Wien. Das „Legal Tech Barometer 2026“ ortet einen starken Anstieg bei der KI-Nutzung. Doch 70 Prozent der befragten Juristen müssen den KI-Output häufig korrigieren.
Künstliche Intelligenz hat sich in der österreichischen Rechtsbranche zum Alltagswerkzeug entwickelt. Dies ist laut einer Aussendung das zentrale Ergebnis des aktuellen „Legal Tech Barometer 2026“ von Future-Law, das gemeinsam mit LexisNexis, Dilitrust, der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen (VUJ) und der Österreichischen Notariatskammer verfasst wurde.
Für das Legal Tech Barometer wird jährlich eine Umfrage durchgeführt um den Stand der Digitalisierung und KI-Nutzung in der österreichischen Rechtsbranche zu analysieren. Die Teilnehmer stammen aus Notariaten, Rechtsabteilungen, Kanzleien und dem öffentlichen Sektor. Die zentralen Ergebnisse der diesjährigen Umfrage:
- 45 % der befragten Juristinnen und Juristen nutzen KI mehrmals täglich.
- Insgesamt setzen 99 % der Befragten zumindest gelegentlich auf entsprechende Tools.
- 81 % der Befragten nutzen KI für die rechtliche Recherche.
Rechtsabteilungen als Vorreiter
Rechtsabteilungen gehören zu den intensivsten AI-Nutzerinnen im Rechtsmarkt: „Angetrieben weniger von Digitalisierungsbegeisterung als von schlichtem Ressourcendruck. 55 Prozent der Befragten berichteten von steigenden Aufwänden bei gleichbleibenden Teams. 72 Prozent nutzen KI-Tools mehrmals täglich“, so Sophie Martinetz, Gründerin und CEO von Future-Law. Besonders stark ist der Einsatz bei Vertragsentwürfen und Dokumentenanalyse.
Trotz hoher Nutzungsintensität fehlt es in 78 % der Rechtsabteilungen aber an automatisierten Workflows. „Der Optimismus für die Zukunft ist dennoch ungebrochen. 100 Prozent erwarten, dass Due-Diligence-Prüfungen innerhalb von zwei Jahren vollständig durch AI abgewickelt werden“, so Martinetz.
„Verschiebung, nicht Verdrängung“
Die zunehmende KI-Nutzung führt in den Augen der Future-Law-Gründerin zu einer spürbaren Verschiebung juristischer Tätigkeiten: „Routinetätigkeiten werden verstärkt von KI übernommen, insbesondere Aufgaben, die bisher von Junior-Juristinnen und -Juristen, Assistenzfunktionen oder externen Kanzleien erledigt wurden.“
Gleichzeitig zeige sich ein klarer Trend: Die gewonnene Zeit wird überwiegend für komplexere juristische Fragestellungen, strategische Beratung und Qualitätssicherung genutzt. „Damit verändert sich das Berufsbild nachhaltig – weg von operativer Bearbeitung hin zu steuernden und bewertenden Tätigkeiten. Was wir beobachten, ist keine Verdrängung, sondern eine Verlagerung“, so Martinetz: „Juristinnen und Juristen, die KI als Werkzeug beherrschen, werden künftig dort gebraucht, wo Urteilsvermögen, Empathie und Verantwortung gefragt sind.“
Qualität bleibt Herausforderung
Trotz hoher Nutzung bleibt die Qualität der KI-Ergebnisse ein kritischer Faktor. Rund 70 % gaben an, dass sie die Ergebnisse „häufig“ oder „sehr häufig“ korrigieren müssen.
„KI schafft Tempo, aber nicht automatisch Verlässlichkeit“, so Martinetz: „Die juristische Expertise bleibt unverzichtbar – insbesondere bei Bewertung, Einordnung und finaler Entscheidung.“ Zwar nutzen erst rund 20 % automatisierte Workflows, aber weitere 40 % planen deren Einführung, so die Umfrage.
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