Marktstudie. Erstmals seit drei Jahren stellen internationale Investoren bei großen Immobiliendeals in Österreich die deutliche Mehrheit der Käufer, so Colliers.
Der internationale Immobilien-Dienstleister Colliers hat seinen neuen EMEA-Marktbericht vorgelegt (EMEA = Europe, Middle East, Africa), in dem auch Österreich erfasst ist. Demnach hat sich im letzten Quartal einiges getan.
Die neuen Trends
Der EMEA-Immobilieninvestmentmarkt zeigt sich zum Jahresbeginn 2026 widerstandsfähig, so eine Aussendung: Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten bleibe das Investoreninteresse hoch, insbesondere in Core-Märkte und Nutzungsarten mit stabilen Cashflows, so der „EMEA Capital Markets Snapshot Q1 2026“ von Colliers.
Kapital bleibe weiterhin aktiv im Markt, auch wenn sich die Transaktionsvolumina nach einem starken Jahresende 2025 normalisieren. Investoren fokussieren sich verstärkt auf qualitativ hochwertige Assets mit stabilen Erträgen sowie langfristigem Wachstumspotenzial. Gleichzeitig erweitern sich Investmentstrategien zunehmend in Richtung Core-Plus – insbesondere in den Bereichen Büro und Wohnen.
„Das Hauptaugenmerk richtet sich weiterhin auf die Entwicklung der Inflation und der Zinssätze, doch die Aktivitäten in vielen Märkten deuten darauf hin, dass sich die Preise allmählich auf ein sowohl von Käufern als auch Verkäufern akzeptiertes Niveau einpendeln”, sagt Like Dawson, Head of Global & EMEA Capital Markets bei Colliers
Angebotsengpässe, vor allem im Logistik- und Industriesektor, begrenzen die Transaktionsaktivität, während die Nachfrage weiterhin hoch bleibe. Dies sorge für zusätzliche Marktstabilität.
Die Assetklassen
Besonders dynamisch entwickeln sich Wohnimmobilien sowie alternative Assetklassen. Build-to-Rent-, Co-Living- und Data-Center-Investments gewinnen weiter an Bedeutung. Auch Healthcare- und Senior-Living-Assets rücken verstärkt in den Fokus institutioneller Investoren.
Im Retail-Sektor konzentriert sich das Interesse auf defensive Formate wie Fachmarktzentren und lebensmittelgeankerte Objekte, während sich Hotelinvestments aktuell in einem Spannungsfeld zwischen Unsicherheit und Opportunität bewegen: Kurzfristige Nachfrageverschiebungen – etwa durch steigende Flugkosten – könnten Verschiebungen bringen.
Nachhaltigkeit bleibe ein zentrales Thema für die Immobilienbranche, wobei sich der Fokus zunehmend von regulatorischen Berichtspflichten hin zur tatsächlichen Gebäudeperformance und zur Rolle von Finanzierungspartnern verschiebe.
Wachsende internationale Beteiligung in Österreich
Der österreichische Investmentmarkt erreichte im ersten Quartal 2026 ein Transaktionsvolumen von 548 Millionen Euro und verzeichnete damit ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders aktiv zeigten sich die Assetklassen Einzelhandel und Hotel, die mit Anteilen von 46 Prozent beziehungsweise 19 Prozent den Markt dominierten, so der Colliers-Bericht. Der Wohnimmobiliensektor entwickelte sich hingegen verhaltener, was insbesondere auf eine geringere Anzahl an Fondsverkäufen zurückzuführen ist.
Auffällig ist laut Colliers die Rückkehr internationaler Investoren: Erstmals seit drei Jahren stellten sie mit 64 Prozent die Mehrheit der Käufer. Parallel dazu stieg auch der Anteil institutioneller Investoren auf 59 Prozent. „Der österreichische Investmentmarkt zeigt sich aktuell deutlich stabilisiert und profitiert von einem wieder zunehmenden Vertrauen internationaler Investoren. Besonders gefragt sind hochwertige, gut positionierte Assets mit nachhaltigen Ertragsprofilen. Abgeschlossene Transaktionen haben gezeigt, dass entsprechende Objekte im Bürosektor auch in den Landeshauptstädten auf hohes Investoreninteresse stoßen“, so Dietmar Steger, Head of Capital Markets bei Colliers Austria.
Der Ausblick
Für das zweite Quartal 2026 zeichne sich eine stabile, aber differenzierte Marktentwicklung ab. Weder sei mit einem deutlichen Rückgang der Aktivität zu rechnen noch mit einer abrupt zunehmenden Dynamik. Stattdessen bleibe der Markt geprägt von kontinuierlicher Transaktionstätigkeit, begleitet von laufenden Preisverhandlungen und selektiven Anpassungen auf Deal-Ebene.
Die Marktliquidität konzentriere sich insbesondere auf jene Märkte, die als Treiber der nächsten Erholungsphase gelten. Im grenzüberschreitenden Investmentvolumen der letzten zwölf Monate bis Q4 2025 führen das Vereinigte Königreich mit 25,4 Milliarden Euro, gefolgt von Deutschland (11,4 Milliarden Euro), Frankreich (10,5 Milliarden Euro), Spanien (6,6 Milliarden Euro) und Schweden (5,0 Milliarden Euro).
Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Marktverwerfungen liege in der gestiegenen Vorbereitung der Marktteilnehmer: Erwartete Veränderungen bei Inflation und Zinsen fallen moderater aus, gleichzeitig ist die Bereitschaft gestiegen, auch in einem unsicheren Umfeld aktiv zu bleiben und Transaktionen abzuschließen.
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