Forschung. Die Psychologin Tuulia Ortner von der Uni Salzburg beschäftigt sich in einem aktuellen Forschungsprojekt über Führungsstile und Leadership mit der „Dunklen Triade der Persönlichkeit“.
Der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman definierte Leadership als Fähigkeit, andere Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht aus eigenem Antrieb heraus vollbracht hätten.
„Gute Führung ist ein großes Thema, weil erwiesen ist, dass die Produktivität eines Unternehmens mit der Zufriedenheit der Mitarbeitenden zusammenhängt. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist wichtig. Es ist nicht mehr so wie vor zwanzig Jahren, dass man sagt, wenn es jemandem nicht gefällt, dann nehmen wir eben den nächsten Bewerber, die nächste Bewerberin. Man muss die Personen, die man im Betrieb hat, fair behandeln und motivieren, damit sie gern bleiben“, so die Psychologin Tuulia Ortner von der Uni Salzburg in einer Aussendung.
Der transformationale Führungsstil
„Neuere Metastudien haben gezeigt, dass von allen Führungsstilen der sogenannte ‚transformationale Führungsstil‘ in Puncto Jobzufriedenheit und Performance am besten abschneidet“, so Ortner.
Der transformationale Führungsstil ist eine Führungsweise, die darauf abzielt, Mitarbeitende etwa durch Inspiration, Motivation und eine gemeinsame Vision zu verändern und zu Höchstleistungen zu führen. „Führungskräfte, die diesen Stil anwenden, agieren als Vorbilder, fördern die individuelle Entwicklung ihrer Mitarbeitenden und schaffen eine positive Arbeitsumgebung, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert“, so Ortner.
Die dunkle Seite der Führungskräfte
In letzter Zeit rückt aber die sogenannte „Dunkle Triade der Persönlichkeit“ immer stärker in den Fokus der Führungsforschung. Damit gemeint sind drei negative Persönlichkeitsmerkmale, in Form des Narzissmus („ich habe Besseres verdient als andere“), des Machiavellismus („andere sind mir Mittel zum Zweck“) und der subklinischen Psychopathie (ohne Angst, Reue und Mitgefühl).
„Personen mit starken Tendenzen zur dunklen Triade gelangen leichter in Führungsposition, weil ihre manipulativen Strategien und ihre charismatische Ausstrahlung ihnen helfen, ihr Talent gut zu verkaufen“, so Ortner. Schätzungen zufolge hat ungefähr jede zehnte Führungskraft einen hohen Einschlag der dunklen Triade.
„Auch wenn solche Personen einem Unternehmen beispielsweise in der Repräsentation nach außen nützen können, schaden die unethischen Taktiken. Interne Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen sind vorprogrammiert, was in der Regel mittelfristig zu Unzufriedenheit und Performanceeinbußen führt“, so die Psychologin.
Weibliche Führungskräfte haben es schwerer
In eine Führungsposition zu gelangen und dort zu bestehen ist laut Ortner übrigens für Frauen schwerer als für Männer: „Frauen müssen ganz verschiedene, sich widersprechende Erwartungen erfüllen: Einerseits warmherzig, zugänglich und freundlich wirken, also feminin. Andererseits selbstbewusst und durchsetzungsstark auftreten, also die Erwartungen an eine Führungsperson erfüllen“, so Ortner.
Schon kleine Abweichungen werden negativ ausgelegt – zu kühl wirkt unsympathisch, zu freundlich gilt als inkompetent. „Prominent zeigte sich das etwa bei Hillary Clinton, die im Wahlkampf wahlweise als gefühlskalt oder als hysterisch kritisiert wurde“, so die Psychologin.
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