Banking & Tools. Die Banken enttäuschen ihre Klientel, so Capgemini: 85 Prozent der Firmenkunden wollen demnach auf Nicht-Bank-Anbieter ausweichen.
Steigende Kundenerwartungen und enttäuschende Tech-Initiativen bringen Corporate und Investmentbanken (CIBs) in härteren Wettbewerb mit Nicht-Banken, so eine Aussendung des Management- und IT-Beratungsunternehmens Capgemini. Der erste „World Corporate und Investment Banking Report“ von Capgemini zeigt demnach, dass 85 Prozent der Firmenkunden innerhalb der nächsten 12 Monate auf Nicht-Bank-Finanzinstitute ausweichen wollen. Sie erhoffen sich transparentere und reaktionsschnellere Dienstleistungen, so die Berater.
An der Studie haben laut den Angaben 750 Führungskräfte aus dem Bereich Corporate und Investment Banking mit einem Jahresumsatz von mindestens 1 Milliarde US-Dollar teilgenommen.
„Die Wettbewerbslücke schließen“
„Nicht-Banken schließen die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken. Die Kundenanforderungen haben sich dramatisch verändert, und obwohl Corporate und Investmentbanken stark in KI investiert haben, tun sich viele schwer, über die Pilotphase hinauszukommen“, so Martina Sennebogen, Vorstandsvorsitzende bei Capgemini Österreich: „Ein wichtiger Grund dafür ist Governance – nur 26 Prozent der Banken arbeiten mit einer zentralisierten KI-Governance, was Teams zögern lässt, geschäftskritische Prozesse zu automatisieren.“
Um erfolgreich zu sein, müssen die Banken einen disziplinierten Ansatz verfolgen, heißt es weiter: Sie müssen demnach unternehmensweit skalierbare Plattformen schaffen und ein Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern aufbauen. „Frühe Anwender werden konkrete Vorteile in Form einer stärkeren Kundenbindung, höherer Gebühreneinnahmen und deutlich geringerer Kosten erzielen.“
Die Wünsche der Kunden
CIB-Kunden erwarten Echtzeit-Reaktionsfähigkeit (58 Prozent), personalisierte Betreuung (49 Prozent) und innovative Lösungen (40 Prozent) – aber weniger als jeder Vierte (23 Prozent) ist der Meinung, dass CIBs diese Anforderungen derzeit erfüllen. Stattdessen bemängeln viele, dass CIBs nur eine begrenzte Integration mit ERP- und Treasury-Systemen bieten.
Das mache manuelle Workarounds erforderlich (92 Prozent) und es fehlt ihnen an Personalisierung und Flexibilität (89 Prozent). Zudem sind ihre Fähigkeiten im Bereich der fortgeschrittenen Analytik und Prognose unzureichend (68 Prozent).
Innovationsprogramme greifen nicht
Zu diesen Herausforderungen kommt laut Capgemini hinzu, dass Führungskräfte im CIB-Bereich berichten, dass aktuelle Innovationsprogramme nicht die erwarteten Ergebnisse liefern. Eine große Mehrheit (82 Prozent) gibt an, dass diese Bemühungen nicht zu Umsatzsteigerungen durch neue Produkte führen, während 51 Prozent der Befragten sagen, dass sie nicht die erwarteten Kosteneinsparungen gebracht haben.
Angesichts steigender Kundenerwartungen stellen Banken fest, dass sie nur über begrenzte Möglichkeiten verfügen, darauf zu reagieren. Führungskräfte geben an, dass derzeit nur 29 Prozent ihrer IT-Budgets für transformative Technologien aufgewendet werden, während 43 Prozent für den Betrieb und die Wartung von Altsystemen verwendet werden. Darüber hinaus geben 61 Prozent der Führungskräfte im CIB-Bereich an, dass sie durch hohe Compliance-Kosten eingeschränkt sind.
Die guten Jahre sind – vorerst – vorbei
Die Ergebnisse stehen laut den Angaben im Einklang mit einer Analyse von Capgemini, wonach sich das Umsatzwachstum im CIB-Bereich verlangsame und für die nächsten fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 5,4 Prozent prognostiziert wird – nach 6,5 Prozent zwischen 2022 und 2024. Einen ähnlichen Trend meldete wie berichtet der auf Banken spezialisierte Berater zeb im Jänner.
Trotz struktureller Herausforderungen erweitern die Banken weiterhin ihr Produkt- und Dienstleistungsportfolio, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Führungskräfte im CIB-Bereich legen den Schwerpunkt auf Echtzeit-Treasury-Funktionen für grenzüberschreitende Zahlungsströme (77 Prozent) und Marktprodukte der nächsten Generation mit Künstlicher Intelligenz für den algorithmusbasierten Handel, wie z. B. KI-gesteuertes Hedging sowie Research- und Analyse-Insights (65 Prozent). Mehr als die Hälfte untersucht tokenisierte Produkte (51 Prozent), um durch digitale Verwahrung, Token-Ausgabe und Premium-Dienstleistungen neue Einnahmequellen zu erschließen.
Eine neue Kultur in der Bank
Der Studie zufolge müssen CIBs an mehreren Fronten gleichzeitig vorgehen, um sich dem Wettbewerbsdruck anzupassen. Banken müssen ihre Betriebsmodelle kritisch hinterfragen, um eine reibungslosere Customer Journey zu ermöglichen, ihre Daten- und Technologiegrundlagen neu aufbauen, um die Geschwindigkeit zu verbessern und KI-Governance in alle wichtigen Entscheidungen einbetten. Ebenso wichtig ist das Vertrauen der Kunden, das sich CIBs durch jahrzehntelange regulatorische Verlässlichkeit aufgebaut haben.
Dies stelle jedoch im Hinblick auf KI-getriebener Innovationen weiterhin eine zentrale Herausforderung dar. Viele Kunden (89 Prozent) stellen die Verlässlichkeit KI-generierter Ergebnisse für Bankdienstleistungen infrage. Dies unterstreicht, warum Transparenz der Schlüssel zu Vertrauen ist, heißt es.
Die Umsetzung dieser Veränderungen erfordert mehr als nur Technologie. Die Studie zeigt, dass kulturelle Aspekte ein bedeutendes Hindernis für die Einführung von KI darstellen können. So gaben 39 Prozent der Befragten an, dass eine konservative Kultur die Erprobung neuer Technologien verlangsamt. Darüber hinaus haben Banken Schwierigkeiten, ihre Mitarbeiter weiterzubilden: 40 Prozent der Befragten sagen, dass sie externe Fachkräfte einstellen wollen, um ihre KI-Kompetenzen zu stärken, während nur 23 Prozent in interne Umschulungen investieren.
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