Konjunktur & Psychologie. Die Konzernchefs blicken immer weniger optimistisch in die Zukunft, so eine EY-Studie. Doch Übernahmen stehen hoch im Kurs.
Konzernchefs weltweit blicken immer weniger optimistisch in die Zukunft: Im Vergleich zum Jänner dieses Jahres sank der Anteil der Optimist:innen von 24 auf 18 Prozent, nachdem er im September vergangenen Jahres noch bei über einem Drittel (35%) gelegen hat.
Mit Einschränkungen optimistisch sind aktuell weltweit noch 42 Prozent – im September 2025 war noch jede:r zweite CEO eher positiv gestimmt (49%). Pessimistisch äußern sich derzeit global neun Prozent der Unternehmenschef:innen.
Wo der Schuh drückt
Besonders große Sorgen bereiten den CEOs weltweit aktuell geopolitische Krisen:
- Mehr als jede:r zweite Unternehmenschef:in weltweit (56%) zählt politische Instabilität und Kriege zu den zwei größten Risiken für das eigene Unternehmen.
- Makroökonomische Schwankungen wie z.B. Inflation und Zinsvolatilitäten spielen für 31 Prozent eine zentrale Rolle.
- Technische Disruption (23%) und Cybersicherheit bzw. Datenrisken (22%) beunruhigen fast ein Viertel der CEOs.
Trotz der zunehmenden Sorge in Bezug auf Konjunktur und Weltpolitik: Mehr denn je setzen CEOs weltweit auf Zukäufe oder Fusionen, um ihre Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen: International gesehen liegt der Anteil an geplanten M&A-Aktivitäten mit 62 Prozent auf Rekordniveau. Das sind Ergebnisse des aktuellen „CEO-Survey“ von EY, für das laut den Angaben 1.200 CEOs weltweit im April 2026 befragt wurden.
„Der Druck nimmt zu“
„Der Druck nimmt weiter zu“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich: „Die gleichzeitigen Herausforderungen durch geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren, instabile Lieferketten, steigende Energiepreise sowie tiefgreifende technologische Veränderungen stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.“ Die Zuversicht schwinde zunehmend, dass nach Zeiten großer Unsicherheit auch wieder ruhigere Phasen kommen werden. Ständiges Krisenmanagement und das Bewältigen immer neuer Herausforderungen seien mittlerweile Alltag.
Am optimistischen zeigen sich die Unternehmenslenker:innen in Japan und Großbritannien (64%), den USA (63%) sowie Kanada und Italien (je 58%). Der Anteil der Pessimist:innen ist in Deutschland und China mit je 14 Prozent am höchsten.
Höchster M&A-Appetit seit 2010
Trotz der unsicheren makroökonomischen und geopolitischen Rahmenbedingungen bleiben Transaktionen ein zentraler Hebel für Transformation und Wachstum – allerdings mit stärkerem Fokus auf strategische Passung und Kompetenzaufbau statt reiner Skalierung. 62 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten aktiv eine Übernahme oder Fusion verfolgen – das ist der höchste Wert seit 2010; vor einem Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent.
89 Prozent der CEOs erwarten, dass ihre eigene Deal‑Bereitschaft in den nächsten zwölf Monaten steigen wird. Am stärksten ist der M&A-Appetit in Deutschland: 28 Prozent sehen deutlich zunehmende Deal-Bereitschaft, gefolgt von Italien mit 22 und Großbritannien mit 20 Prozent. Die geringste Zunahme ist in Indien zu sehen. Hier wollen nur drei Prozent deutlich zukaufen. Die USA bleiben das wichtigste Zielland für geplante M&A‑Aktivitäten, gefolgt von Indien, dem Vereinigten Königreich, Kanada und Deutschland.
Mehr Geld für KI, aber nicht zum Jobabbau
KI‑Kompetenzen beeinflussen zunehmend Portfoliodesign und Kapitalallokation: Fast die Hälfte der Befragten (48%) nennt den Ausbau von Technologie‑ oder KI‑Fähigkeiten als wichtigsten Faktor bei Akquisitions‑ oder Desinvestitionsentscheidungen, dicht gefolgt vom strategischen Fit mit langfristigen Wachstumszielen (47%).
Für das kommende Jahr planen CEOs eine Mischung aus Transaktionsstrategien: M&A (62%), strategische Allianzen (57%), Joint Ventures (45%) sowie Desinvestitionen (42%).
Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich: „CEOs nutzen Transaktionen als strategischen Hebel für langfristiges Wachstum und bewahren gleichzeitig die Flexibilität, kurzfristig zu reagieren. Es geht nicht um opportunistisches Wachstum, sondern um disziplinierte Portfoliostrategien mit klarem Fokus auf strategische Passung und nachhaltigen Wert.“
Die große Mehrheit der Unternehmen – weltweit 80 Prozent – plane, die KI-Investitionen im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen. KI beginne, messbare Effekte auf Unternehmensebene zu liefern, insbesondere in wachstumsrelevanten Bereichen wie Kundennutzen (42%), Produktion sowie Strategie (41%) und Innovation (40%).
Für KI mehr Personal einstellen
Beim Ausbau seien Talent-Engpässe eine der größten Hürden. Jede:r fünfte CEO nennt fehlende KI‑ und Datenkompetenzen sowie unzureichende Führungskapazitäten für den Umgang mit KI‑getriebenem Wandel als größte personalbezogene Herausforderung. Daher planen 43 Prozent, Rollen neu zu gestalten und 42 Prozent, in Weiterbildung des Personals zu investieren. Mehr als ein Drittel (35%) möchte zusätzliche Mitarbeitende einstellen.
Reimoser: „CEOs sehen KI aktuell nicht als Ersatz für menschliche Arbeit. Mit der zunehmenden Verankerung von KI steigt die Nachfrage nach Talenten, die fachliche Expertise mit KI‑Kompetenz verbinden. Das eigentliche Risiko sind nicht Jobverluste, sondern wachsende Qualifikationslücken.“
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