Wien. Vor 10 Jahren ging die „Ladies Lounge“ von Freshfields an den Start: Viel hat sich seither geändert, so die Freshfields-Partnerinnen Karin Buzanich-Sommeregger und Katharina Kubik.
Diese Woche jährt sich die „Ladies Lounge“ des Wiener Büros von Wirtschaftskanzlei Freshfields zum 10. Mal: Aus Anlass des Jubiläums luden die Freshfields-Partnerinnen Karin Buzanich-Sommeregger – Spezialistin für Arbeitsrecht – und Katharina Kubik (Steuerrecht) zum Pressegespräch. Während bei der Ladies Lounge die Mandantinnen im Mittelpunkt stehen, ging es bei dem Vorevent um die Gleichstellung von Frauen in der Rechtsbranche im Allgemeinen und bei Freshfields im Besonderen.
Auf dem Foto: Die Freshfields Ladies Lounge 2025 stand unter dem Motto „Recht trifft Kunst“ und fand in der Heidi Horten Collection in der Wiener Innenstadt statt; mit (v.l.n.r) Maria Dreher-Lorjé (Partnerin, Freshfields), Agnes Husslein-Arco (wissenschaftlich-künstlerische Direktorin HHC), Karin Buzanich-Sommeregger (Partnerin, Freshfields) und Katharina Kubik (Partnerin, Freshfields).
Von null auf vier Partnerinnen
Bei der Wirtschaftskanzlei haben sich die Zeiten geändert: Vor einem Jahrzehnt gab es im Wiener Büro maximal eine (und zeitweise überhaupt keine) Partnerin, heute sind es vier – bei insgesamt 14 Partnerinnen und Partnern, einer Zahl, die damals wie heute fast gleich geblieben ist. Doch für den Anwaltsberuf insgesamt sieht es in Sachen Gleichstellung deutlich schlechter aus, so die beiden Freshfields-Partnerinnen: Geschlechterparität bei den Neueinsteigern und bis hinauf zu den Anwärter:innen werde auf der Ebene des fertigen Anwalts oder Partners von einem deutlichen Männer-Überhang abgelöst: Nur rund ein Viertel der Anwält:innen Österreichs sind weiblich.
Die beiden Wirtschaftsanwältinnen orten die Gründe in der langen Ausbildung und den schwierigen Arbeitsbedingungen in der Branche, viele brechen den langen Karriereweg ab. Ein Problem sind auch längere Abwesenheitszeiten von der Kanzlei: Was bei Ärzten gang und gäbe ist – dass ein benachbarter Kollege oder eine Kollegin einspringt – ist bei den Anwälten kaum bekannt, zu groß ist die Angst, Klienten zu verlieren; Beschäftigte von Großkanzleien haben es hier vielleicht manchmal leichter.
Freshfields trifft jedenfalls eine Reihe von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für seine Beschäftigten, wird betont – darunter Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle sowie Teilzeitarrangements. Einfach ist die Sache trotzdem nicht, verlautete bei dem Event. So wird bei Partnerinnen und Partnern nun einmal erwartet, dass sie mehr tun – da könne ein 70 Prozent-Teilzeitvertrag dann ebenso viel Arbeit bedeuten wie ein 40 Stunden-Vertrag auf einer der unteren Ebenen. Wichtig seien auch Role Models, die Berufseinsteigerinnen auf dem Weg an die Spitze mit gutem Beispiel vorangehen.
Wo Freshfields rekrutiert – und was KI im Job bewirkt
Bei den Anfängern ist auch bei Freshfields Wien Geschlechterparität gegeben, doch auf den weiteren Karrierestufen steigen viele aus. A propos Einsteiger:innen: Derzeit hat das Wirtschaftsrechtsstudium der WU Wien zahlenmäßig dem Juridicum bei Wirtschaftskanzlei Freshfields den Rang abgelaufen, man bemühe sich aber, verstärkt auch auf anderen Universitäten Ausschau nach geeigneten Absolvent:innen zu halten – beispielsweise Uni Graz oder Uni Salzburg. Dazu setzt Freshfields etwa auf sein Praktikumsprogramm mit vier Praktikant:innen pro Monat. Konzipientinnen und Konzipienten werden dann Praxisfeldern zugeordnet.
Dem juristischen Nachwuchs raten Kubik und Buzanich-Sommeregger, den Beruf nur einzuschlagen, wenn echtes Interesse vorhanden ist – denn die Arbeitsanforderungen bleiben hoch. Dazu kommen aktuell deutliche Änderungen durch die neuen KI-Tools in der juristischen Praxisarbeit. Zwar werde es auch in Zukunft immer Junior Associates geben – allein schon damit aus ihnen die späteren Senior Associates hervorgehen – doch die KI werde die Arbeitsbedingungen verändern. So werde der menschliche Aspekt wichtiger, auch das Eingehen auf die Bedürfnisse der Klienten und die internationale Ebene. KI ändere die Arbeit zwar nicht grundlegend, doch sie beschleunige sie teilweise drastisch. Gleichzeitig wird das Klientengeheimnis zentral – um die anvertrauten Daten zu schützen, setzt Freshfields auf die eigene KI.
Gleiches Geld für gleiche Arbeit: eine aufwändige Rechnung
Bei dem Event warf auch die „Equal Pay“-Richtlinie der EU ihre Schatten voraus: Österreich ist so wie die meisten anderen EU-Staaten bei der Umsetzung säumig, der Stichtag 7. Juni ist schon nahe herangerückt. Österreich hat durch sein Gleichbehandlungsgesetz einen Startvorteil, ist man von daher doch schon an Entgeltberichte gewöhnt, so die beiden Freshfields-Expertinnen – doch gleichzeitig lege die Entgelttransparenz-Richtlinie die Hürden deutlich höher, die Personalabteilungen werden wohl große Ressourcen brauchen, um die auf sie zukommenden Berechnungserfordernisse zu bewältigen, warnen die beiden Freshfields-Partnerinnen. Sie hoffen, dass ein beträchtlicher Teil der Arbeit im Rahmen des bestehenden Kollektivvertragssystems abgebildet werden kann.
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