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Business, Recht

Luftfahrtbranche bleibt trotz Iran-Krieg im Steigflug: DLA Piper-Studie

Jasna Zwitter-Tehovnik ©DLA Piper / Cornelis Gollhardt

Wien. Die Airlines rechnen trotz Konflikt am Persischen Golf mit nachhaltigem Wachstum. Das zeigt eine Umfrage von DLA Piper, HSBC und Infralogic.

Gemäß einer aktuellen Studie der globalen Wirtschaftskanzlei DLA Piper (The Future of Global Aviation 2026) gehen große Fluggesellschaften und Branchenanalysten trotz der Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Flugrouten und den operativen Betrieb derzeit noch nicht davon aus, dass die Beeinträchtigungen die langfristige strategische Planung und das Wachstum nachhaltig beeinflussen.

Basierend auf der weltweiten Umfrage unter 100 Führungskräften aus der Luftfahrtbranche zeigt die von Infralogic, DLA Piper (Luftfahrtrecht) und HSBC (Makroökonomie) erstellte Studie, dass drei Viertel der Befragten Asien als wichtigste Region für ein Verkehrswachstum nennen, dicht gefolgt vom Nahen Osten mit 72 Prozent. Darüber hinaus hebt der Bericht neue Technologien, nachhaltige Treibstoffe und groß angelegte Infrastrukturmodernisierungen als zentrale Wachstumstreiber der Branche in den kommenden Jahren hervor, so eine Aussendung.

Geopolitische Risiken

Die in der Studie abgebildeten Einschätzungen basieren laut einer Aussendung auf Befragungen, die vor den Luftraumsperrungen im Nahen Osten im März 2026 durchgeführt wurden. Trotz aktuell auftretender operativer Einschränkungen bleiben die langfristigen Wachstumsperspektiven der Branche nach Einschätzung der Befragten demnach unverändert.

Mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) gibt an, dass US-Zölle globale Lieferketten der Luft- und Raumfahrt erheblich gestört haben. Dies habe zu höheren Kosten für Kundinnen und Kunden, zur Überarbeitung von Verträgen mit zollbezogenen Klauseln sowie in einigen Regionen zu gemeinsamen Lobbying-Aktivitäten geführt, um die Risiken des Protektionismus abzumildern.

Verschärft durch globale Sanktionen, die ebenfalls als wesentliches geopolitisches Risiko gesehen werden, bezeichnet nahezu ein Drittel der Befragten in Nord- und Südamerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien diese als erhebliche Bedrohung für das Gewinnwachstum. Seit 2022 haben aufeinanderfolgende Sanktionswellen gegen Russland, den Iran und andere Staaten globale Lieferketten der Luftfahrt, die Ersatzteilbeschaffung und das Flugzeugleasing beeinträchtigt.

Mehr als 17.000 Flugzeuge sind bestellt

Der Internationale Luftverkehrsverband (IATA) weist darauf hin, dass der Rückstand bei Flugzeugauslieferungen im Jahr 2025 mehr als 17.000 Einheiten erreicht hat – ein Rekordwert, der deutlich über dem durchschnittlichen Rückstand von rund 13.000 Flugzeugen pro Jahr im Zeitraum 2010-2019 liegt. Dies entspricht bei den aktuellen Produktionsraten einer Wartezeit von rund 14 Jahren und stellt einen wesentlichen Faktor dafür dar, dass die Branche die prognostizierte, bis 2050 mehr als doppelt so hohe Passagiernachfrage nur schwer decken kann.

Alle Befragten sind sich einig, dass staatliche Unterstützung für die Aufrechterhaltung eines robusten globalen Luftfahrtsektors unerlässlich ist. Allerdings zeigen sich regionale Unterschiede hinsichtlich der Prioritäten: Befragte aus Europa, dem Nahen Osten und Asien sehen Anreize für grüne Technologien als vordringlichsten Unterstützungsbedarf (67 Prozent), während Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Nord- und Südamerika stärker auf Infrastrukturinvestitionen und vereinfachte Regulierung setzen (56 Prozent).

Indischer Markt mit größtem Wachstum

Bei der Frage nach den Schwellenländern mit den größten erwarteten Verkehrszuwächsen in den nächsten 24 Monaten zeigt sich ein klares Bild:

  • Mit überwältigender Mehrheit nannten die Befragten Indien (83 Prozent) als Markt mit dem größten Wachstumspotenzial. Der indische Binnenmarkt gehört laut IATA zu den größten weltweit: 2024 erreichte der abgehende Passagierverkehr 174,1 Millionen Reisende (10,9 Prozent mehr als 2019), davon 136,1 Millionen Inlandsflüge.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate belegten mit 67 Prozent den zweiten Platz, gefolgt von China mit 61 Prozent, was die enorme Größe des chinesischen Binnenmarktes und dessen Bedeutung für interkontinentale Langstreckennetze widerspiegelt. Offiziellen Zahlen zufolge lag die Gesamtzahl der Flugpassagierreisen in China 2024 bei 730 Millionen – ein Rekordwert –, während internationale Flüge rund 6.400 pro Woche erreichten.
  • Saudi-Arabien (55 Prozent) und Katar (44 Prozent) folgten auf den Plätzen vier und fünf. Diese Märkte wurden insbesondere wegen ihres starken Passagierwachstumspotenzials, milliardenschwerer Flughafenentwicklungsprojekte und unterstützender luftfahrtpolitischer Rahmenbedingungen hervorgehoben, sind jedoch derzeit beträchtlichen geopolitischen Turbulenzen ausgesetzt.

Die Investitionen steigen ebenfalls

Die Erholung der Passagiernachfrage verändert die Investitionsprioritäten in der gesamten Branche. Drei Viertel der Befragten erwarten, dass die globalen Investitionen in Flughafeninfrastruktur in den nächsten zwei Jahren steigen werden. Im Jahr 2025 wurden 98 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 65,5 Milliarden US Dollar verzeichnet – die höchste jemals erreichte jährliche Anzahl von Infrastrukturtransaktionen im Flughafenbereich.

Indien dürfte dabei den Löwenanteil der neuen Investitionen erhalten: 88 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Kapital vor allem in das Land fließen wird, da es die Zahl seiner operativen Flughäfen und regionalen Drehkreuze in bislang beispiellosem Tempo ausbaut. Indien hat bereits ein umfassendes Expansionsprogramm gestartet, mit dem die Zahl der in Betrieb befindlichen Flughäfen von derzeit etwas über 150 auf mehr als 200 bis zum Ende des Jahrzehnts erhöht werden soll.

Auch der Nahe Osten zeigt – ungeachtet der Turbulenzen des aktuellen Konflikts – eine starke Investitionsdynamik durch das anhaltende Wachstum und den Ausbau eigener regionaler Drehkreuze. Das saudi-arabische Programm Vision 2030 stellt dafür Investitionen in Höhe von mehreren zehn Milliarden US Dollar in Aussicht, darunter der Bau des King Salman International Airport in Riad sowie Erweiterungen der Flughäfen in Dschidda und Dammam.

Kurzfristig schwierig, langfristig attraktiv

Jasna Zwitter-Tehovnik, Partnerin bei DLA Piper Österreich und langjährig mit komplexen Infrastrukturprojekten in Europa, Asien und Lateinamerika befasst, hält fest: „Eine hohe Passagiernachfrage sowie umfangreiche Investitionen in Flughafen- und Verkehrsinfrastruktur stärken die kontinuierliche Wachstumsphase – insbesondere in Emerging Markets in Asien, Lateinamerika und Afrika. Infolge des Nahostkonflikts ist die weitere Entwicklung derzeit, zumindest kurzfristig, unvorhersehbar. Die Branche hat ihre Widerstandsfähigkeit jedoch immer wieder unter Beweis gestellt, und weder der Nahostkonflikt noch steigende Kosten oder Lieferkettenengpässe ändern etwas daran, dass der langfristige Erfolg maßgeblich davon abhängt, Infrastrukturinvestitionen, Regulierung und staatliche Unterstützung konsequent aufeinander abzustimmen – ein Ansatz, der auch für den österreichischen Luftfahrt- und Flughafenstandort von zentraler Bedeutung ist.“

 

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