Open menu
Business, Finanz, Recht

In Österreich dürfen Fonds bald Kredite vergeben: Freshfields ortet Chancen

Private Credit & Fonds. In Österreich dürfen Alternative Investmentfonds (AIF) bald Kredite vergeben: Das gibt Unternehmen wie Banken neue Möglichkeiten, so Freshfields. Ohne Risiko ist das Business freilich nicht.

Mit dem jetzt vorliegenden Ministerialentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2024/927 (AIFMD II) sollen in Österreich Kredite durch AIFs erlaubt und einem klaren Regulierungsrahmen unterworfen werden, heißt es dazu. Bis jetzt war die gewerbliche Kreditvergabe in Österreich durch Nichtbanken – einschließlich AIFs – aufgrund der Konzessionserfordernisse des österreichischen Bankwesengesetzes mit sehr aufwändigen rechtlichen und faktischen Strukturierungsschritten (z.B. Reverse Solicitation, also auf Initiative des Kreditnehmers) verbunden, die Transaktionsstrukturen und Marktzugang für Fonds nicht notwendig attraktiv erscheinen ließen, heißt es.

Dieser Bereich werde nun erstmals reguliert – und damit ergebe sich ein neues Marktfeld in Österreich, so Partner Florian Klimscha und Anwalt Maximilian Hohenauer aus dem Wiener Freshfields-Büro bei einem Pressegespräch.

Ein großer Markt

Der für Österreich noch recht neue Markt hat global schon große Bedeutung erlangt, insbesondere in den USA. Dort wird das Gesamtvolumen auf 1,56 bis 1,7 Billionen US-Dollar geschätzt. Der europäische Markt, der 2020 erst 5,3 Milliarden Euro groß war, hatte 2022 schon 20 Mrd. Euro erreicht.

In Deutschland sind Finanzierungen durch AIFs inzwischen relativ häufig: Laut einer Statistik der deutschen Finanzaufsicht Bafin aus 2025 haben die kreditvergebenden Fonds allein in Deutschland ein Volumen von rund 16 Milliarden Euro erreicht, wobei die Mehrzahl relativ klein (typische Fonds-Größe 100 Mio. Euro) und in Luxemburg angesiedelt ist.

Allerdings müssen die Zahlen in die richtige Perspektive gerückt werden: Lediglich 0,6 % des Gesamtvermögens der deutschen Investmentfonds sind laut Bafin bisher in kreditvergebenden AIFs gebunkert, und das von ihnen finanzierte Kreditvolumen entspricht rund 0,2 Prozent des Kreditvolumens der Banken. Von einer Stellung wie in den USA ist der Markt also noch recht weit entfernt.

Die Möglichkeiten

Das neue Finanzierungsinstrument Private Credit durch AIFs belebe grundsätzlich aber den Markt und schafft neue Möglichkeiten für Unternehmen, sich zu finanzieren, so die Freshfields-Experten. Gleichzeitig haben die Banken die Möglichkeit, durch Einbindung von Fonds-Finanzierungen ihr Risiko zu reduzieren. In der Diskussion um den sogenannten Schattenbanken-Sektor schaffe die Gesetzesinitivative der EU einen Regulierungsrahmen und sorge für klare Verhältnisse für die Marktteilnehmer.

Private Credit durch Fonds hat Vorteile, heißt es: Die Fonds bringen bei den finanzierten Unternehmen oft auch wirtschaftliche Kompetenz ein, seien dabei aber gleichzeitig nicht so stark durch regulatorische Zwänge beschränkt wie die Banken. Das Ergebnis sei oft ein relativ rascher und flexibler Transfer von finanziellen Mitteln. Während Banken für größere Finanzierungen Syndikate bilden müssen, könne ein Fonds eine Akquisition schneller finanzieren, vielleicht auch nur für begrenzte Zeit. Die Banken wiederum können die Fonds finanzieren und dadurch auch für sich neue Marktfelder entdecken. Die Bandbreite der Finanzierungen ist beachtlich. Beispielsweise half Anbieter Apollo dem deutschen Wohnungsriesen Vonovia (er ist Eigentümer der Buwog in Österreich) mit einer gemischten Finanzierung unter die Arme.

Maximilian Hohenauer ©Freshfields

Freilich hat auch Private Credit seine Kritiker – gerade in der jüngeren Vergangenheit: Im Herbst 2025 ging in den USA der Autozulieferer First Brands pleite, der stark durch AIFs finanziert worden war. Die Folgeverluste trafen dann auch europäische Banken wie UBS. Im Frühjahr 2026 kam es bei mehreren AIFs in den USA zu zeitweisen Auszahlungsstopps, teilweise gab es auch Notverkäufe oder waren Geldspritzen durch die Eigentümer nötig. In der öffentlichen Diskussion wurden seither teilweise sogar Vergleiche mit der Finanzkrise 2008 gezogen. Die Beobachter sorgen sich um die Transparenz des Marktes und die mögliche Anfälligkeit von AIFs im Fall steigender Zinskosten.

Psychologisch verständlich, aber aus heutiger Sicht deutlich zu hoch gegriffen, so die Freshfields-Anwälte. „Es handelt sich um einen Markt, der noch nicht durch einen vollen Konjunkturzyklus gegangen ist, also nicht die gesamte Bandbreite von Aufschwung bis Rezession erlebt hat“, sagt Klimscha: Daher fragten sich naturgemäß viele Beobachter, wie der Private Credit-Markt im Abschwung reagieren wird. Entsprechende Erfahrungswerte fehlen einfach noch, und daher resultiere das Unsicherheitsgefühl. Dazu komme, dass gerade IT-Unternehmen in letzter Zeit verstärkt zu AIF-Finanzierungen für Akquisitionen gegriffen haben – und in dieser Branche ist die Nervosität im KI-Hype bekanntlich nicht gering. Klimscha ortet „zweifellos Risiken“ und wie in jedem Markt werde der eine oder andere Marktteilnehmer aufgeben müssen – aber das sei kein flächendeckendes Phänomen. „Der Private Credit Markt ist immer noch profitabler als der Private Equity Markt.“

Der Zeithorizont in Österreich

In Österreich ist jedenfalls inzwischen ein wenig Eile bei der Umsetzung angebracht, denn die Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie lief diese Woche (genauer gesagt am 16.4.2026) aus. Die praktische Ausgestaltung des neuen Marktes, der durch das Gesetz auf feste regulatorische Beine gestellt werden soll, werde sich dann in den nächsten Monaten und Jahren zeigen. Österreich habe einen starken und hochkompetitiven Bankenmarkt, bestätigen die Experten von Freshfields – es werde sich herauskristallisieren, welche Bereiche die Fonds abdecken können und wo sie auch von den Banken als Partner im Finanzierungsgeschäft willkommen geheißen werden.

Jetzt den Newsletter von Extrajournal.Net abonnieren

Täglich aktuell in Ihrer Mailbox.

Weitere Meldungen:

  1. Haslinger / Nagele befördert Mathis Fister zum Partner
  2. Argos holt sich die Bäckerei-Kette Kamps mit Hilfe von Görg
  3. Waterland kauft Türsystem-Hersteller BODE: Die Berater
  4. Produktlinie von AMS Osram geht an indie: Schönherr berät

Schreiben Sie einen Kommentar