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Österreichs Internet-Unternehmen geben sich Regeln für KI-Einsatz

Stefan Ebenberger ©POV / Robert Herbst

Interview. Die Internetfirmen-Organisation ISPA hat erstmals Richtlinien für den KI-Einsatz aufgestellt. ISPA-General Stefan Ebenberger schildert die Ziele.

Extrajournal.Net: KI wird immer mehr zu einem integralen Bestandteil der Wirtschaft, und das gilt natürlich für die Mitglieder der ISPA ganz besonders. Nun hat die ISPA erstmals formelle Richtlinien für den Umgang mit KI aufgestellt. Was war der Anstoß und wie lange arbeiten Sie daran schon?

Stefan Ebenberger: Die ISPA beschäftigt sich schon seit längerer Zeit intensiv mit den Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz und den dazu entstehenden rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen. Seit die KI-Verordnung erstmals konkret zum Thema wurde haben wir darin einen besonderen Schwerpunkt gesetzt. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass es für die Internetbranche und unsere Mitglieder nicht mehr nur um technische Möglichkeiten geht, sondern auch um klare rechtliche Anforderungen und Pflichten in der Praxis.

Der Anstoß für den ISPA-Leitfaden war daher die Kombination aus rasantem technologischem Fortschritt, steigenden Erwartungen an Transparenz und Sicherheit und dem konkreten Bedarf unserer Mitgliedsunternehmen nach Orientierung. Den Leitfaden braucht es jetzt, weil KI zunehmend zum integralen Bestandteil von Geschäftsprozessen wird und für die Innovationskraft Österreichs und Europas nicht mehr wegzudenken sind. Dabei vertritt die ISPA die Position, dass Regulierung als auch Entwicklung und Anwendung von KI stets unter der Prämisse des Digitalen Humanismus stehen sollte und sichergestellt werden sollte, dass der technische Fortschritt auch zu einem menschlichen Fortschritt führt.

Eine Hilfe bei der Umsetzung in der Praxis

Was legen die Richtlinien konkret fest? Sind sie verbindlich oder eher Denkanstöße?

Stefan Ebenberger: Der ISPA-Leitfaden soll unsere Mitglieder frühzeitig bei der Umsetzung der Vorgaben unterstützen, weil KI immer stärker in Produkte und Prozesse einfließt. Konkret bietet der Leitfaden einen kompakten Überblick über die zentralen Inhalte der KI- Verordnung, eine Einordnung von Risikostufen für KI-Systeme inklusive Risikobewertungen anhand konkreter Use-Cases und Orientierung zur Einhaltung zentraler KI-Governance-Anforderungen.

Das Dokument gibt zusätzlich Auskunft über die Pflichten für Anbieter und Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen, sowie die Schnittstellen zwischen KI-Verordnung, NIS2 und ePrivacy. Unser Ziel ist es, rechtliche Vorgaben und neue Rechtsakte für unsere Mitglieder möglichst übersichtlich aufzubereiten und ihnen eine Orientierung zu bieten, wie entsprechende Prozesse und Strukturen in der Praxis implementiert werden können. Dabei verstehen wir unseren KI-Leitfaden ausdrücklich als unterstützende Hilfestellung und nicht als rechtlich verbindliche Vorgabe. Er soll Unternehmen dabei unterstützen, die Anforderungen besser zu verstehen und praxisnah umzusetzen.

Ausbau-Wünsche: „Angemessene Abwägung, Regulatory Sandboxes, Open Source“

Die ISPA hat zum Thema KI auch schon eine Broschüre für das breite Publikum herausgebracht, mit dem Titel „Mut statt Mythen“. Sie soll die oft überzogenen Erwartungen an die Technologie auf den Boden der Tatsachen zurückbringen, gleichzeitig aber auch die Chancen für Österreich aufzeigen. Wo sehen Sie Defizite in der öffentlichen Diskussion über KI?

Stefan Ebenberger: Aktuell liegt der Fokus sehr stark auf Datenschutz, der völlig zu Recht seit über zwei Jahrzehnten einen hohen Stellenwert hat. Was in der Diskussion aber oft fehlt, ist die wirtschaftliche Nutzung nicht-personenbezogener Daten. Dabei sind Datenzugang und -verfügbarkeit ein Schlüssel für künftige Innovationen – vom Training von KI-Modellen bis zu effizienteren Prozessen. Damit dieses Potenzial in Österreich ankommt, braucht es praxistaugliche Rahmenbedingungen, die Datennutzung ermöglichen ohne Schutzinteressen zu schwächen.

Notwendig sind auch Förderprogramme auf nationaler Ebene, um speziell die KI-Grundlagenforschung zu stärken. Ein anderer wichtiger Hebel, um Innovation in Österreich und Europa voranzutreiben ist die Förderung öffentlich zugänglicher und kostenloser Foundation Models. So würden auch kleinere Unternehmen innovative KI-Anwendungen entwickeln können und nicht nur jene, die über große Budgets, Rechenleistung und Datenbestände verfügen. Gefragt sind effektive Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen, insbesondere für KMUs, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und KI-Systeme erfolgreich einzusetzen.

Nicht zuletzt fordert die ISPA, dass bei der Regulierung von KI eine angemessene Abwägung zwischen Gefahrenminimierung und Innovation vorgenommen wird. Es braucht klar abgegrenzte Begriffsdefinitionen, einen risikobasierten Ansatz, Regulatory Sandboxes für neue KI-Anwendungen sowie angepasste Rahmenbedingungen für Open-Source-Projekte.

Aus diesen Gründen haben wir auch die Broschüre „Mut statt Mythen“ entwickelt. Wir wollen die Debatte versachlichen, überzogene Erwartungen korrigieren und gleichzeitig konkrete Chancen für Österreich sichtbar machen. Unser Ziel ist, dass wir bei KI weder in Alarmismus noch in Hype verfallen, sondern Kompetenzen stärken und sie als Innovationsantrieb nutzen können.

Im Interview

Mag. Stefan Ebenberger ist Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria.

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