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Nicht einmal die Flaggschiffe schaffen 100% Barrierefreiheit im Web

Jacopo Deyla ©Accessiway

IT & The Law. Alle Websites von ATX Prime-Unternehmen für Endkonsumenten weisen zumindest eine digitale Barriere auf, so Dienstleister Accessiway.

Knapp ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsgesetzes (BaFG) müssen für dessen Umsetzung noch zahlreiche Probleme behoben werden, so eine Aussendung: Alle 17 Websites von 16 untersuchten ATX-Prime-Unternehmen, die sich an Endkonsument:innen richten, weisen demnach zumindest eine digitale Barriere auf, hat Dienstleister Accessiway analysiert.

„Mangelnde Umsetzung des BaFG trotz klarer Vorgaben“

Obwohl Barrierefreiheit nicht nur rechtlich geregelt ist, sondern große Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeiter:innen seit 1.1.2025 zudem eine:n Barrierefreiheitsbeauftragte:n bestellen müssen, mangele es auch bei führenden Unternehmen wie den ATX Prime-Unternehmen – immerhin die wichtigsten börsenotierten Unternehmen des Landes – an der Umsetzung.

„In Österreich wurde ein Großteil der Vorarbeit geleistet: Der rechtliche Rahmen ist vorhanden, die meisten Organisationen wissen, was von ihnen verlangt wird und interne Verantwortlichkeiten wurden festgelegt. Einige Unternehmen machen bereits vieles richtig. Trotzdem tauchen dieselben grundlegenden Probleme nach wie vor in großem Umfang auf – es gibt also nach wie vor Aufholbedarf bei der Umsetzung“, so Jacopo Deyla, Chief Accessibility Officer bei Accessiway.

Fehlende Farbkontraste, schlechte Tastatur-Navigation

  • Fehlende Farbkontraste, die häufigste digitale Barriere, treten laut den Angaben auf 82% der untersuchten Websites auf. Wenn sich etwa der Text farblich kaum vom Hintergrund abhebt, haben ältere Menschen oder Personen mit Sehbehinderung große Probleme, Inhalte zu lesen.
  • Auf 65% der Websites funktioniere zudem die Tastaturnavigation schlecht oder gar nicht. Wer keine Maus verwenden kann oder möchte, kann diese Websites nicht bedienen.
  • Fehler bei der Anpassung an Smartphone-Bildschirme oder beim Zoomen treten bei 59% der untersuchten Websites auf, eine fehlerhafte Anzeige von vergrößerten Texten bei 41%.

Auch Smartphone-User betroffen

Eine fehlerhafte Darstellung auf mobilen Bildschirmen und beim Zoomen betrifft beinahe die gesamte Bevölkerung, kritisiert Acessiway, denn 89% der Österreicher:innen über 15 Jahren besitzen ein Smartphone. Schwache Farbkontraste betreffen dagegen insbesondere auch ältere Menschen, genauso wie die fehlerhafte Anzeige von vergrößerten Texten.

„Da laut Statistik Austria mehr als jede fünfte Person in Österreich schon heute älter als 65 Jahre ist, wirkt es sich auch auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens aus, wenn es diese zahlungskräftige Zielgruppe verliert“, so Deyla.

Nicht alle Tools zeigen so viele Fehler

Die Ergebnisse der Analyse bestätigen laut den Angaben den globalen Trend, denn laut „WebAIM Million Report 2026“ finden sich die gleichen Barrieren auf den Top 1.000.000 Websites weltweit. Viele dieser digitalen Barrieren werden von gängigen automatisierten Tests, auf die sich manche Unternehmen verlassen, freilich nicht angezeigt, heißt es. Bei einem parallel durchgeführten Test mit dem Tool Google Lighthouse schnitten viele der untersuchten Websites der ATX Prime-Unternehmen beinahe perfekt ab, obwohl Accessiway durchaus zahlreiche Barrieren festgestellt habe.

„Automatisierte Tools entdecken manche Barrieren relativ häufig, andere jedoch gar nicht. Viele österreichische Unternehmen sind schon weiter als in anderen Ländern. Wer sich nur auf solche Tools verlässt, riskiert jedoch rechtliche Konsequenzen und Verwaltungsstrafen von bis zu 80.000 Euro“, bricht Deyla eine Lanze für sein eigenes Tool.

Über die Analyse

Accessiway analysierte laut den Angaben im Mai 2026 17 Websites von 16 Unternehmen aus dem österreichischen ATX Prime-Index, die digitale Dienstleistungen für Endverbraucher:innen anbieten, darunter Banking-Plattformen, Telekommunikations-Dienste, Buchungssysteme, Energieportale und Logistik-Tools.

Die Analyse fokussierte sich laut Anbieter speziell auf Unternehmen, die sich direkt an Endverbraucher:innen richten, da diese in den Anwendungsbereich des Europäischen Gesetzes über Barrierefreiheit (EAA) fallen, das von Organisationen, die digitale Produkte und Dienstleistungen direkt für Endverbraucher:innen anbieten, die Einhaltung von Barrierefreiheitsanforderungen verlangt.

B2B- und Industrieunternehmen ohne nennenswerte, öffentlich zugängliche UX wurden für die Analyse nicht berücksichtigt, heißt es. Der ATX Prime-Index umfasst insgesamt 38 Unternehmen.

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