Österreich. Die anhaltende Finanzierungsschwäche im österreichischen Start-up-Ökosystem trifft Gründerinnen viel härter, so EY.
Die anhaltende Finanzierungsschwäche im österreichischen Start-up-Ökosystem trifft Gründer:innen nicht gleichmäßig. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Verteilung von Risikokapital nach Teamzusammensetzung. Die bereits bestehenden Ungleichgewichte im Zugang zu Wachstumskapital haben sich 2025 weiter verschärft – zulasten von Gründerinnen und gemischten Teams.
Das zeige der „Female Start-up Funding Index 2025“, den EY Österreich, Female Founders und Fund F gemeinsam erstellt haben. Die Analyse berücksichtigt laut den Angaben Start-ups mit Sitz in Österreich, die im Zeitraum Jänner bis Dezember 2025 eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen haben.
„Die aktuelle Finanzierungskrise wirkt nicht neutral. Wenn Kapital knapper wird, verstärken sich bestehende Strukturen – und Gründerinnen geraten besonders unter Druck. Das ist kein Randthema, sondern ein strukturelles Risiko für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Kapital konzentriert sich massiv auf rein männliche Teams
Die Detailauswertung zeige eine extreme Konzentration des investierten Kapitals auf rein männliche Gründerteams:
- 93 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens im Jahr 2025 entfielen auf Start-ups, die ausschließlich von Männern gegründet wurden.
- Gemischte Teams vereinten lediglich 6,7 Prozent des Kapitals auf sich.
- Rein weiblich gegründete Start-ups erhielten nur rund 0,3 Prozent des gesamten investierten Volumens.
Als Start-up-Standort ist noch Luft nach oben
„Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Es ist 2026, die Welt ist geprägt von einer Krise nach der anderen, und wir schaffen es nicht, die kreativsten und klügsten Köpfe dazu zu motivieren, ein Unternehmen zu gründen und die Probleme unserer Zeit zu lösen“, so Lisa Fassl, Managing Partner bei Fund F: „Die Tatsache, dass es 2025 einen so massiven Finanzierungseinbruch gab, liegt nämlich vor allem daran, dass es schlichtweg zu wenig VC-relevante Unternehmen gibt.“
„Die aktuellen Zahlen zeigen kein temporäres Marktphänomen, sondern ein strukturelles Muster in der Kapitalvergabe. Internationale Investor:innen investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind. In kleineren Märkten wie Österreich fehlen diese Voraussetzungen zunehmend – und das trifft Gründerinnen und gemischte Founding Teams besonders stark, weil sie ohnehin seltener Zugang zu größeren Runden haben“, so Haas.
„Kapital folgt Mustern, Netzwerken, Routinen“
„Kapital ist nicht neutral. Es folgt Mustern, Netzwerken und Routinen – und genau deshalb verschärfen sich Ungleichgewichte in wirtschaftlich angespannten Phasen. Für den Standort Österreich und Europa ist das nicht nur eine Frage der Fairness, sondern knallharte Standortpolitik“, so Fürst.
Ohne gezielte strukturelle Maßnahmen drohe sich die Finanzierungslücke weiter zu verfestigen. Der eingeschränkte Zugang von Gründerinnen und gemischten Teams zu Wachstumskapital habe langfristige Folgen für die Innovationskraft, die Qualität von Geschäftsmodellen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Start-up-Standorts Österreich.
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