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Business, Recht

Milliarden-Ausbau bei Batteriespeichern: Österreich könnte profitieren

Thomas Ruhm ©Christina Anzenberger-Fink

Bauen, aber wo. Europas Batteriespeichermarkt steht vor einem Wachstumsschub: Bis zu 68 Milliarden Euro werden investiert, so eine Fieldfisher-Analyse. Österreich könnte profitieren.

Europas Batteriespeichermarkt steht vor einem massiven Wachstumsschub: Laut dem neuen Report „The European Battery Energy Storage System (BESS) economy 2026″ der internationalen Anwaltskanzlei Fieldfisher soll die großskalige Batteriespeicherkapazität bis 2030 auf mehr als 100 GW steigen und sich damit mehr als versechsfachen.

In dem Report werden elf europäische Märkte näher analysiert. Für den Ausbau wären bei den aktuellen Kosten Investitionen von rund 68 Milliarden Euro notwendig, heißt es.

Wer rasch baut, geht in Führung

Welche Länder verstärkt Investitionen anziehen werden, hänge zunehmend an Weichenstellungen rund um Netzanschlüsse, Genehmigungsverfahren, regulatorische Rahmenbedingungen und Cybersecurity. Netzengpässe gelten gleich in neun von elf untersuchten Ländern als zentrale Herausforderung für die Projektrealisierung.

Österreich zählt bereits zu einem der größeren europäischen Batteriespeichermärkte, die unter die Lupe genommen wurden – steht jedoch vor kurzfristigen regulatorischen und rechtlichen Hürden, wie Thomas Ruhm, Country Managing Partner bei Fieldfisher Österreich, erläutert.

Ein Baustein der Energiewende

Batterie-Energiespeichersysteme, kurz BESS, werden in Europa zunehmend zu einem entscheidenden Baustein der Energiewende, heißt es: Sie sollen helfen, erneuerbare Energien besser ins Stromsystem zu integrieren, Netzschwankungen auszugleichen, Abregelungen zu reduzieren und zusätzliche Erlösmodelle für Energieprojekte zu ermöglichen. Ein einfaches Beispiel: Sonnenstrom gibt es nur am Tag, der Fernseher läuft aber in der Nacht – und das in hunderten Millionen Haushalten in Europa.

Während die Nachfrage nach Speicherlösungen in Europa steigt, zeige der BESS-Report deutliche Unterschiede in der Marktreife. „Europa befindet sich in einer entscheidenden Phase beim Ausbau von Energiespeichern – und Österreich steht dabei an einem kritischen Wendepunkt“, erklärt Thomas Ruhm.

Österreich hat Power, aber keine Strategie

Denn aktuell nehme Österreich im europäischen Vergleich bereits eine wichtige Rolle ein: Laut dem Bericht ist Österreich unter den untersuchten Ländern mit fast 1 GW installierter Batteriespeicherkapazität der viertgrößte BESS-Markt. Zum Vergleich nennt das Dokument für Deutschland 2,4 GW installierte Utility-Scale-Kapazität, für Irland 1,2 GW und für Frankreich 1,07 GW mit einem erwarteten Anstieg auf 1,7 GW.

Größere Länder wie die Niederlande (250 MW), Spanien (rund 60 MW), Polen (rund 32 MW) oder Portugal mit 13 MW installierter Kapazität lässt Österreich momentan deutlich hinter sich. Doch wohin geht die Reise in den nächsten Jahren? „Einerseits verfügt Österreich über ambitionierte energiepolitische Ziele: 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040. Gleichzeitig sehen wir aber, dass Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie bisher noch nicht die notwendige regulatorische Klarheit und Priorität erhalten haben“, so Ruhm.

Die größte Herausforderung liege derzeit im Spannungsfeld zwischen ambitionierten Zielen und praktischer Umsetzung. Ruhm: „Genehmigungsverfahren dauern oft länger als vorgesehen, regulatorische Unsicherheiten bremsen Investitionen, und ein klarer nationaler Speicher-Fahrplan fehlt weiterhin.“

Genehmigungsverfahren bleiben zentrale Hürde

Laut dem Report sollten Genehmigungen unter den EU-RED-III-Vorgaben nicht länger als 24 Monate dauern. Aktuelle Verfahren liegen in Österreich jedoch bereits jetzt bei durchschnittlich über 18 Monaten. Hinzu kommen regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern, Projektbacklogs und Risiken in den Anschlusswarteschlangen.

Für Projektentwickler bedeute das: Frühzeitige Abstimmung mit Behörden, belastbare Genehmigungsstrategien und rechtlich robuste Projektstrukturen werden unerlässlich. Österreich soll daher jetzt die richtigen Weichen stellen, heißt es aus dem Wiener Büro von Fieldfisher: Gefragt seien schnellere und einheitlichere Genehmigungsprozesse, klare Marktregeln und attraktive Rahmenbedingungen für Investoren. Nur so könne das Land seine starke Ausgangsposition nutzen und sich im europäischen Wettbewerb nachhaltig behaupten.

Netzausbau als Schlüssel für Investitionen

Neben regulatorischen Fragen bleibe der Netzanschluss ein zentraler Faktor von BESS-Projekten. Laut Report plant Austrian Power Grid bis 2034 massive Investitionen von neun Milliarden Euro in den Ausbau des Übertragungsnetzes. Diese Netzinvestitionen sind Teil einer breiteren Modernisierung der österreichischen Infrastruktur und können laut Fieldfisher neue Chancen für strategisch positionierte Speicherprojekte schaffen – insbesondere in Regionen mit chronischer Netzüberlastung, in denen Batteriespeicher zur Stabilisierung und Flexibilisierung des Systems beitragen können.

„Es entstehen erhebliche Chancen: Der zunehmende Ausbau von Solar- und Windenergie wird den Bedarf an Flexibilitätslösungen deutlich erhöhen. Batteriespeicher können hier nicht nur zur Netzstabilität beitragen, sondern auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen – von Arbitrage über Systemdienstleistungen bis hin zu hybriden Projekten“, so Ruhm.

Ein Umsetzungsrennen – über regulatorische Hürden

Der Fieldfisher-Report zeige insgesamt: Der europäische Batteriespeichermarkt stehe vor einer massiven Wachstumsphase, doch der Erfolg hängt nicht allein vom Investitionsvolumen ab. Entscheidend werde sein, ob Regulierung, Genehmigungen, Netzanschlüsse und Sicherheitsanforderungen mit dem Tempo des Marktes Schritt halten können.

Besonders attraktiv werden jene Märkte sein, die regulatorische Klarheit, Finanzierungsmöglichkeiten, Netzentwicklung und belastbare Cybersecurity-Frameworks miteinander verbinden. „Aus unserer Sicht gilt: Wer jetzt handelt, sichert sich einen strategischen Vorteil in einem Markt, der in den kommenden Jahren stark wachsen wird“, so Thomas Ruhm.

Ein spannender Markt für Infrastruktur-Investoren

Im BESS-Report wird auch detailliert auf mögliche Strategien von Batteriespeicher-Investoren eingegangen. Der Konflikt rund um den Iran mit seinen steigenden Energiepreisen werde die Nachfrage nach erneuerbaren Energien erhöhen, damit aber gleichzeitig die Netze weiter belasten – mit entsprechenden Chancen für Batteriespeicherprojekte. Österreich zählt insgesamt neben Deutschland, Polen, Spanien und UK zu den fünf Ländern mit dem größten Investoreninteresse, so der Report.

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