Open menu
Bildung & Uni, Recht

Ethik auf facultas.recht: Wenn die UVP zum Steuerungsinstrument wird

Marlon Possard ©Privat

Rechtsblogs. Mit Blick auf Tirol lässt sich in den letzten Monaten gut beobachten, wie eng juristische Verfahren mit grundlegenden ethischen Fragen verknüpft sein können, schreibt Prof. Marlon Possard.

Mehrere geplante Wasserkraftprojekte – vor allem aber das Projekt „Ausbau des Kraftwerks Kaunertal“ mit einem zusätzlichen Speicher im sog. „Platzertal“ – haben intensive und kontroverse öffentliche Debatten ausgelöst, schreibt Possard in seinem Beitrag auf dem Blog facultas.recht. Während Befürworter:innen darin einen wichtigen Baustein der Energiewende sehen (z. B. ein leistungsfähiges Pumpspeicherkraftwerk, das erneuerbare Energie speichert und so die Stabilität zukünftiger Stromsysteme gewährleistet), warnen hingegen Kritiker:innen vor erheblichen Eingriffen in einen sensiblen alpinen Naturraum, der bisher weitgehend unerschlossen geblieben ist.

Ein strukturelles Problem der Umweltpolitik: Ausbauen, aber wo?

Solche Konflikte sind längst kein regionales Einzelphänomen mehr, sondern sie spiegeln ein strukturelles Problem moderner Umweltpolitik wider: Der Ausbau erneuerbarer Energien – politisch weithin gewollt und klimapolitisch notwendig – kann selbst erhebliche ökologische Auswirkungen haben. Gerade im alpinen Raum, wo Flüsse, Gletscherlandschaften und hochalpine Ökosysteme besonders empfindlich sind, entsteht ein Spannungsfeld zwischen zwei legitimen Zielen – nämlich zwischen dem Schutz der Natur einerseits und der Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung andererseits.

Für Jurist:innen ist diese Konstellation besonders interessant, so Possard: Die entscheidenden Auseinandersetzungen werden nicht allein politisch geführt, sondern im Rahmen rechtlicher Verfahren. In das Zentrum rückt dabei die UVP. Eine Frage, die über das positive Recht hinausweist, ist diesbezüglich von Priorität: In welchem Verhältnis stehen Recht und Ethik, wenn über Eingriffe in Natur und Umwelt entschieden wird?

In der Folge beschreibt Possard den Charakter der UVP als „mehr als ein technisches Verwaltungsverfahren“, geht auf ihre politischen Wurzeln ein und auf die grundlegenden ethischen Fragen, die sich stellen – insbesondere folgende: Darf der Schutz der Natur zugunsten klimapolitischer Ziele relativiert werden? Oder anders formuliert: Wenn ein Projekt global zum Klimaschutz beiträgt, aber lokal ein empfindliches Ökosystem zerstört – welches Gut wiegt dann schwerer?

Auch der Umgang damit in der juristischen Praxis wird in dem Beitrag behandelt: „Jurist:innen übernehmen in solchen Verfahren – so denke ich – gleichsam eine doppelte Rolle. Einerseits sorgen sie für die korrekte Anwendung rechtlicher Normen und Verfahren. Andererseits wirken sie – ob bewusst oder unbewusst – an der Ausgestaltung gesellschaftlicher Wertentscheidungen mit“, schreibt Possard.

Jetzt den Newsletter von Extrajournal.Net abonnieren

Täglich aktuell in Ihrer Mailbox.

Weitere Meldungen:

  1. Sommerfest von LexisNexis: KI, Kunst und internationale Expansion
  2. Facultas Wissen: Equal Pay, globale Versicherungen und mehr
  3. KI für Juristen: Stämpfli startet Libra by Wolters Kluwer
  4. 40 Jahre RDB Rechtsdatenbank: Legal Workspace Manz-Noxtua startet

Schreiben Sie einen Kommentar