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KI baut bei Immobilienmaklern um: „Weniger Routinejobs, mehr Beratung“

Patrick Schild ©CBRE

Interview. Patrick Schild, Head of Agency beim Immo-Dienstleister CBRE in Österreich, sieht durch KI große Veränderungen bei Maklern, Büros & Wohnungen.

Extrajournal.Net: Die Auswirkungen neuer KI-Tools auf verschiedene Branchen und Berufe werden derzeit intensiv diskutiert. Wie sehen Sie diese Entwicklung für die Immobilienbranche – und speziell für große Gewerbeimmobilien-Berater wie CBRE?

Patrick Schild: Künstliche Intelligenz wird die Immobilienbranche definitiv verändern – allerdings vermutlich weniger durch das Ersetzen ganzer Berufsbilder, sondern vielmehr durch eine Verschiebung der Tätigkeiten. Es gibt enormes Potenzial bei wiederkehrenden Prozessen, Datenanalysen oder Rechercheaufgaben. Viele dieser Tätigkeiten waren bislang klassische Einstiegsaufgaben für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Genau darin liegt auch eine spannende Herausforderung: Einerseits übernimmt KI künftig Teile dieser Routinen schneller und effizienter, andererseits waren diese Aufgaben oft auch ein wichtiger Lernprozess, um Märkte, Objekte und Kundenbedürfnisse zu verstehen.

Die Branche wird daher neue Wege finden müssen, wie Wissen und Erfahrung künftig aufgebaut werden. Gleichzeitig eröffnet das aber auch neue Perspektiven: Junge Talente werden sich früher mit strategischen Fragestellungen, Dateninterpretation, Kundenberatung oder komplexen Standortanalysen beschäftigen können.

Im privaten Bereich spielen Emotionen die größere Rolle

Gibt es dabei einen Unterschied zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien?

Patrick Schild: Im privaten Wohnbereich spielen Emotionen eine sehr große Rolle. Bei Gewerbeimmobilien stehen klar definierte Anforderungen von Unternehmen im Vordergrund – etwa Standortqualität, Flächeneffizienz, ESG-Kriterien oder Infrastruktur. Gerade deshalb eignet sich der gewerbliche Bereich besonders gut für datengetriebene Unterstützung durch KI. So können enorme Datenmengen analysiert und Prozesse beschleunigt werden. KI kann beispielsweise Marktinformationen strukturieren, Grundlagendaten aufbereiten oder erste Entwürfe für Präsentationen und Exposés erstellen.

Die eigentliche Beratungsleistung bleibt aber klar menschlich geprägt: Unternehmen erwarten strategische Einschätzungen, Verhandlungskompetenz, Marktverständnis und Vertrauen. Gerade bei größeren Transaktionen oder langfristigen Standortentscheidungen bleibt der persönliche Austausch entscheidend.

„Die Tätigkeit wird beratungsintensiver werden“

Welche konkreten Veränderungen erwarten Sie im Arbeitsalltag von Maklern?

Patrick Schild: Durch die gestiegene Effizienz bei repetitiven Tätigkeiten wird mehr Zeit für jene Bereiche frei, in denen Menschen besonders stark sind: persönliche Beratung, Verhandlungen, Kreativität oder das Verständnis komplexer Unternehmensanforderungen. Die Tätigkeit wird insgesamt beratungsintensiver und noch interdisziplinärer werden.

Wie beurteilen Sie also den zukünftigen Personalbedarf in der Branche? Ist die KI ein Jobkiller?

Patrick Schild: Ich denke manche Tätigkeiten fallen weg, dafür gibt es in anderen Bereichen Chancen für neue Jobs. Die gesamte Branche verändert sich. Gerade in Österreich haben wir sehr viele kleinere Betriebe, bei denen der Druck weiter steigen wird. CBRE ist nicht „nur“ Makler. Das ist der zentrale Unterschied. Wir bieten weltweit mit rund 155.000 Mitarbeitern sämtlichen Dienstleistungen in allen Assetklassen rund um die Immobilie an. Das ist nicht nur aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes für die Kunden entscheidend, sondern diese Größe erlaubt auch den Aufbau eigener KI-Instrumente – wie in unserem Fall „Ellis AI“. Nur das garantiert Datensicherheit. Ein enorm wichtiges Thema. Beispielsweise große Transaktionen laufen üblicherweise sehr diskret ab. Weder Abgeber noch Käufer haben Interesse daran, diese Daten potenziell öffentlich wiederzufinden. Aktuell wäre das bei der Nutzung von den gängigen KI-Lösungen der Fall.

Was heißt das für die Immobilienwirtschaft?

Patrick Schild: Die Bedeutung von Datenqualität und Markttransparenz steigt enorm. Unternehmen, die in der Lage sind, „saubere“ Daten sinnvoll zu interpretieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.

Mehr Zusammenarbeit vor Ort statt Homeoffice

Wie beurteilen Sie derzeit generell den österreichischen Büromarkt?

Patrick Schild: Der österreichische Büromarkt zeigt sich derzeit insgesamt stabil. Besonders in guten Lagen sehen wir weiterhin eine solide Nachfrage. Gleichzeitig beobachten wir, dass viele Unternehmen die Bedeutung des persönlichen Austauschs und der Zusammenarbeit vor Ort wieder stärker erkennen. Das Thema Homeoffice bleibt wichtig, aber viele Firmen suchen inzwischen nach einem ausgewogenen Modell zwischen Flexibilität und Präsenz.

Wenn KI, wie manche befürchten, bei den Unternehmen zu Personalabbau führt, dann müssten Sie eigentlich irgendwann einen rückläufigen Flächenbedarf bei den Büros feststellen?

Patrick Schild: Technologische Veränderungen beeinflussen natürlich auch Arbeitswelten. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass wirtschaftliche Dynamik immer auch Bewegung am Immobilienmarkt erzeugt. Unternehmen verändern sich laufend – sie wachsen, konsolidieren sich, organisieren Arbeitsabläufe neu oder suchen andere Standorte. Genau in diesen Veränderungsprozessen bleibt Beratung gefragt.

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