle österreichischen Start-ups zusammen.
Die bekannteste Schweizer Technik-Uni, die ETH Zürich, hat im vergangenen Jahr insgesamt 46 Unternehmen „anerkannt“, heißt es in einer Aussendung: Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es 37 und 2023 insgesamt 43 Stück. Die Ausgründungen fallen in verschiedene Kategorien, seien durch eine Neuordnung allerdings nicht direkt vergleichbar (verglichen mit österreichischen Verhältnissen aber jedenfalls beachtlich, Anm.d.Red.).
Ein neuer, äußerer Kreis von Gründungen
Konkret hat die ETH Zürich 2025 neue Regelungen für die Ausgründung von Unternehmen in Kraft gesetzt. Neben dem bereits bekannten „ETH-Spin-off“-Label für Unternehmen, deren Geschäftsidee auf Forschungsergebnissen der ETH Zürich basiert, werde seit 2025 auch das „ETH-Start-up“-Label vergeben: Es ist für Unternehmen gedacht, die einen ETH-Bezug haben und von ETH-Angehörigen gegründet wurden, jedoch ohne Forschungsergebnisse der ETH auskommen.
Im Jahr 2025 erhielten 22 Unternehmen dieses Label, wobei einige davon bereits in früheren Jahren gegründet wurden und nun nachträglich anerkannt wurden. „ETH-Start-ups werden besonders oft von Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen gegründet und werden von der ETH Zürich mit diversen Förderprogrammen unterstützt“, so Effy Vayena, Vizepräsidentin Wissenstransfer und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich. 9 der 46 Unternehmen entstanden demnach aus Projekten, die im „Student Project House“ der ETH ihren Ursprung haben.
Wie die ETH Zürich ebenfalls hinweist, lag der Anteil von Start-ups mit einem nicht ausschließlich aus Männern zusammengesetzten Grüdungsteam 2025 bei 33 Prozent. Er hält sich seit dem Jahr 2021 praktisch konstant auf diesem Niveau. Der Anteil rein weiblicher Start-up-Teams lag 2025 bei 9 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie 2021.
Neues Förderprogramm für Start-ups
Ein speziell für ETH-Start-ups entwickeltes Förderprogramm ist „UPortunity“, das von der Schweizer Großbank UBS ermöglicht wird. UPortunity Fellows erhalten dabei ein monatliches Gehalt, ein Projektbudget, Büro- und Laborflächen und werden von erfahrenen Gründer:innen und Expert:innen begleitet. Zu den ersten Start-ups in dem neuen Programm gehört das von einer ETH-Absolventin gegründete Start-up Softletics (Kalligo Medical AG). Das Unternehmen entwickelt einen Prothesenschaft, der sich automatisch an Veränderungen des Gliedmassenvolumens der Prothesenträger:innen im Laufe des Tages anpasst und so Schmerzen und Instabilität vermeide.
KI-Socke als Geschäftsidee
Technologie und Software, insbesondere Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen (KI und ML) waren 2025 mit einem Anteil von 26 Prozent weiterhin der dominierende Industriesektor. So ist Mynerva AG eines der neuen ETH-Spin-offs: Das Unternehmen hat eine Socke mit künstlicher Intelligenz für Menschen mit diabetischer Neuropathie entwickelt. Auf Platz zwei liegen Biotechnologie und Pharmazeutika mit einem Anteil von 15 Prozent, so die ETH Zürich.

Der Zuwachs bei den KI-Unternehmen zeige sich auch in den Risikokapitalinvestitionen in Unternehmen, die an der ETH Zürich gegründet wurden. In 41 im Jahr 2025 offengelegten Finanzierungsrunden, sicherten sich an der ETH gegründete Unternehmen 540 Millionen Schweizer Franken (552 Mio. Euro) – ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 2024 war das frische Geld für die ETH-Start-ups um 25 Prozent angestiegen; im letzten Jahrzehnt hat es sich laut der Uni verzehnfacht.
In 12 der 41 Finanzierungsrunden im Jahr 2025 überstieg das aufgebrachte Kapital laut den Angaben 10 Millionen Franken, wobei Firmen aus den Bereichen KI und Robotik besonders gut abschnitten. Auterion AG, die Software für Drohnen entwickelt, war mit 103 Millionen Franken am erfolgreichsten, gefolgt von Beekeeper AG und DeepJudge AG, die sich rund 34 Millionen bzw. 33 Millionen CHF sicherten.
Der Blick nach Österreich
Zum Vergleich: Der Gesamtwert der Investitionen in alle österreichischen Start-ups lag im Jahr 2025 laut „EY Start-up Barometer“ bei 253 Millionen Euro, ein Rückgang von 25 Prozent (Näheres hier).
Natürlich ist dieser Vergleich nicht repräsentativ für die gesamte Forschungslandschaft der beiden Länder oder das in F&E investierte Kapital: Tatsächlich hat sich die östlichere der beiden Alpenrepubliken im letzten Jahrzehnt in dieser Beziehung gar nicht so schlecht entwickelt. Aber es ist wohl tatsächlich so dass das institutionalisierte System der privaten Gründerförderung per „Start-up“ in Österreich derzeit spezifische, wirklich gravierende Probleme hat – wie auch EY in seinem Bericht hinweist.
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