Management. Unternehmen weltweit reagieren auf Zölle und geopolitische Spannungen mit KI und Regionalisierung, so eine Studie von Managementberater BearingPoint.
Die Management- und Technologieberatung BearingPoint hat einen neuen globalen Thought-Leadership-Report veröffentlicht: „Autonome, intelligente Lieferketten: Der neue Wettbewerbsvorteil im Zeitalter der Disruptionen“.
Basierend auf einer Befragung von 620 Führungskräften auf C-Level-Ebene aus Europa, den USA und China zeige die Studie einen deutlichen Wandel weg von rein effizienzgetriebenen Modellen hin zu neuen Ansätzen, da aktuelle Störungen die Supply-Chain-Strategie grundlegend verändern. Die zentralen Ergebnisse der Studie:
- 69 Prozent investieren in Cloud-Plattformen, 50 Prozent in KI und 46 Prozent in Cybersecurity.
- 48 Prozent der Unternehmen treiben die Regionalisierung oder Lokalisierung ihrer Lieferketten voran.
- Bis 2030 wird ein Wachstumsanstieg im Handel vor allem in Indien, Mexiko und den ASEAN-Staaten erwartet.
- China könnte aufgrund von Entkopplungs- und Diversifizierungsbestrebungen relativ an Dynamik verlieren.
Hin zu mehr Anpassungsfähigkeit
Anstatt sich nur auf gelegentliche Krisen vorzubereiten, entwickeln Unternehmen inzwischen Lieferketten, die sich dynamisch und in Echtzeit neu konfigurieren können, so die Studie. Die Befragten zeigen einen klaren Kurswechsel hin zu mehr Anpassungsfähigkeit in Richtung Reaktionsfähigkeit.
„Disruption ist nicht mehr eine Reihe einzelner Schocks, sondern sie ist zu einem dauerhaften Bestandteil des Geschäfts geworden“, so Christian Opitz, Partner bei BearingPoint: „Unsere Forschung zeigt, dass Marktführer nicht mehr fragen, wie sie sich vor Disruption schützen können, sondern wie sie sich schneller anpassen können, als sie entsteht. Intelligenz in der Lieferkette ist zur neuen Währung des Wettbewerbs geworden.“
Regionalisierung gewinnt an Bedeutung
Fast die Hälfte der Unternehmen treibt die Regionalisierung oder Lokalisierung ihrer Lieferketten voran. Hohe Kosten, Lücken im Lieferantennetzwerk und komplexe regulatorische Anforderungen stellen jedoch derzeit die größten Hürden für eine Skalierung dar. Viele Organisationen kämpfen mit den finanziellen Auswirkungen einer Neuordnung ihrer Lieferantenstrukturen, dem Aufbau von Nearshore-Kapazitäten und der Erfüllung sich wandelnder lokaler Compliance-Vorgaben.
Die aufstrebenden Märkte
Bis 2030 wird erwartet, dass das Handelswachstum stärker in Richtung aufstrebende Märkte verlagert wird, während China aufgrund von Entkopplungs- und Diversifizierungsdruck ein langsameres Wachstum erleben dürfte. Führungskräfte betrachten Diversifizierung zunehmend als strategische Fähigkeit, nicht mehr nur als Notfallmaßnahme.
Chinesische Unternehmen, ebenso wie andere globale Player, expandieren verstärkt in BRICS- und ASEAN-Märkte und bauen gleichzeitig Produktionskapazitäten in Europa auf, um Zollrisiken und geopolitische Spannungen zu reduzieren.
Diese Entwicklungen zeigen eine umfassende Neuordnung globaler Liefernetzwerke, die auf Resilienz, regionaler Balance und Wachstumspotenzial basiert. Sie beschleunigen den Übergang von einer globalen Effizienzlogik hin zu autonomen und intelligenten regionalen Ökosystemen, die sich besonders schnell und flexibel an Veränderungen anpassen können.
Unternehmen investieren
69 Prozent der Führungskräfte zählen Cloud-Plattformen zu ihren drei wichtigsten Investitionsfeldern. Dahinter folgen 50 Prozent, die künstliche Intelligenz priorisieren, sowie 46 Prozent, die sich auf Cybersicherheit und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur konzentrieren, um Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu vernetzen. Allerdings verfügen ein Viertel der Unternehmen weiterhin nicht über intelligente Beschaffungs- und Orchestrierungswerkzeuge, um Daten tatsächlich in Echtzeitentscheidungen zu übersetzen, so die Studie.
Obwohl 90 Prozent der Führungskräfte davon ausgehen, dass KI Lieferketten bis 2030 grundlegend verändern wird, haben bislang nur 8 Prozent der Unternehmen KI-gestützte Planung und Orchestrierung vollständig integriert. Next-Generation-ERP-Plattformen und prädiktive Analysen entwickeln sich dabei zu den zentralen Enablern, um eine durchgängige End-to-End-Orchestrierung Realität werden zu lassen.
Zirkuläre Lieferkettenmodelle gewinnen an Bedeutung: 44 Prozent der Befragten sehen Zirkularität inzwischen als Wachstumstreiber, nicht länger nur als regulatorische Verpflichtung. Unternehmen prüfen zunehmend Reverse-Logistics-Konzepte, Product-as-a-Service-Modelle und Strategien zur Rückgewinnung von Materialien, um Abfall zu reduzieren, neue Umsatzquellen zu erschließen und ihre Markenpositionierung zu stärken.
„Künstliche Intelligenz wird zur nächsten Grenze für Autonomie und Intelligenz. Obwohl bislang nur wenige Unternehmen eine vollständige Selbstorchestrierung erreicht haben, zeigt der schnelle Aufstieg von Cloud-Technologien, KI und regionalisierten Netzwerken, dass die Bausteine für autonome, intelligente Lieferketten bereits in Bewegung sind“, so Stefan Penthin, Globaler Leiter Operations bei BearingPoint.
Fünf zentrale Handlungsfelder
Der Bericht identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder für Unternehmen, die sich einen Vorsprung durch autonome intelligente Lieferketten sichern wollen:
- Netzwerke neu ausrichten, um Resilienz und regionale Agilität zu stärken.
- Prozesse standardisieren und Datenqualität erhöhen.
- KI skalieren, um prädiktive und autonome Entscheidungen zu ermöglichen.
- Intelligente Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verankern.
- Mensch-KI-Zusammenarbeit fördern und eine adaptive Führungskultur entwickeln.
„Die Gewinner des nächsten Jahrzehnts werden diejenigen sein, die Autonomie und Intelligenz zum Kern ihrer Supply-Chain-Strategie machen. Erfolg wird von Führungsteams abhängen, die kontinuierliche Transformation annehmen, in intelligente Fähigkeiten investieren und Ökosysteme orchestrieren, die sich parallel zu den Marktanforderungen weiterentwickeln können“, so Penthin.
„Autonome Lieferketten sind kein Zukunftsszenario mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit: Wer heute in KI, Cloud und regional ausbalancierte Netzwerke investiert, schafft die Voraussetzung, um geopolitische Spannungen und volatile Handelsbedingungen nicht nur abzufedern, sondern aktiv als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Entscheidend ist, Daten konsequent in Echtzeitentscheidungen zu übersetzen – denn Resilienz entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch intelligente, adaptive Steuerung“, so Gerald Tretter, Partner bei BearingPoint.
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