Theorie & Praxis. Burkhard Gniewosz und Jörg Zumbach von der Uni Salzburg haben ein Buch über die psychologischen Auswirkungen von Heavy Metal Musik veröffentlicht. Sie spielen auch selbst.
Die beiden Forscher Burkhard Gniewosz und Jörg Zumbach, beide Professoren am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Uni Salzburg, haben das Buch „No Fear of the Dark“ (Kohlhammer, 2026) über die Psychologie von Heavy Metal Musik veröffentlicht. Der eine ist Experte für quantitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft, der andere forscht zu Lehr-Lernprozessen mit digitalen Medien. Privat verbindet sie die Leidenschaft für verzerrte Gitarren, so eine Aussendung.
Auf 182 Seiten gehen sie in dem neuen Werk der Frage nach, was im Kopf passiert, wenn die Gitarrenriff einsetzen. So wird beispielsweise die Frage behandelt, ob Heavy Metal aggressiv macht: „Nein“, lautet das Ergebnis der beiden Salzburger Forscher.
„Zwar enthalten viele Songs aggressive Themen, doch Fans profitieren emotional und sozial von der Musik. Wer Metal hört, verarbeitet negative Emotionen besser, fühlt sich danach ruhiger, nicht aufgewühlter. Neuere Studien zeigen sogar, dass aktives Hören von Metal die Wut bei Fans reduziert – ein Befund, der Eltern, Lehrern und Therapeuten gleichermaßen zu denken geben sollte“, so Gniewosz.
„Starkes Gemeinschaftsgefühl“
Auch wurde analysiert, ob die Metal-Szene ein Sammelbecken für „psychisch Auffällige“ ist: „Auch das lässt sich empirisch nicht halten. Was sich hingegen zeigt: Metal-Fans berichten über ein ungewöhnlich starkes Gemeinschaftsgefühl und profitieren von einer Szene, die Außenseitern Zugehörigkeit bietet – mit erstaunlich niedrigen Einstiegshürden, solange man das richtige Bandshirt trägt“, so Zumbach.
Ein eigenes Kapitel widmet sich der Entwicklungspsychologie und warum Jugendliche Metal genau in der Pubertät entdecken. Gniewosz und Zumbach beschreiben, wie die Musik als Werkzeug der Identitätsarbeit funktioniert – laut, sichtbar, bewusst gegenkulturell, und gerade deshalb wirksam. Metal biete Jugendlichen demnach einen Rahmen, in dem intensive Emotionen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht sind. Das ist entwicklungspsychologisch betrachtet ein seltenes Angebot, meinen die Forscher.
Weitere Kapitel behandeln die Rolle von Geschlecht in einer historisch männlich dominierten Szene, den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Musikpräferenz, und die klinisch-psychologische Frage, ob Metal-Texte über Gewalt, Suizid oder Satanismus tatsächlich schaden können.
Die Reihe „Metalbook“, herausgegeben von Peter Pichler (Uni Graz), versammelt seit 2023 wissenschaftliche Perspektiven auf die Metal-Kultur, etwa eine Soziologie des Genres durch Hartmut Rosa. Der Salzburger Band ergänzt die Reihe nun um die psychologische Perspektive.
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