Open menu
Business, Finanz, Recht

Iran-Krieg bremst Börsegänge massiv – außer bei Rüstungsfirmen

Martina Geisler ©EY / Michael Kobler

Sechs-Jahres-Tief. Der Iran-Krieg hat viele Börsegänge gestoppt, so EY. Das weltgrößte IPO des ersten Quartals war das des tschechischen Munitionsherstellers CSG.

Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 führten die neuen geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Krieg sowie der weltweite Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Rückgang auf dem IPO-Markt: Die Zahl der Börsengänge schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent und lag mit 230 auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren, so eine Aussendung von EY.

Zuletzt waren im zweiten Quartal des COVID-Jahres 2020 mit 195 IPOs weniger Börsengänge registriert worden als im abgelaufenen Quartal, heißt es zu den aktuellen Daten des „IPO-Barometers“.

Weniger Unternehmen, aber mehr Geld

Obwohl deutlich weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagten, stieg das Emissionsvolumen deutlich an, nämlich um 36 Prozent auf 40,6 Milliarden US-Dollar. Während die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von 500 Millionen US-Dollar von 14 auf 22 stieg, gab es deutlich weniger kleinere IOs: Die Zahl der Börsengänge mit einem Wert von weniger als 100 Millionen US-Dollar sank von 237 auf 146.

Die Rüstungsindustrie prägt die IPO-Landschaft

Der weltweit größte Börsengang des ersten Quartals fand in Europa statt: Der tschechische Munitionshersteller CSG erzielte bei seiner Erstnotiz an der Amsterdamer Euronext ein Platzierungsvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar.

Auch in Deutschland prägten Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, getrieben durch das deutlich gestiegene Investoreninteresse, das IPO-Geschehen: Von den drei Unternehmen, die in Deutschland im ersten Quartal an die Börse gingen, lassen sich zwei – Vincorion mit einem Volumen von 345 Millionen Euro sowie Gabler mit 134 Millionen Euro – dem Rüstungssektor zuordnen.

Zusätzlich absolvierte der österreichische Kupfer-Spezialist ASTA Energy den Börsengang an der Frankfurter Börse und erzielte dabei ein Emissionsvolumen von 198 Millionen Euro. Zudem ist die Hamburger Arenit Industrie SE im Rahmen einer Privatplatzierung an den schwedischen Nasdaq First North Premier Growth Market gegangen.

„IPO-Märkte sind spürbar unter Druck“

Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich, erklärt: „Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat die weltweiten IPO-Märkte spürbar unter Druck gesetzt – die Zahl der Börsengänge ist auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Wir sehen kräftig steigende Energiepreise, erhöhte Schwankungen an den Kapitalmärkten und zwischenzeitlich deutliche Kursrückgänge. Gleichzeitig rücken handelspolitische Unsicherheiten wieder stärker in den Vordergrund.“

Dennoch sieht die EY-Expertin „keinen vollständigen Stillstand, sondern vielmehr eine klare Fokussierung der Investor:innen auf bestimmte Sektoren und auf Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang eine relevante Größe, stabile Geschäftsmodelle und eine überzeugende Historie vorweisen können.“

Die globalen IPO-Märkte sind insgesamt bemerkenswert widerstandsfähig, so Geisler weiter: „Einige Transaktionen wurden zwar verschoben oder hatten Schwierigkeiten bei der Preisfindung. Gleichzeitig profitieren Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur stark vom geopolitischen Umfeld – hier kann man fast schon von einer IPO-Hochphase sprechen.“

Wiener Börse: Rekordhandel und starkes internationales Wachstum

Die volatile Marktlage sorgte für die höchsten Quartals-Aktienumsätze an der Wiener Börse seit 15 Jahren. Gleichzeitig wurde das Angebot im internationalen Segment global market weiter ausgebaut. Neben der Aufnahme zahlreicher neuer internationaler Titel – darunter mehr als 30 Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 – wurden auch aktuelle Börsengänge wie jener des österreichischen Unternehmens ASTA Energy Solutions in den Handel in Wien einbezogen. Der global market umfasst rund 900 internationale Wertpapiere aus 28 Ländern.

Die Aussichten

Gerade in Europa ist laut den Angaben damit zu rechnen, dass weitere IPOs aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturbereich folgen. Die verstärkten Anstrengungen der NATO-Staaten, ihre Verteidigungsausgaben in Richtung des 5 Prozent Ziels des BIP zu erhöhen – wovon ein substanzieller Teil auf kritische Infrastruktur entfällt – schaffen sehr gute Voraussetzungen für Unternehmen der Verteidigungsindustrie, so Geisler.

Neben Aerospace & Defense bleibe auch Künstliche Intelligenz – insbesondere mit den erwarteten großen IPOs aus den USA – ein wichtiger Treiber des Marktes. Allerdings verschiebe sich der Fokus zunehmend weg von visionären Zukunftsbildern hin zu konkreten, skalierbaren KI-Anwendungen, vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Rechenzentren, Halbleiter und industrielle Nutzung.

Internationale Märkte im Jahresvergleich

  • In China (einschließlich Hongkong) wurden 68 Neuemissionen (Vorjahr: 50) gezählt mit einem Gesamtwert von 16,7 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 181 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der größte Anstieg unter allen relevanten Börsenplätzen.
  • Der US-Markt lag bei der Zahl der Deals im Minus (27; minus 55%); das Emissionsvolumen lag mit 10,2 Milliarden US-Dollar 13 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.
  • In Europa gingen zwar weniger Unternehmen an die Börse als im ersten Quartal 2025 (28; minus 18%). Dank des Mega-IPOs von CSG stieg aber das Platzierungsvolumen deutlich: um 48 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
  • Beim Blick auf die Branchen dominierten Advanced Manufacturing (42 IPOs, 11,3 Milliarden US-Dollar) und Technology (38 IPOs, 8,8 Milliarden US-Dollar).
  • Im Ranking der größten Börsengänge des ersten Quartals folgen auf CSG das US-Energieinfrastrukturunternehmen Forgent Power Solutions mit einem Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden US-Dollar und dahinter der chinesische Fleischproduzent Muyuan Foods mit 1,4 Milliarden US-Dollar.

Jetzt den Newsletter von Extrajournal.Net abonnieren

Täglich gratis in Ihrer Mailbox.

Weitere Meldungen:

  1. Rüstungsdeal: Rheinmetall erwirbt 51% an DOK-ING mit Wolf Theiss
  2. Freshfields sieht KI als Antriebskraft für hohe M&A-Preise in Europa
  3. Die Börsegänge des Jahres 2025: Anzahl stagniert, Erlös explodiert
  4. Mutares steigt bei Steyr Motors aus: Noerr berät RBI und Cantor

Schreiben Sie einen Kommentar