Digitalisierung. KI ist bei den Mittelstandsunternehmen angekommen: 43 Prozent nutzen sie. Bei Unternehmen mit mehr als 30 Mio. Euro Umsatz sind es sogar 70 Prozent, so eine Studie von EY.
Digitalisierung ist für Österreichs Mittelstand kein „nice-to-have“ mehr. Sie wird zunehmend zur entscheidenden Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Innovationskraft.
Vor allem Themen wie Automatisierung, Cloud-Services, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) rücken dabei in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen. Diese Entwicklung zeigt sich klar in einer aktuellen Studie von Beratungsunternehmen EY, für die laut Aussendung rund 500 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitende in Österreich befragt wurden:
- 82 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen messen digitalen Technologien heute eine „mittelgroße“ bis „sehr große“ Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell bei. Im Vorjahr waren es nur 64 %.
- 38 Prozent sehen sogar einen „sehr großen“ Stellenwert, über doppelt so viele wie noch vor einem Jahr (17 %).
Damit erreichen beide Werte ein Rekordniveau seit Beginn der Vergleichsdaten im Jahr 2016, heißt es.
Unterschiede je nach Branche
Quer durch die Branchen nehmen digitale Technologien jedoch einen unterschiedlichen Stellenwert ein:
- Die höchste Bedeutung haben sie für das Geschäftsmodell der Finanzdienstleister (55 %),
- gefolgt von Tourismus sowie Transport/Verkehr/Energie (43 %).
- An dritter Stelle liegt die Gesundheits-, Life-Sciences-Branche, wo 39 Prozent der Digitalisierung den größten Stellenwert zuschreiben.
- Unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt finden sich Handel & Konsumgüter (35 %),
- die Industrie (32 %),
- Immobilien und Baugewerbe (27 %) und
- Soziales/Wissenschaft/Bildung bei 26 Prozent.
Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung:
- Große Unternehmen mit über 30 Millionen Euro Umsatz sehen zu 44 Prozent einen sehr hohen Stellenwert;
- jene mit 10 bis 30 Millionen Euro Umsatz zu 38 Prozent.
- Unter den kleineren Betrieben mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz sagt nur mehr ein Drittel (33 %) aus, dass digitale Technologien einen hohen Stellenwert für ihr Geschäftsmodell aufweisen.
„Digitalisierung ist im Mittelstand endgültig im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen. Die Rekordwerte zeigen, dass viele Unternehmen nicht mehr nur über Digitalisierung sprechen, sondern sie als zentralen Hebel für Effizienz und Innovation begreifen. Gleichzeitig steigt der Druck: Wer seine Digitalisierung nicht konsequent weiterentwickelt, riskiert langfristig Wettbewerbsnachteile“, so Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich.
KI-Nutzung nimmt stark zu
Ein besonders dynamisches Bild zeigt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz:
- 43 Prozent der befragten Mittelständler nutzen bereits KI-Anwendungen im eigenen Unternehmen. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent.
- Weitere 12 Prozent planen ganz konkret, KI einzusetzen.
Auffällig ist dabei der deutliche Unterschied nach Unternehmensgröße: Bei Betrieben mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Mio. Euro liegt der Anteil der KI-Anwender sogar bei 70 Prozent.
Eine interessante Entwicklung zeige sich auch branchenbezogen: Zwar liegt der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung bei der Entwicklung einer Digitalstrategie zurück, beim KI-Einsatz ist er mit 56 Prozent jedoch Spitzenreiter.
„Der sprunghafte Anstieg belegt, dass KI mittlerweile im Alltag vieler Unternehmen angekommen ist. Entscheidend wird nun sein, KI nicht nur punktuell einzusetzen, sondern mit klaren Prioritäten zu skalieren – etwa in Bereichen wie Kundenservice, Wissensmanagement, Prozessautomatisierung oder Qualitätssicherung“, so Susanne Zach.
Auch bei den Investitionsprioritäten werde KI immer relevanter:
- Fast bei jedem fünften Betrieb (19 %) liegt der aktuelle Investitionsfokus im Bereich digitaler Technologien auf KI.
- 16 Prozent konzentrieren sich auf Data & Analytics, nur sechs Prozent auf Metaverse.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Zwei von drei Unternehmen (67 %) verfolgen derzeit keinen speziellen Investitionsfokus auf einzelne digitale Technologien.
Personaleinsparungen durch KI
Während KI in vielen Bereichen Effizienzgewinne ermöglicht, rechnen nicht alle Unternehmen mit einem direkten Einfluss auf Beschäftigung:
- 24 Prozent erwarten mittel- bis langfristig Personaleinsparungen durch den Einsatz von KI-Anwendungen – ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr (26 %) weitgehend stabil bleibt.
- Die Mehrheit (76 %) geht hingegen davon aus, dass KI im eigenen Unternehmen nicht zu einem Personalabbau führen wird.
„Viele Unternehmen sehen KI weniger als Rationalisierungsinstrument, sondern vielmehr als Möglichkeit, Mitarbeitende zu entlasten und Produktivität zu steigern – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel. Damit KI wirklich wirksam wird, braucht es aber klare Verantwortlichkeiten, saubere Daten und gezielte Weiterbildung“, so Mayer.
Größter Schulungsbedarf bei Cybersecurity
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch der Bedarf an Kompetenzausbau. Den größten Schulungsbedarf sehen Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden im Bereich:
- Datensicherheit/Cybersecurity (29 %), gefolgt von
- Prozessautomatisierung (20 %) und
- Digitale Tools (18 %).
Um diese Kompetenzlücken zu schließen, setzen viele Betriebe vor allem auf Fort- und Weiterbildungen: Fast vier von zehn Betrieben (38 %) haben bereits umfassend geschult, 26 Prozent haben konkret vor, Trainings anzubieten. Gleichzeitig hat jedes fünfte Unternehmen bereits kompetente Talente aufgebaut (19 %) und weitere 26 Prozent planen – mit Blick auf die kommenden ein bis zwei Jahre – verstärkt Neueinstellungen mit digitalem Know-how, um die internen Kapazitäten und das Tempo der Umsetzung zu erhöhen.
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